ein Blog rund um Blitzgeräte und Kunstlicht mit vielen Tipps und Anleitungen

Portrait mit großer Softbox und Aufheller: Die Fahrradwerkstatt

Sollen Räume so fotografiert werden, dass sie mittels einem Weitwinkel in ganzer Breite abgebildet werden und soll hierbei mit Blitzlicht beleuchtet werden, so benötigt man eine sehr große Softbox, damit z. B. eine porträtierte Person darin nicht zu hartes Licht „abbekommt“. Ich habe dabei aber etwas getrickst.

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Ein Bekannter von mir führt einen kleinen Fahrradladen mit angeschlossener Werkstatt. Schon seit langem keimte in mir der Gedanke: »Den musst du da hinten in seiner Werkstatt einmal porträtieren!«

Dann fragte ich ihn einfach mal und er hatte nichts dagegen. Wir haben dann die Aufnahme im Winter gemacht – Zu dieser Jahreszeit ist natürlich nicht sonderlich viel los in einem Fahrradladen hierzulande und in der Werkstatt gab es auch wenig zu tun. Also bat ich den jungen Zweiradmechaniker auf einem Hocker in diesem Mikro-Milieu aus Schrauben, Rädern, Kästchen und Werkzeug Platz zu nehmen, damit ich ihn mit meiner analogen 6×6-Mittelformatkamera auf S/W-Film fotografieren kann:

ein Portrait mit grosser Softbox

*Das Authentische Porträt: In diesem Buch geht es um die Kunst, tatsächlich ausdrucksstarke Portraits von Menschen anzufertigen anstatt steif wirkende "Schablonen" abzulichten. Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Der Raum hat zwei der typischen Neonröhren oben an der Decke. Dieses Licht ist nahezu gar nicht für die Beleuchtung der Aufnahme zuständig. Das sähe auch Scheiße aus: Es wäre zum einen zu hart. Zum anderen kommt es direkt von oben und hätte unschöne Schatten z. B. in den Augenhöhlen der portraitierten Person oder unter dem Kinn gegeben. Nein, eine solche Lampe ist kein gutes Licht für solch ein Portrait – und ich bin noch nicht einmal auf den Farbstich bzw. auf das „löchrige“ Farbspektrum eingegangen, was eine solche Neonröhre verursacht. Aber dies ist ja auch eine S/W-Fotografie.

Wie man einigermaßen leicht sehen kann – wenn man so ein Bild gerne vom Licht her analysiert – kommt hier das Hauptlicht von links. Mit künstlich gesetztem Blitzlicht muss man manchmal aufpassen, dass es nicht unlogisch wirkt. Aber hier kann wahrlich gesagt werden: logischer geht es nicht, denn tatsächlich befindet sich ein großes Fenster über der Werkbank bzw. gleich an der sich gerade so nicht mehr im Bild befindenden linken Wand.

Aber hier soll doch eigentlich von einer riesigen Softbox die Rede sein! Es sei mir bitte verziehen: eine solche besitze ich gar nicht – aber fast:

eine sehr große Softbox

Vor das besagte Fenster wurde nun ein ca. 1,5 m x 2 Meter großes Bettlaken gespannt. Zwei per Funk entfesselte Blitzgeräte wurde dahinter platziert. Das hierdurch realisierte Licht ist gleich jenem, welches man mittels einer sehr großen Softbox erhalten würde. In diesem Fall konnte dies jedoch auch mit einem simplen Bettlaken realisiert werden. Freilich: Dies geht nicht immer und dann benötigt man derlei große Lichtformer („Parabolschirm“ zum Blitzen) tatsächlich. Mein kleiner Blitzschirm wäre in dem Fall jedenfalls zu klein, was dessen Durchmesser anbelangt. Dieser reicht für ein Halbportrait, nicht aber um einen ganzen kleinen Raum ohne weiße Wände (d. h. natürliche Aufheller) in ein weiches Licht zu hüllen.

Ich bin aber noch gar nicht fertig! Sie haben bereits gesehen, wie ich mit sehr einfachen Mitteln ein sehr schönes, weiches und voluminöses Führungslicht in die kleine Werkstatt bzw. auf die porträtierte Person los schickte. Hierzu reicht bereits ein altes Blitzgerät von Ebay auf einem Stativ, ein Bettlaken und ein Blitz-Funkauslöser. Das Bettlaken musste sein, denn erst dieses verwandelt das winzige punktuelle Licht des Blitzes in eine große Lichtwanne! Dies ist ja auch das Prinzip einer Softbox.
Da ich im analogen Mittelformat fotografierte, musste ich etwas mehr abblenden und benötigte einen zweiten Blitz (der „Power“ wegen). Bei einer modernen Digitalkamera kann man auch einen höheren ISO-Wert einstellen oder weniger abblenden (bei mir war es ein 400 ASA S/W-Film bei Blende 11).

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Wer sich jedoch etwas mit seitlich einfallendem Licht in einen relativ dunklen Raum ohne freie weiße Wände auskennt, der wird zu Recht leicht stutzen: Die dem Fenster gegenüberliegende Seite mit dem Regal und den Fahrradteilen ist etwas zu hell. Hier müsste das Licht bereits viel schwächer sein.
Durchaus! So verhält sich Licht: Es lässt in seiner Intensität recht schnell nach, wenn es relativ nah am Motiv positioniert ist (wie hier der Fall). Hier wurde also noch ein zweites (bzw. drittes) Blitzgerät gezündet:

ein Aufhellblitz wird gezündet

Da liegt er da: Ein simpler Aufsteckblitz mit angestecktem Funkauslöser ist auf eine weiße Wand gleich neben der Kamera gerichtet. Der kleine Blitz zündet sofort mit, wenn sich das Bettlaken am Fenster erhellt. Durch dieses zusätzliche Kunstlicht direkt aus Richtung der Kamera werden Schatten aufgehellt. Es erfolgt eine gleichmäßigere, weiche Ausleuchtung.

Gleichwohl: Man muss beim Einsatz eines solchen Aufhellblitzes sehr darauf achten, dass jener nicht zu stark eingestellt ist! Bei meiner Fotografie ist dies für meinen Geschmack der Fall. Denn je heller der Aufhellblitz ist, desto weniger Charakter erlangt die Abbildung. Ja, weil damit prägnante Schatten aufgeweicht werden! Insbesondere die S/W-Fotografie „lebt“ jedoch von Schatten. Bei Farbfotos ist dies nicht ganz so brisant:

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Schatten bei einem Foto

Das Farbfoto aus der selben „Session“. Hier sehen Sie das besagte Fenster sogar noch ein bisschen im Bild.

Dennoch bin ich mit meinem S/W-Porträt zufrieden. Ich mag diese sachliche und analoge Porträtfotografie. Mir sind dabei Räume und Interieur sehr wichtig. Schauen Sie sich doch auch einmal mein Porträt in der Videothek an oder das Foto „Junger Mann mit 16 mm Projektor„.

Artikeldatum: 25.01.2017 / letzte Änderung: 9.05.2017

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Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.





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