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Altes „analoges“ Blitzgerät auf der DSLR / Digitalkamera verwenden

Der Gebrauchtmarkt hält eine Vielzahl an alten „analogen“ Blitzgeräten bereit, die man zunächst durchaus auch auf einer DSLR bzw. Digitalkamera benutzen kann. Denn schließlich machen sie das gleiche Licht wie moderne Systemblitze. Dennoch sollte man hier aufpassen.

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alter Blitz

Ein alter, jedoch sehr starker Blitz.

Ich selbst nutze mehrere alte Blitzgeräte auf meiner DSLR, welche teilweise bereits so an die fünfundzwanzig Jahre alt sein dürften. Die Dinger sind mitunter einfach sehr leistungsstark und via Ebay für äußerst wenig Geld zu bekommen. Alte, manchmal auch als „analoge“ bezeichnete, Blitzgeräte machen zunächst das gleiche wie ein moderner Systemblitz wie ein Speedlight oder Speedlite: Sie erzeugen für einen sehr kurzen Moment ein sehr helles Licht, welches eine absolut neutrale Lichtfarbe besitzt. Sie leuchten ein Motiv vollständig aus.

Eines meiner Lieblingsblitzgeräte ist der Regula Variant, welcher eine Lichtstärke aufweist, an die tatsächlich kein einziger der heute verkauften Blitzgeräte dieser Bauform heran reicht und dafür muss man keine 250, sondern gebraucht nur ca. 25 € aufbringen. Man würde das gleiche Licht erhalten, sogar noch ein stärkeres. Jedoch muss man bei einem alten Blitzgerät aufpassen bzw. sollte es nur auf der DSLR installieren, wenn man sich vorher über die sogenannte „Triggerspannung“ informiert hat. Diese Eigenschaft wird manchmal auch „Zündspannung“ genannt:

Die Triggerspannung eines Blitzgerätes

Wird ein Blitzgerät eingeschaltet, wird an dessen Fuß bzw. Anschluss eine elektrische Spannung aufgebaut. Jene wird bei einem modernen Blitz einen Wert von vielleicht 4 Volt betragen. Dies ist eine sehr geringe Spannung. Bei vielen alten Geräten wird hier aber eine Spannung entstehen, die durchaus 200 Volt betragen kann. Dies ist ein sehr hoher Wert, für einen gesunden Menschen aber ungefährlich, da die sogenannte „Stromstärke“ sehr gering ist. Sie kennen dies von elektrischen Weidezäunen. Für alte analoge Kameras stellte eine solch hohe „Zündspannung“ kein Problem dar, da hier hauptsächlich ein mechanischer Kontakt geschlossen wurde.
Anders sieht dies bei einer Digitalkamera aus: Diese bestehen aus hoch empfindlicher Elektronik und eben diese könnte beschädigt werden. Könnte: Man kann nicht pauschal sagen, welche Spannung bei welcher Kamera am Blitzschuh maximal anliegen darf. Manche Hersteller geben hier jedoch Werte an, die man einhalten sollte:

Negative voltages or voltages over 250 V applied to the accessory shoe could not only prevent normal operation, but may damage the sync circuitry of the camera or flash.

Diese Angabe stammt aus der Bedienungsanleitung der (nunmehr doch recht betagten) Nikon D80 (Quelle). Nikon gibt also eine durchaus hohe maximale Spannung an und auch ich kann dies bestätigen: Ich nutze alle meiner alten Blitzgeräte auf meiner Nikon DSLR. Ich hatte mal einen alten Osram-Blitz. Dieser musste eine äußerst hohe Triggerspannung besitzen. Das Ergebnis: Er wurde einfach nicht von meiner DSLR ausgelöst und ich hatte ihn dann natürlich nie wieder auf der DSLR betrieben.
Ferner wird in dem Zitat vor einer sogenannten „negativen Spannung“ gewarnt. Bei meinen Blitzgeräten konnte ich eine solche nicht vorfinden. Ich messe meine Geräte selbst durch und zwar mit einem solchen Gerät:

ein Multimeter

Dies ist ein sogenanntes „Voltmeter“ oder auch „Multimeter“. Solch ein Messgerät kann man günstig im Baumarkt kaufen.

