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Tabletop und indirektes Licht: Perfekte Blitzbilder ganz einfach

Ich fertige öfters Fotografien von kleineren Objekten an, und zwar auf einem Tisch bzw. per „tabletop“. Hier zeige ich ein Bildbeispiel, welches wirklich schau aussieht, dabei aber verblüffend einfach fotografiert wurde: und zwar einfach nur mit dem aufgesteckten Blitz und der Technik des sogenannten „Bouncen“, also mit indirekt gesetztem Licht.

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Ich arbeite derzeit an einer Website über Smartphones und deren Zubehör. In einem Artikel soll es um externe Tastaturen gehen, die man ja ganz einfach mittels Bluetooth mit dem Handy verbinden kann. Nun, hierfür benötige ich natürlich entsprechende Produktfotografien. Und diese fertige ich freilich selber an: ohne großen Aufwand bzw. ohne spezielle Technik. Hier kommt zunächst mein Foto:

Eine Produktfotografie mit einfachem Licht

Das Smartphone und die Tastatur sehen doch wirklich toll aus! Wie aus dem Katalog. Ein schönes weiches Licht legt sich von der Seite her über die beiden Geräte. Es wird alles sehr gut ausgeleuchtet. Es sind keine harten Schlagschatten erkennbar. Ich nutzte ein sehr schmeichelhaftes Licht, welches ideal für derlei Produktfotografien ist. Das Beste: Das kann jeder, der einen simplen Aufsteckblitz mit drehbarem Blitzkopf besitzt:

*"Das Blitz-Kochbuch" ist ein moderner und reich bebilderter Leitfaden für den Fotografen, welcher sich kreativ mit Blitzlicht auseinander setzen möchte - und dies mit einfachen und kompakten Aufsteckblitzen. Auf Amazon kann man einen Blick ins Buch werfen.

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Zur Aufnahme-Technik und das Bouncen

Vielleicht denken Sie, für ein solches Foto bedarf es eine Hohlkehle und mindestens zwei Softboxen. Gefehlt! Nein, solche kleinen Gegenstände kann man in einer solchen Qualität ganz einfach im Wohnzimmer fotografieren:

Ich nahm meine alte Canon Powershot G3 (eine betagte Kompaktkamera, die ich aber ob ihrer Flexibilität recht schätze) und setzte meinen treuen Yongnuo-Blitz darauf. Auf einen Tisch legte ich einen weißen, größeren Karton und positionierte darauf meine Objekte. Ich nutzte hierzu einen Kapa-Karton aus dem Bastelladen. Es war wichtig, dass sowohl rechts als auch links daneben je eine weiße Wand vorhanden war. Diese Wände dienen als Reflektionsflächen für die Technik des indirekten Blitzens. Bei mir standen diese Wände ca. vier Meter weit auseinander und in der Mitte lag mein Motiv. Jedoch kann man hierzu auch besagte Kapa-Platten als Aufheller nutzen, wenn sie denn genügend groß sind. Auch weiße Bettlaken eignen sich hierzu, ebenso Styropor-Platten. Ich wollte es mir bei meiner Tabletop-Aufnahme so einfach wie möglich machen und nutzte einfach die Wände des Zimmers als Aufheller bzw. Reflektoren:

Nun fotografierte ich das Objekt und richtete das Blitzlicht gegen eine der beiden weißen Wände. Dies nennt man „Bouncen“ und ist nichts weiteres, als dass man das Blitzlicht indirekt nutzt (also von den Wänden reflektiert). Als Resultat erhielt ich ein äußerst weiches Licht von der Seite. Dass das Licht von der Seite kommt, ist hier wichtig, denn durch Bouncen an einer nebenstehenden Wand wird zum einen die Oberflächenstruktur sehr schön betont. Zum anderen verhindert man somit Spiegelungen.

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Wichtig: Da die Oberfläche des Smartphones sehr glatt ist, war es wichtig, dessen Winkel so zu positionieren, dass es keine Spiegelungen von der weißen Wand rechterhand (auf die ja das Blitzlicht trifft) gibt. Tritt so etwas auf, muss man die Position etwas ändern.

Der erste Schritt war getan: Alles auf dem Tisch (daher der Begriff „tabletop“) wurde durch das indirekte Blitzlicht sowohl sehr weich als auch mit einer gewissen Lichtrichtung ausgeleuchtet. Diese Lichtrichtung gibt Gegenständen einen gewissen „Schliff“. Ferner sind bei der Tastatur die Tasten sehr deutlich abgegrenzt. Das geht nur, wenn das Licht etwas von der Seite einfällt, damit kleine Schatten, eher Schattierungen, auftreten können. Hätte ich den Blitz hoch zur Zimmerdecke „gebounced“, dann wäre alles gleichmäßig ausgeleuchtet gewesen, etwas langweilig. Außerdem hätte sich dieses Licht stark in der Oberfläche gespiegelt.

