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Test Nikon Speedlight SB-600: Systemblitz als kompakter Allrounder

Heute möchte ich einen recht kompakten und dabei noch ausreichend starken System-Blitz testen: das Nikon Speedlight SB-600.

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Nikon SB600

Das Nikon Speedlight SB-600 ist ein Systemblitz bzw. kommuniziert mit allen modernen Nikon-Kameras.

Ich habe in der letzten Zeit viele Blitzgeräte getestet. Entweder waren es alte „analoge“ Blitze, die natürlich auch auf modernen Digitalkameras funktionieren. Oder es waren moderne China-Kopien. Kürzlich hatte ich den Yongnuo YN565ex TTL vorgestellt. Das ist so eine günstige Alternative zu Nikons original Speedlight. Dieses Blitzgerät beherrscht alles, was auch das Original kann. Kürzlich jedoch ist mir ein echtes Speedlight „zugeflogen“. Bevor ich so ein Gerät in der Praxis einsetze, teste ich es zunächst immer im „Trockendock“:

Eigenschaften des Nikon SB-600

Als erstes fiel mir gleich auf, wie klein der Blitz ist, sehr schön! Dabei bringt er alles mit, was man sich von einem solchen Gerät erhofft:

Die Leitzahl des Speedlight

Das erste, was ich persönlich immer von einem Blitzgerät wissen muss, ist dessen Leitzahl. Das Nikon Speedlight besitzt bei 100 ISO und einer Zoom-Reflektorstellung eine Leitzahl von 30. Dies gibt Nikon selbst an und dies stimmt auch mit meiner Messung überein. Die konservative Leitzahl beträgt hierbei 24. Das Speedlight bewegt sich damit im Mittelfeld. Die Leitzahl des anfangs erwähnte Yongnuo ist etwas höher. Jedoch ist dieser auch größer.
Die Leitzahl des SB600 kann noch erhöht werden, indem man den Zoomkopf auf 85 mm ausfährt. Dann beträgt die Leitzahl (bei ISO 100) immerhin schon 36. jedoch verringert sich dabei natürlich auch der Ausleuchtwinkel.

Zoomkopf

Den Blitzkopf des Nikon Speedlight SB600 kann man natürlich drehen: um genau 135°. Dabei kann der Kopf auch nach hinten zeigen. Dies ist wichtig, möchte man indirekt gegen eine Wand blitzen, die sich hinter einem selbst befindet.
Die einzelnen Stellungen des Zoomkopfes sind: 24 / 28 / 35 / 50 / 70 / 85 mm. Durch die ausklappbare Streuscheibe kann man auch noch einen Leuchtwinkel erreichen, welche Objektive von 21 mm abdecken. Noch ein vergleich mit dem Yongnuo YN565: Dieser kann bis 105 mm zoomen. Mit einem solchen Zoomkopf kann man übrigens recht kreativ arbeiten. Bei Interesse lesen Sie doch auch meinen Artikel Den Zoom richtig einsetzen.

Zoom Kopf

Hier sehen Sie den drehbaren Zoomkopf des Speedlights.

gekoppelter Zoom

Benutzt man an der (Nikon-) Kamera ein Zoomobjektiv, so stellt sich der Zoom des Blitzes automatisch genau so ein, wie eben gerade die Brennweite am Objektiv gewählt ist! Dies geht nur mit Systemblitzen wie dem SB-600. Kamera und Blitz kommunizieren also miteinander. Auf diese Weise muss man keine Sorge tragen, dass entweder zu wenig vom Motiv ausgeleuchtet wird (Weitwinkel) oder dass etwas redundantes Licht mit abgegeben wird (Tele-Einstellung am Objektiv) und Bereiche ausgeleuchtet werden, welche überhaupt nicht mehr vom Objektiv erfasst werden.

automatischer Zoom

Verändert man die mm-Angabe am Zoomobjektiv, verändert sich bei Systemblitzgeräten automatisch auch der Zoom-Level am Blitzkopf.

Natürlich lässt sich die automatische Zoom-Kopplung auch ausstellen, sodass man den Zoomkopf manuell von Hand in dessen Leuchtkegel regeln kann.

