ein Blog rund um Blitzgeräte und Kunstlicht mit vielen Tipps und Anleitungen

Die Leitzahl eines Blitzgerätes einfach selbst ermitteln

Es ist einfach, mittels Blitzformeln bzw. einer Tabelle völlig manuell zu blitzen. Jedoch muss hierfür die sogenannte Leitzahl des Blitzgerätes bekannt sein. Ist sie dies nicht, so lesen Sie hier, wie man diese ganz einfach selbst heraus finden kann.

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Leitzahl herausfinden

Welche Leitzahl hat mein Blitzgerät nur? Es lässt sich recht einfach heraus finden.

Ich bin im Besitz eines Blitzbelichtungsmessers. Mit diesem Gerät habe ich alle meine Blitzgeräte durchgecheckt bzw. deren Leitzahlen ermittelt um mir Tabellen für das völlig manuelle Blitzen anfertigen zu können. So ein Belichtungsmesser ist zum einen nicht billig. Zum anderen ist ein solcher bei der digitalen Fotografie auch gar nicht unbedingt nötig. Um die tatsächliche Leistung eines jeden manuell bedienbaren Blitzgerätes aber ermitteln zu können, ist ein solcher Belichtungsmesser allerdings ideal. Doch diese lässt sich auch anders ermitteln. Erst, wenn man die Leitzahl (LZ) des Blitzes kennt, kann man sämtliche Blitzformeln nutzen und sich Tabellen anfertigen. Folgendes benötigt man zum Ermitteln:

Was benötige ich zum Herausfinden der Blitz-Leitzahl?

  1. eine (manuell bedienbare) Digitalkamera
  2. ein schwarzes Tuch
  3. einen Zollstock

Ich denke, all diese Gegenstände werden im Haushalt vorhanden sein. Als schwarzes Tuch wählen Sie bitte kein glänzendes! D. h. wählen Sie ein Material wie Baumwolle. Ich habe für meinen Test einfach ein schwarzes Strickjäckchen genommen. Der Blitz darf sich darin nicht spiegeln. Dies würde die Testergebnisse verfälschen. Nehmen Sie aber wiederum keinen Molton: Dieses Material schluckt wirklich alles an Licht und ist hierzu ebenfalls nicht geeignet.
Ferner ist ein Stativ für die Kamera ratsam. Es geht aber auch, wenn Sie die Kamera zum ermitteln der Leitzahl einfach auf z. B. einen Tisch abstellen.

Vorbereitungen zum Test

Führen Sie den Leitzahl-Test in einem möglichst dunklen und „normalen“ Raum durch, welcher nicht zu eng ist.

  1. *Starker, manueller Blitz: Der Yongnuo YN-560 Mark IV ist ein moderner Blitz höherer Leistung (Leitzahl 56 bei ISO 100 / Zoom 105 mm), frei (und sehr fein) regelbarem manuellen Modus im Bereich von 8 Blendenstufen, Zoom-Kopf und bereits integriertem Funkempfänger und -Sender sowie Slave-Zelle zum gewohnt günstigen Preis auf Amazon.

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    Hängen Sie das schwarze Tuch an eine Wand. Platzieren Sie dieses so, dass es klar Falten wirft. Diese Falten sind für den Test wichtig.

  2. Platzieren Sie die Digitalkamera in einem Abstand von 4 Meter vom schwarzen Tuch entfernt und zoomen Sie das Objektiv so, dass das Tuch möglichst formatfüllend abgebildet ist.
  3. Stellen Sie die Kamera auf den manuellen Betrieb. Stellen Sie zunächst einen ISO-Wert von 100 ein. Geht es bei Ihrer Kamera erst bei 200 ISO los, so nehmen Sie diesen Wert. Stellen Sie die schnellste Verschlusszeit (Belichtungszeit) an Ihrer Kamera ein, bei der noch ein Blitzgerät synchronisiert werden kann (Stichwort „Blitzsynchronzeit“). Im Zweifel stellen Sie eine Belichtungszeit von 1/125 Sekunde an der Kamera ein. Die Belichtungszeit ist beim Blitzen kaum relevant für das direkt angeblitzte Motiv, sollte aber nicht zu lang sein, damit Fremdlicht sozusagen ausgesperrt werden kann.
  4. Setzen Sie das Blitzgerät auf die Kamera. Stellen Sie den Blitz auf manuellen Modus und stellen Sie die stärkste Leistung ein (wenn überhaupt änderbar). Sofern das Blitzgerät einen Zoomkopf besitzt, stellen Sie den Zoom auf 35 mm ein.

Und nun kann es los gehen

Fertigen Sie sechs Aufnahmen an:

  1. bei Blende 2.8
  2. bei Blende 4
  3. bei Blende 5.6
  4. bei Blende 8
  5. bei Blende 11
  6. bei Blende 16

Dies sind die „vollen“ Blendenwerte. Krumme Blenden wie z. B. „Blende 9“ kann man auch nehmen. Dann wird das Testergebnis präziser. Jedoch bedarf es dann insgesamt noch mehr Testaufnahmen. Die ganzen Blendenwerte reichen hierzu aus.