*Für wenig Geld bekommt man bereits ein sehr brauchbares Faltreflektor-Set mit dem Umfang von 110 cm. Bei Amazon. Den Innenteil (ein Diffusor) nutze ich bevorzugt als kompakte Alternative zu einer Softbox.

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Statt für meine Tabletop-Aufnahme weiße Wände als Aufheller und Reflektor für das Blitzlicht zum indirekten Blitzen zu nutzen, kann man auch einen 5in1-Reflektor nehmen bzw. zwei davon. Aber ich wollte im kleinen Zimmer so wenig Aufwand wie nur möglich betreiben, um dennoch sehr schnell ein überzeugendes Ergebnis zu erhalten.

Die richtige Belichtung: Das Smartphone-Display soll leuchten

Durch das indirekte Licht bzw. durch ein sehr großvolumiges Licht von der Seite her (+ Aufheller von der anderen) habe ich alles sehr schön ausgeleuchtet – bei minimalem Aufwand! Nun gibt es bei diesem Tabletop-Foto aber noch ein Detail, welchem man Beachtung schenken sollte: der selbstleuchtende Bildschirm des Smartphones. Dieses Leuchten soll sich freilich ebenfalls auf dem Foto wiederfinden. Das funktioniert nur über eine recht lange Belichtungszeit. Ich stellte meine Kamera auf den manuellen Modus ein und wählte hier eine Belichtungszeit von 1/4 Sekunde, also recht lang. Nur so konnte der – im Verhältnis zum hellen Blitz – recht dunkle Bildschirm gleichermaßen hell abgebildet werden. Natürlich benötigte ich für die Aufnahme ein Stativ, damit es nicht zu Verwackelungen kommen konnte. Die korrekte Belichtungszeit ermittelte ich vorher durch mehrere Testaufnahmen und durch das Betrachten des Histogramms meiner Digitalkamera. Wenn man mit hohe ISO-Werten fotografiert, kann man jedoch evtl. auch auf das Stativ verzichten (weil man dann kürzere Belichtungszeiten nutzen kann).

Schlussendlich gab es zwei Phasen / zwei Schritte bei dieser Fotografie:

  1. Durch das Bouncen mit dem Blitz wurde alles blitzschnell weich ausgeleuchtet und abgebildet.
  2. Durch die lange Belichtungszeit (der Blitz war gleich am Anfang mit seiner „Arbeit“ fertig) schrieb sich nachträglich noch der selbstleuchtende Bildschirm mit ins Foto ein.

Fertig war diese doch recht hübsche Produktfotografie.

Den manuellen Weißabgleich nutzen

Wenn man das „neutrale“ Blitzlicht indirekt über Reflexionswände hin zum Motiv lenkt, muss man bedenken, dass das Licht nun die Eigenfarbe dieser Reflektoren annimmt! Dies ist zunächst ein kleiner Nachteil des indirekten Blitzens. So sehen meine Zimmerwände zwar für das Auge weiß aus, sie sind es aber nicht: Sie besitzen einen ganz leichten Rotton.

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Dieser Farbton wird vom Blitzlicht angenommen. Daher ist es nicht unwichtig, dass man zunächst einen manuellen Weißabgleich an der Kamera vornimmt, um ein möglichst neutral belichtetes Foto zu erhalten.

Noch eine Kleinigkeit für die nachträgliche Bildbearbeitung

Eine Kleinigkeit könnte man noch nachträglich per Bildbearbeitung vornehmen: Die recht Seite der Tastatur ist dadurch, dass sie sich nun näher an der Leuchtfläche befand, heller als die linke. Hier müsste man diesen Bereich dann in der Bildbearbeitung am Computer (z. B. mittels Photoshop oder Gimp) „nachbelichten“, damit der Helligkeitsunterschied nicht so hoch- bzw. gar nicht mehr vorhanden ist. Mir gefällt es aber auch so. Alternativ könnte man die Tabletop-Fläche weiter von der Reflexionsfläche des Blitzlichtes (weiße Wand) entfernen, wenn es die Räumlichkeiten (und die Blitzleistung) zulassen und erhält somit einen mehr unscheinbar auftretenden Lichtverlauf. Doch dann wäre wiederum dieser gewisse „Glanz“ verloren gegangen, welcher bei solchen Produktfotografien vielleicht gar nicht so verkehrt ist (obwohl er [eine Reflexion] rein konservativ betrachtet als Fehler bezeichnet werden könnte).

Artikeldatum: 27.10.2015 / letzte Änderung: 29.04.2016

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4 Anmerkungen bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.