Wenn Sie also ein altes Blitzgerät besitzen, so sollten Sie zunächst unbedingt in Erfahrung bringen, welche Triggerspannung am Fuß anliegt. Entweder Sie messen dies selbst, oder aber sie schauen im Internet nach:

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Tabelle mit gemessenen Triggerspannungen alter Blitzgeräte

Es gibt im Internet eine Tabelle, die Sie hier finden können (englisch), bei welcher eine Vielzahl an alten Blitzgeräten aufgelistet ist bzw. deren Triggerspannungen. Weiterhin wird ein Vorschlag gemacht – ausgehend von der gemessenen Spannung – ob man das alte Blitzgerät an der Digitalkamera verwenden sollte oder eben nicht. Bei dieser Tabelle wird davon ausgegangen, dass alles über einer Spannung von 6V gefährlich sein könnte. Diesen Wert würde ich jedoch als recht konservativ bezeichnen. Weiterhin bezieht sich die Tabelle auf Canon EOS Kameras, was natürlich nicht bindend ist.

Altes TTL gegen neues TTL

Wenn die Sache mit der Spannung geklärt ist, kann es weiter gehen. In diesem Teil des Beitrages soll es um die TTL-Automatik gehen.

Mittenpin

Nur ein einziger Pin: Hier gibt es erst gar kein (inkompatibles) TTL.

Die alte TTL-Automatik ist nicht mit der modernen TTL-Automatik (i-TTL, e-TTL, usw.) kompatibel!

Das heißt, wenn Sie einen alten Blitz mit TTL-Funktionalität (für z. B. Nikon) besitzen, dann wird dieser an einer Nikon DSLR nicht funktionieren. Er wird noch nicht einmal ausgelöst werden können. Das Blitzgerät muss grundsätzlich für digital deklariert sein.
Zumindest ist mir dies bei meinen bisherigen Blitzgeräten so ergangen. Warum ist dies so?

Die TTL-Automatik hat sich bei der Einführung der Digitalkameras geändert bzw. musste sich ändern. Früher wurde das Blitzlicht im Innern der Kamera gemessen und zwar dessen Reflexion am eingelegten Film. Nun wird Film natürlich nicht mehr genutzt (also in Digitalkameras, ich nutze Film durchaus noch) und offenbar kann man dessen Reflexionsverhalten im Innern einer DSLR nicht mehr simulieren, wodurch man auf einen Vorblitz zurückgreifen musste, um weiterhin eine TTL-Funktionalität gewährleisten zu können.

*Kreative Fotografie mit Systemblitzen. In fast allen Fällen, wenn das Blitzgerät die primäre Lichtquelle sein soll, gibt es zunächst einen wichtigen Schritt: Der Blitz muss von der Kamera runter! Das Buch "Entfesselt Blitzen" nimmt jeden Neuling der kreativen Blitzfotografie an die Hand und erklärt Schritt für Schritt, wie man auch mit kleinen Aufsteckblitzgeräten ein durchaus eindrucksvolles und wirkungsvolles Licht zaubern kann, welches mit dem typischen "Blitzlook" nichts mehr gemein hat. Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Das neue TTL unterscheidet sich also rein technisch vom alten TTL-Prinzip. Daher kann man einen alten „analogen“ TTL-Blitz nicht auf einer Digitalkamera verwenden, auch wenn der Hersteller der selbe ist.

Daher sollte Ihr altes Blitzgerät nur einen einzigen Mittenpin am Fuß aufweisen, wenn Sie dieses auf der DSLR benutzen möchten. Ausnahme: Einige Blitze besaßen tatsächlich mehere Pins, diese dienten aber nicht dem TTL-Betrieb, sondern übermittelten rudimentäre Daten wie das Ansteuern einer Blitzbereitschaftsanzeige im Kamerasucher. Der oben erwähnte Regula Variant gehört dazu und kann ohne Probleme auch auf neuen Kameras betrieben werden.