Meine Testaufnahmen sahen so aus (ich habe jetzt nur die drei tatsächlich relevanten Testfotos ausgewählt):

Testaufnahmen

Wählen Sie jene Aufnahme aus, bei welcher die Falten des schwarzen Tuches noch gerade so vollständig sichtbar sind, dabei das Schwarz des Stoffes als solches erkenntlich ist!

Bei meinem eigenen Leitzahl-Test war dies die Aufnahme bei Blende 8 (f/8). Bei dieser Blende ist das Schwarz des Stoffes genügend schwarz abgebildet, gleichzeitig ist der Faltenwurf (die „Zeichnung“) aber noch sichtbar. Es werden hierbei keine Bildinformationen beschnitten.

Histogramm einer Kamera

Sie können zur Berurteilung auch das Histogramm der Kamera verwenden: Der linke Bereich („Schatten“) darf hierbei bei einer korrekten Belichtung gerade so nicht „abgeschnitten“ sein.

Die Leitzahl errechnen

Wir sind fast fertig! Nun müssen wir nur noch die Leitzahl ausrechnen.
Folgende Daten stehen mir hierfür nach meinem eigenen Test nun zur Verfügung: Blende 8 sowie Abstand 4 Meter. Diese zwei Angaben reichen, um die Leitzahl auf Rücksicht bezüglich meiner beim Test verwendeten ISO-Einstellung (100) und Reflektor-Zoom-Einstellung (35 mm) errechnen zu können:

 

Leitzahl = Abstand * Blende

 

Bei mir war Blende 8 bei einem Abstand von 4 Metern genau richtig, um das Motiv bei voller Blitzleistung bei ISO 100 und einer Zoom-Stellung von 35 mm korrekt auszuleuchten. Also rechne ich:

Leitzahl = 4 * 8 = 32

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Die Leitzahl (bei ISO 100 / 35 mm) beträgt bei meinem Blitzgerät 32! So einfach kann man dies ermitteln – auch ohne Blitzbelichtungsmesser. Eine Leitzahl von 32 ist übrigens ein typischer Wert für Aufsteck-Blitzgeräte der Mittelklasse – wohl gemerkt bei ISO 100 und Reflektorstellung von 35 mm. Ändert man diese Werte, verändert sich auch die Leitzahl. Etwas mehr Leistung (eine ganze Blende) erhalte ich mit meinem guten alten Metz Stabblitz mit einer Leitzahl von 45 bei gleichen Parametern.
Ich selbst setze auf möglichst hohe Leitzahlen. Denn ich blitze oft indirekt bei geschlossener Blende und niedrigen ISO-Werten. Auch, wenn ich durch einen Blitzschirm hindurch blitze, benötige ich Geräte mit hohen Leitzahlen. Kennen Sie den Trick mit dem Kreuzpolblitzen? Auch hier sind hohe Leistungen wichtig, denn solche Filter schlucken Licht.

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Warum ein schwarzes Tuch beim Test?

Das schwarze Tuch ist ein sehr guter Indikator: Dunkler als jenes wird kaum ein Motiv(teil) in der Praxis sein. So muss z. B. das Fell eines schwarzen Pudels gerade so Durchzeichnung aufweisen. Ansonsten wird das Tier nur als schwarzer Fleck auf dem Bild abgebildet. Es wäre unterbelichtet. Einen solchen Bildbereich nennt man in der Fotografie „Schatten“. Der schwarze Pudel darf aber auch nicht dunkelgrau erscheinen. Dann wäre er überbelichtet. Diese Schatten müssen gerade so noch Zeichnung besitzen, das maximale Schwarz sollte hierbei aber als Schwarz sichtbar sein (darf nicht bereits grau erscheinen). Statt einen Pudel, welcher ja nun nicht still sitzen wird, nehmen Sie einfach ein schwarzes Tuch. Dessen schwarze Farbe + der leicht hellere Faltenwurf sind ein perfekter Indikator für das Ermitteln der korrekten Lichtmenge, welche durch das Blitzgerät abgegeben werden muss.
Bei Motiven, welche keine tiefen Schatten besitzen (z. B. weißer Hase vor hellgraue Wand) kann durchaus auch etwas unterbelichtet werden: Der nötige Kontrast kann dann in der anschließenden Bildbearbeitung angehoben werden.

Warum ISO 100 & Zoom von 35 mm?

