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Kerze fotografieren: Ein Lösungsansatz mit Blitzlicht

Ein Leser meines Blitzblogs hatte mich in einem Kommentar gefragt, wie man am besten eine (brennende) Kerze fotografieren könnte. So etwas reizt mich durchaus. Also habe ich mich an eine Lösung heran gewagt und bin der Meinung: Ohne Blitz läuft hier nichts.

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Ich habe einmal im Internet nachgesehen, wie andere Kerzen fotografieren bzw. wie andere Fotografen vorschlagen, wie man dies am besten macht. „Das Blitzgerät muss aus“ hieß es da. Doch ich bin hier ganz anderer Meinung! Das Blitzgerät muss an bleiben, zumindest was meine Bildvorstellung anbelangt. Allerdings spreche ich auch nicht vom direkt auf das Motiv gerichtete Blitzlicht, doch der Reihe nach:

Fotografie einer Kerze

Hier ist mein Foto einer Kerze:

eine Kerze fotografieren

Na, das sieht doch recht hübsch aus, finde ich. Gewiss, man könnte den Vordergrund in der Bildbearbeitung noch etwas „nachbelichten“ bzw. abdunkeln und vielleicht den Hintergrund etwas unschärfer gestalten. Das Bild müsste etwas „heimeliger“ wirken, was man durch gezieltes Abdunkeln in der Bildbearbeitung erreichen kann. Doch mein Foto der Kerze war eine schnelle Übung, die ich eigentlich nur für einen Kommentar hier im Blog angefertigt hatte. Ich finde dieses (unbearbeitete) Ergebnis technisch schon recht überzeugend und möchte nun etwas detaillierter auf das Licht eingehen.

Das Foto der Kerze ohne Blitz mit Langzeitbelichtung

Das oberer Foto ist mit zusätzlichem Blitzlicht entstanden. Was passiert, wenn man es weg lässt und dafür die Belichtungszeit der Kamera viel länger einstellt, damit das Bild ausreichend hell erscheint? Das sieht dann so aus:

Langzeitbelichtung einer Kerze

Dies hat natürlich auch etwas. Hier diente nur das Kerzenlicht selbst für die gesamte Beleuchtung. Das Foto unterscheidet sich aber klar vom ersten. Als Produktfotografie (eines meiner Lieblingsgebiete) ist es sicherlich überhaupt nicht geeignet. Hier wird das Glühen sehr schön visualisiert. Die (zugegeben kitschige) Rosenform der Kerze selbst wird hier jedoch nur unzureichend abgebildet. Meinem Geschmack nach benötigt ein solches Foto noch zusätzliches Licht, welches aber nicht zu stark dominieren darf!

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Mischlicht verwenden

Das Geheimnis für das gute Fotografieren einer Kerze liegt im Mischlicht: Das Kerzenlicht / die Flamme selbst ist die eine Leuchtquelle. Das Blitzlicht ist die zweite Lichtquelle.

ISO Brennweite und Blende

Doch zunächst galt es, sich Gedanken über drei Faktoren der Kamera zu machen. Hinweis: Man sollte hier nur im manuellen Kamera-Modus arbeiten!

Die Belichtungszeit wählen

Der folgende Punkt ist sehr wichtig:

Mit der Länge der Belichtungszeit steuere ich die Helligkeit der Flamme.

Nach einigen Tests war es klar: Bei einer Belichtungszeit von 1/125 Sekunde war die Flamme gerade noch nocht „ausgefressen“ was man auf dem Histogramm der Kamera gut beurteilen kann.

Wie sähe das Foto dann aus, wenn ich auf den Blitz zunächst verzichte?

Kerze fotografiert ohne Blitz

Hier sehen Sie all dies, was die Flamme selbst (bei 1/125 Sekunde) auszuleuchten vermag. Das ist nicht viel. Dafür ist sie schön scharf abgebildet und auch der Docht ist klar erkennbar. Würden Sie die Belichtungszeit erhöhen (wie im zweiten Bild dieses Artikels), dann würde der Docht irgendwann auf dem Foto verschwinden und die Flamme sich „ausweiten“.

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Die erste Lichtquelle des Mischlichtes ist also eingerichtet. Nun fehlt nur noch etwas Blitzlicht:

Das Blitzlicht einrichten

*Der günstige Slave-Blitz YN460 ist leider nicht mehr erhältlich. Stattdessen sei der Nachfolger Yongnuo YN560 IV empfohlen (preiswert auf Amazon), der ebenfalls entfesselt als Tochterblitz eingesetzt werden kann und völlig manuell bedienbar ist.

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Für das Blitzgerät ist die Belichtungszeit egal, solange Sie nicht die für Ihre Kamera gültige „Blitzsynchronzeit“ überschreiten. So ist bei manchen Kameras in der Tat schon bei 1/125 Sekunde Schluss und bei 1/250 Sekunde würde beim Blitzen ein schwarzer Balken im Bild abgebildet sein (der Verschlusstuch-Vorhang). Doch dies nur am Rande.

Ich steckte also meinen kleinen manuell regelbaren Yongnuo auf die Kamera und richtete den Blitzkopf gleich weg von der Kerze. Keinesfalls sollte man diese direkt anblitzen. Ich möchte indirekt blitzen und ein schönes weiches Licht zu bekommen.
Hinter mir befand sich eine weiße Wand, die ich als Reflektor verwendete: Gegen sie schickte ich zunächst das Blitzlicht, dass dieses von dort zurück zu meiner Kerze reflektiert wurde. Auf diese Weise bekommt man das Licht des Blitzgerätes schön weich.

Nun bedurfte es einige Probeaufnahmen, bei denen ich die Leistung des Blitzes manuell regelte. Bei meiner Situation war die richtige Lichtmenge jene, die das Blitzgerät bei 1/4 Leistung abgab. Stellte ich es stärker ein, war die Kerze zu hell ausgeleuchtet und die „Heimeligkeit“ war dahin. War der Blitz wiederum zu dunkel, wurde die Kerzenform zu schwach abgebildet. Ein klarer Fall für manuelles Blitzen bei Kontrolle durch das Auge am Kameradisplay. Bei einem solchen Motiv würde jegliche (TTL-) Automatik versagen.

Artikeldatum: 17.01.2016 / letzte Änderung: 29.04.2016

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2 Anmerkungen bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.