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TTL-Modus

Im TTL-Modus gibt der Blitz zunächst einen ganz kurzen Testblitz ab. Hiermit wird z. B. die Intensität des Umgebungslichtes ermittelt. Näheres weiß ich allerdings auch nicht. Jedenfalls folgt dann sofort der eigentliche Blitz und leuchtet das Motiv zuverlässig aus, egal was Sie an der Kamera selbst eingestellt haben. Sie müssen sich um nichts mehr kümmern: Jegliche Parameter (ISO, Blende) werden vom Nikon Speedlight berücksichtigt. Nikon nennt diese Blitzautomatik „i-TTL“. Natürlich kann die maximale Reichweite nicht überschritten werden. Für die meisten Einsätze wird der TTL-Modus genau der richtige sein, nämlich dann, wenn es schnell gehen soll.

TTL-Modus

Hier sehen Sie das Display während des TTL-Modus: Zusätzlich wird der eingestellte Zoom angezeigt, ferner, dass das Autofokus-Hilfslicht aktiv ist, die Display-Beleuchtung sowie der Standby-Modus, sofern über einen (übrigens recht kurzen) Zeitraum nicht geblitzt werden sollte.

Kompatibilität zum „analogen“ TTL

Natürlich ist der SB600 zu Nikons „i-TTL“ kompatibel, wie es moderne Digitalkameras nutzen. Erstaunlicherweise funktioniert dieses Blitzgerät auch im TTL-Betrieb an meiner analogen Nikon FE2! Dieser Nikon-Blitz kann also auch mit analogen Nikon-Kameras im TTL-Betrieb genutzt werden, sofern die Kameras TTL unterstützen.

TTL-Korrektur

Belichtungskorrektur Blitz

Eine Belichtungskorrektur um minus 2 Blenden (der zuvor ermittelten) Leistung.

Der Blitz selbst scheint mir keine Korrekturmöglichkeit zu haben. Jedoch kann ich jene direkt an meiner Nikon DSLR einstellen. Wozu noch eine TTL-Korrektur? Dies dient zum Aufhellblitzen. Stellen Sie sich eine Person im grellen Sonnenlicht vor. Dieses Sonnenlicht selbst reicht allemal aus, um die Person zu beleuchten. Jedoch wirft es auch fiese schwarze Schatten. Diese Schatten kann man jedoch leicht mit dem Blitz aufhellen. Hierbei darf jenes aber nicht auf der ursprünglichen Leistung laufen, sonst wird das Bild zu künstlich aussehen. Aufhellen soll am besten gar nicht auffallen. Daher stelle ich immer eine TTL-Korrektur von ca.  – 2 F (Blenden) ein, was eine Reduzierung der tatsächlich ermittelten Blitzleistung um 1/4 bedeutet. Lesen Sie bei Interesse auch meinen Artikel „Aufhellblitzen“. Oder erhalten Sie permanent etwas zu unterbelichtete Bilder via TTL? Dann stellen Sie gleich eine Korrektur von +1 ein und korrigieren Sie demnach das TTL-Messergebnis konsequent für einen konservativen Anspruch an Schattenzeichnung.

Der manuelle Modus

Dies ist ja mein persönliches Lieblingsgebiet. Sofern Sie bereits andere Artikel in meinem „Strobist-Blog“ gelesen haben, wird Ihnen aufgefallen sein, dass ich zu 80% manuell blitze. TTL-Automatiken nutze ich persönlich nur, wenn es schnell gehen muss.
Das Nikon Speedlight SB-600 besitzt natürlich auch einen vollständig manuellen Modus. Stellen Sie sich dabei das Blitzlicht einfach wie dimmbare Glühbirne vor. Nichts weiter ist es dann sozusagen. Sie können die Lichtintensität in 1/3 Stufen fein einstellen, je nach Bedarf.

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manuell eingestellter Blitz

Hier habe ich mein Speedlight im manuellen Modus laufen. Nun greift keine TTL-Automatik mehr. Der Blitz gibt stur jenes Licht ab, welches ich vorher mit den Up- / Down-Tasten definiert habe. Hier beim Beispielbild wird das Licht um etwas weniger als 1/4 reduziert. Ganz einfaches manuelles Blitzen. Auch der Zoom ist manuell fix auf 70 mm eingestellt. Im Prinzip stellt das Speedlight nun eine Mini-Version eines Studioblitzes dar. Ich kann jenen nun entfesseln und z. B. hinter einem Blitzschirm installieren, um ein Portrait sehr weich auszuleuchten.