Traditionell beziehen sich Leitzahl-Angaben auf 100 ISO und eine Reflektorstellung von 35 mm. Besitzt Ihr getestetes Blitzgerät keinen Zoom-Reflektor, können Sie davon ausgehen, dass jener fix auf 35 mm eingestellt ist.
In den Artikelbeschreibungen mancher Blitzgeräte bezieht sich die Leitzahl auf andere Werte: z. B. auf ISO 200 und eine Reflektorstellung von 105 mm. Bei diesen Werten sind die Leitzahlen natürlich höher (probieren Sie es aus). Durch diesen Trick können einfach höhere Leitzahlen im Text angegeben werden, um eine gewisse Stärke zu suggerieren. Dies kann jedoch sehr irreführend sein, möchte man mehrere Blitze miteinander vergleichen.

Ich weiß jetzt die Leitzahl meines Blitzgerätes, was nun?

Blitztabelle für zwei Blitzgeräte

Blitztabelle für zwei parallel gezündete Blitzgeräte.

Nun werden Sie in  der Lage sein, sich für jedes Ihrer Geräte Blitztabellen anzufertigen. Ich habe auf alle meine Blitze jeweils eine Tabelle geklebt, aus welcher klar hervor geht, bei welchem Abstand zum Motiv ich welche Blende an der Kamera einstellen muss, damit ich eine korrekte Belichtung erhalte. Ganz einfaches manuelles Blitzen eben. Lesen Sie auch meinen Artikel: Eine Blitztabelle selber anfertigen.
Sie können nun z. B. auch errechnen, wie die Gesamleitzahl mehrerer zeitgleich gezündeter Blitze ist. Oder rechnen Sie einfach aus, wie oft Sie einen einzelnen Blitz nacheinander zünden müssen, um ein Motiv in z. B. einer Entfernung von 30 Metern durch die Mehrfach-Blitzmethode auch bei geschlossener Blende korrekt ausleuchten zu können.

Schauen Sie sich meine Sammlung an Blitzformeln an.

Die Leitzahl für andere ISO-Werte umrechnen

Meine oben ermittelte Leitzahl bezieht sich streng auf 100 ISO. Arbeite ich hingegen z. B. mit 200 ISO, so lässt sie sich leicht umrechnen – Man multipliziert sie hier einfach mit 1,4: 32*1,4=44,8. Bei 200 ISO besitzt meine persönliche Leitzahl also bereits einen Wert von ca. 45. Mit diesem Wert kann ich dann die oben verlinkten Blitzformeln benutzen.

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*Nur ein einziger Blitz - dies ist die Prämisse bei diesem Buch. Der Autor vermittelt Techniken, mittels derer man mit möglichst minimalistischem Setting dennoch zu aussagekräftigen Fotografien gelangt, eben nur mit einem einzigen Blitzgerät. Bei Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Möchte man weiter gehen und bei ISO 400 blitzen, multipliziert man den Anfangswert mit 2. Hier wäre meine persönliche Leitzahl bereits ganze 64.

Die Leistung optisch verstärken

Nur am Rande: Es ist möglich, die Blitzleistung optisch zu verstärken. Hierzu nutzt man einfach eine sogenannte Fresnellinse. An dieser Stelle kann man aber einfach eine Blattlupe nutzen. Natürlich verändert sich dadurch wieder die Leitzahl des Blitzes! Sie erhöht sich und muss erneut ermittelt werden. Wie dies einfach geht, haben Sie eben gelesen.

Fazit

Durch diese eben vorgestellte Methode ist es recht einfach möglich, die Leitzahl, die PS-Angabe eines Blitzgerätes heraus zu bekommen. Mit dieser Angabe lassen sich dann durch die oben verlinkten Blitzformeln allerlei Berechnungen zum manuellen Blitzen bewerkstelligen. Ein echter Blitzbelichtungsmesser ist hierzu nicht notwendig. So kann ich im einfachsten Fall ausrechnen, dass ich bei meinem Blitz (LZ=32) bei einer Motiventfernung von 8 Metern Blende 4 einstellen muss, um das Motiv korrekt belichten zu können. Ganz einfach!

Obacht: Die so ermittelten Werte sind die (so nenne ich es) regulären Leitzahlen. Ich empfehle allerdings, mit konservativen Leitzahlen zu arbeiten, sofern man den Blitz entfesseln- oder durch z. B. Softboxen hindurch blitzten möchte. Jene konservativen Werte liegen ca. eine 3/4 Blende unter den regulären Werten, da bei derlei Anwendungen gewisse Spiegelungen entfallen (welche künstlich aufhellen!). Dividieren Sie daher die ermittelten Werte am besten (wieder) mit 1,4. So würde sich bei meiner Messung (LZ=32) eine konservative Leitzahl von 23 ergeben. Die konservative Leitzahl ist immer etwas geringer als die vom Hersteller angegeben oder durch direktes, nacktes Blitzen (s. o.) selbst getestet. Blitzen Sie jedoch weiterhin einfach direkt aus der Kamerarichtung, so können Sie auch die eben selbst ermittelten Werte ohne Korrektur übernehmen.

Artikeldatum: 14.05.2015 / letzte Änderung: 30.04.2016

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Momentchen – Es gibt hier noch mehr interessante Artikel:

leider noch keine Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.





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