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Hartes Seitenlicht: ein Portrait mit schräg aufgestelltem Blitz

Diesmal möchte ich ein Bild zeigen, welches sehr schnell und flüchtig entstand. Mir ging es um einen sehr „harten“ Blitzcharakter und darum, dass das Licht nur von der Seite kommen sollte.

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Hier gibt es mal wieder ein Bild in der Kategorie Bildbeispiele. Das Foto entstand in einem leerstehenden Haus, welches kurz vor der Komplettsanierung stand. Die Person befand sich im Treppenhaus und ich stöpselte zunächst den Sender meines Funkauslöser-Sets auf meine Kamera. Den Blitz mit Funkempfänger legte ich rechts von der Person auf einen etwas erhöhten Absatz. Ich nutzte den entfesselten Blitz „nackt“ – also ohne irgendwelche Aufsätze. Es zeigte direkt zum Modell. Ganz einfach. Hier zunächst das Foto:

ein Portrait mit entfesselter Blitz

Das Bild ist doch wirklich schön geworden. Die Belichtungszeit der Kamera war so kurz, dass das Bild fast schwarz gewesen wäre, hätte ich nicht geblitzt. Oder mit anderen Worten: Alle Bereiche, die nicht direkt vom Blitz getroffen worden sind, sind nur sehr dunkel abgebildet (außer das Tageslicht draußen im Hintergrund). Dadurch erschaffe ich mir den hohen Kontrast bzw. diesen mysteriösen „Look“.

Es ist hierbei natürlich wichtig, dass das Blitzlicht vom Fotoapparat entfesselt wird! Dadurch, dass das Blitzgerät nunmehr einen sehr steilen, seitlichen Einfallswinkel hat, erschaffen wir visuell ein hohes Maß an Oberflächenstruktur. Jede Falte der Jeansweste wird betont. Die Person wirft einen sehr markanten Schatten. Die abblätternde Farbe an der Wand wird so erst richtig deutlich. Ein prägnanter Bildgegenstand.

Bei einer Sache hatte ich nicht richtig aufgepasst – Es geht um das linke Auge: Dieses möchte ich zumeist ebenfalls vom Licht getroffen wissen. Es soll das „Rembrandt-Dreieck“ entstehen. Das Blitzlicht soll also noch gerade so über die Nase kommen können, damit auch dieses Auge Licht bekommt. Dies kann man vor der Aufnahme auf zweierlei Wegen prüfen: Entweder man fragt die porträtierte Person, ob sie mit dem Auge so schielen kann, dass sie das Blitzgerät sehen kann (Scherzkekse lösen hierbei schonmal aus). Oder man stellt sich hinter den entfesselten Blitz und visiert knapp darüber das Gesicht des Modells an. Kann man das dem Blitzlicht abgewandten Auge sehen, so wird es freilich auch Licht abbekommen. Bei meinem Foto hatte ich gerade so noch Glück. Es wäre nicht schön gewesen, wäre links nur ein schwarzer Fleck zu sehen.

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Eine schöne Sache von solch hartem Licht ist auch ein erhöhter Schärfeeindruck: Jedes Haar ist zu erkennen. Durch die vielen kleinen Mikroschatten wird jede Kante betont. Schärfe ist ja nichts weiter als die Darstellung von winzigsten kleinen Kanten. Bei einem völlig weichem Licht sähe dies ganz anders aus. Aber dann hätten wir ohnehin ein völlig anderes Portrait.
Man vergleiche in diesem Zusammenhang nur meinen Test mit der Ringblitz-Alternative.

Und für die, die’s interessiert: Ich nutzte für das Foto einen Kleinbildfilm: Einen AGFA APX 100, meinen Lieblingsfilm, der so leider nicht mehr hergestellt wird. Aber ich habe noch ausreichend gehamstert. Entwickelt wurde der Film in Kodak Xtol in der Verdünnung 1+1.

Artikeldatum: 26.10.2013 / letzte Änderung: 30.04.2016

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eine Anmerkung bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.