Übrigens: Ein moderner I-TTL-Blitz funktioniert hingegen problemlos auf einer alten ttl-fähigen Analogkamera. Zumindest ist dies bei meinem Nikon SB600 der Fall: Er funktioniert sowohl (natürlich) an einer Nikon Digitalkamera im TTL-Blitz-Modus als auch an meiner guten alten analogen Nikon FE2! Ob diesbezüglich auch bei den anderen Herstellern eine Abwärtskompatibilität existiert, weiß ich jedoch nicht. Nur umgekehrt funktioniert es leider, wie bereits gesagt, nicht: einen alten „analogen TTL-Blitz“ an einer Digitalkamera.

Blitzschuh ist schwarz lackiert

Ein weiteres Problem hatte sich aufgetan: Normalerweise sollte jedes Blitzgerät, welches lediglich über den Mittenpin verfügt auf jeder Digitalkamera mit Standard-Blitzschuh funktionieren. Manche Digitalkameras besitzen jedoch einen (schwarz) lackierten Schuh. Hier wird es zu Verbindungsproblemen kommen. Als Ausweg böte sich hierbei nur ein abschmirgeln der Farbe an. Ansonsten wird das (Fremdhersteller-) Blitzgerät nicht auslösen.

Automatisch blitzen

Da die TTL-Funktion bei dem Paar alter Blitz + Digitalkamera nicht funktionieren kann (siehe oben), gibt es nur zwei Möglichkeiten zur Lichtabgabe: Entweder ganz manuell oder über Lichtregulierung mittels dem sogannten Computerblitz. Viele alte Blitzgeräte stellten letztere Blitzautomatik-Funktion bereit. Man erkennt sie an einer kleinen Messzelle an der Vorderseite des Gerätes:

Sensor eines Computerblitzes

Besitzt Ihr alter Blitz eine solche Zelle, dann können Sie damit auch automatisch blitzen – unabhängig von der Kamera! Es wird mit jeder Digitalkamera funktionieren!

Voraussetzung: Sie müssen dem Blitzgerät zuvor zwei Dinge mitteilen:

  1. Welcher ISO-Wert ist an der Kamera eingestellt und
  2. welche Blende ist an der Kamera eingestellt.

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Denn diese beiden Variablen benötigt die Blitzautomatik, um das Licht korrekt einstellen zu können. Und genau diese Werte sind es ja, die das (modernere) TTL automatisch übertragen kann. Besagte Werte müssen über (kompliziert aussehende) Schiebe- oder Drehregler an der Rückseite des alten Blitzes definiert werden.

Display vom Blitzgerät

Es gibt aber auch Ausnahmen: Manche Geräte der 1980er Jahre bieten bereits ein sehr übersichtliches Display (wie mein Agfatronic-Blitz) an welchem sich die Parameter (u.a. für den Computer-Modus) bequem einstellen lassen. Dessen TTL-Funktionalität bleibt meiner Digitalkamera jedoch verwehrt: Diese funktioniert nur an hierzu ausgelegten analogen Kameras.

*Günstiger und starker TTL-Blitz: Der Yongnuo Speedlite YN565EX entweder für Nikon oder für Canon mit einer Leitzahl von 56. Neben der TTL-Automatik kann man ihn auch völlig manuell bedienen bzw. regeln. Ferner lässt er sich drahtlos von Haus aus fernsteuern (sofern die Kamera dies unterstützt) und er besitzt neben dem Zoom (bis 105 mm) eine eingebaute Slave-Zelle zum entfesselt blitzen. Auf Amazon zum gewohnt günstigsten Preis.

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Ich möchte mich an dieser Stelle nicht unnötig wiederholen, denn ich hatte einen ausführlichen Artikel über diesen sogenannten „Computerblitz“ geschrieben. Das ist eine feine Sache und ein meist brauchbarer TTL-Ersatz.

Manuelles Blitzen

Wenn das alte Blitzgerät keine Computerautomatik besitzt, bleibt Ihnen nur übrig, manuell zu blitzen. Ich selbst ziehe diesen Modus sogar jeglichen Automatiken vor! Den manuellen Modus werden alle alten Blitze beherrschen: Es wird jeweils die maximale Lichtmenge abgegeben.

Dies ist oftmals jedoch ungünstig. Denn meist wird man gar nicht die gesamte Power des alten Blitzgerätes nutzen wollen. Daher bieten bessere Geräte die Möglichkeit, die Stärke des Blitzlichtes manuell zu regeln. Ich betrachte dies als äußerst wichtige Funktion. Nur so kann man das Kunstlicht individuell auf das Motiv abstimmen bzw. für reproduzierbare Ergebnisse einrichten. Leider gibt es nur wenige manuellen Blitzgeräte der alten Generation, die dies beherrschen. Zur Not kann man das Licht auch mit Folien abdunkeln. Das wäre aber nicht so raffiniert wie ein manuelles Regeln der Intensität. Dabei ist das Gebiet des manuellen Blitzens gerade jenes, durch welches man gezielt und mit Überlegung zu perfekt ausgeleuchteten Arrangements gelangt.

Alten Blitz wieder regenerieren

An dieser Stelle soll noch ein Hinweis folgen, was das Inbetriebnehmen bzw. das „Regenerieren“ von alten Blitzgeräten anbelangt. Diese Geräte lagen ja nun sicherlich viele, viele Jahre unberührt im Schrank herum. Setzt man nun volle Batterien ein und fährt das alte „analoge“ Blitzgerät hoch bzw. weckt es abrupt aus dem Dornröschenschlaf, kann es durchaus vorkommen, dass es – knallt! Bei mir hatten sich so schon mehrere Blitzgeräte „verabschiedet“, weil ich folgendes nicht beachtete:

Elko bei einem Blitzgerät

Auf diesem Foto sieht man den „Elko“ recht gut (das blanke tonnenfürmige Bauteil).

Im Innern eines Blitzgerätes befindet sich immer ein sogenannter „Elektrolytkondensator“, kurz „Elko“ genannt. Dieser Elko sollte nicht ins sprichwörtlich kalte Wasser gestoßen werden! Stattdessen sollte man den Blitz wieder ans Arbeiten gewöhnen und zwar folgendermaßen: Man schaltet ihn bei eingelegten Batterien ein und lässt ihn einfach so lange liegen, bis die Batterien leer gesaugt sind. Dies setzt natürlich voraus, dass keine Stand-By-Funktion aktiv ist, doch dies dürften nur die wenigsten alten Blitze haben. Man nennte diesen Vorgang auch „formieren“. Nun geht es mit vollen Batterien weiter: Man blitzt viele Male bei reduzierter manueller Leistung. Kann man die Leistung nicht manuell regeln, so muss man den sogenannten Computermodus nutzen und gegen eine weiße Wand blitzen. Hier wird dann auch nur sehr reduzierte Leistung abgegeben. Ich reaktiviere alte Blitzgeräte einen ganzen Tag über, indem ich sie immer wieder mal auslöse.

Fazit

Ich sage klar ja zum alten Aufsteckblitz!  Ich setze ihn fast immer entfesselt als Studio-Blitz-Alternative ein, da meine eine überdurchschnittlich hohe Leistung besitzen. Außerdem hatte ich mir nur diejenigen gekauft, die man auch manuell regeln kann (und die eine geringe Triggerspannung aufweisen). Durch die Computerblitz-Automatik eignen sie sich auch zum „schnellen“ Blitzen. Jedoch zeigt diese Auto-Funktion klare Schwächen, wenn es um Dinge wie dezentes Aufhellen geht: Hier ist ein moderner TTL-Systemblitz besser geeignet. In diesem Artikel gibt es eine kleine Liste mit manuell regelbaren Gebrauchtblitzgeräten.

Haben Sie / hast Du ebenfalls auch alte Blitzgeräte als Teil der Fotoausrüstung? Oder setzt Du ganz auf moderne Systemblitzgeräte?

Artikeldatum: 27.01.2016 / letzte Änderung: 25.06.2016

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4 Anmerkungen bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.