Blitzfolgezeit

Wie schnell ist das Blitzgerät wieder einsatzbereit, wenn zuvor ein Blitz mit voller Leistung (manuell 1/1) abgegeben wurde? Dies hängt stark von den verwendeten Batterien bzw. Akkus ab. Die Nikon Website sagt, es seien 3,5 Sekunden. Ich nutze Eneloop-Akkus. Hier besteht lediglich eine Blitzfolgezeit von weniger als 2 Sekunden, bis die Blitzbereitschafts-LED wieder leuchtet. Jedoch warte ich sicherheitshalber noch kurz, bevor ich erneut auslöse (sofern zeitlich möglich)

Eneloop Akkus

Hier sehen Sie das Batteriefach. Ich verwende hauptsächlich Akkus der Marke Eneloop, da diese sehr schnelle Blitznachladezeiten ermöglichen. Klassische Batterien hingegen brauchen ewig, bis das Blitzgerät wieder einsatzfähig ist, nachdem ein Blitz bei voller Leistung abgegeben wurde.

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AF-Hilfslicht

Fokus Hilfe mit Blitzgerät

projiziertes Raster als AF-Hilfslicht

Eine weitere schöne Eigenschaft besitzen Systemblitze mit dem sogenannten „AF-Hilfslicht“. Mit „AF“ ist der Autofokus des Objektivs gemeint. Jener funktioniert allerdings nur in recht heller Umgebung zuverlässig. Ist es zu dunkel, versucht die Kamera mit einer kleinen Lampe etwas aufzuhellen. Dies funktioniert nur bei sehr nahen Motiven.

*Ein solch einfaches Set aus Blitzschirm, Stativ und Blitzhalterung bekommt man mittlerweile bereits für den Preis eines Restaurantbesuches zum Beispiel bei Amazon.

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Das Speedlight SB-600 besitzt ebenfalls so eine Fokussierhilfe. Sie versteckt sich hinter der roten Plastikabdeckung an der Vorderseite des Gehäuses. Ist es zu dunkel, wird ein Raster auf das Motiv projiziert, an welchem sich der Autofokus der Kamera gut (und schnell) orientieren kann. Auf dem Foto links kann man auch gut die Display- und Tastenbeleuchtung des Speedlicghts erkennen.

Das Speedlight entfesseln

Interessant wird es immer, wenn man den Blitz von der Kamera abnimmt und ihn z. B. seitlich auf ein Motiv richtet. Völlig anders wird jenes nun abgebildet. Ich arbeite sehr häufig mit der Methode des sogenannten entfesselten Blitzes. Leider hat das SB-600 keinen eingebauten Funkempfänger. Dies würde die Sache wesentlich erleichtern. Im einfachsten Fall kann man das Speedlight mit einem (kurzen) Blitzkabel (etwas) entfesseln. Oder man nutzt es als sogenannten „Slave Blitz“. Hierfür setzt man eine lichtempfindliche Zelle an den Fuß und aktiviert diese durch den eingebauten Kamerablitz.
Für wenige Euro gibt es bereits simple „Funk Trigger“, welche man zum einen an den Blitz stöpselt (den Empfänger) und an die Kamera (den Sender). Möchte man etwas mehr Qualität, Reichweite und Zuverlässigkeit empfehle ich die Yongnuo RF603-Funkauslöser. Alle drei System können aber eines nicht: TTL-Messwerte übertragen. Dies ist jedoch auch schnurlos möglich:

TTL entfesseln

Das Nikon Speedlight kann man auch entfesseln bzw. per Funk auslösen. Die TTL-Funktionalität muss dabei nicht verloren gehen, sofern man einen TTL-Funkauslöser wie das Yongnuo-YN622-System (hier für Nikon) benutzt. Mit dem YN622-System lässt sich zudem auch die Leistung manuell und (theoretisch) den Zoom per Funk steuern, und dies für gleich mehrere entfesselte Blitzgeräte ganz bequem von der Kamera aus.

Entfesseln via „Nikon Advanced Wireless Lighting System“

Halt! Es gibt doch eine Möglichkeit, das Speedlight SB-600 ohne zusätzliche Technik zu entfesseln und dabei ebenfalls auch noch die TTL-Funktionalität zu übertragen! Dies ist durch das sogenannte „Nikon Creative Lightning System“ realisierbar und innerhalb dessen (ich weiß, kompliziert) „Advanced Wireless Lighting System“, für welches dieses Speedlight kompatibel ist. Übersetzt heißt das ungefähr: „Erweitertes drahtloses Lichtsystem“. Aber: Die Kamera selbst muss ebenfalls dieses System unterstützen, was nicht alle Nikon DSLR-Kameras können. Mein Nikon D200 unterstützt das Advanced Wireless Lighting System:

Nikon Creative Lighting System

Seien Sie nicht verunsichert: Dieses Foto stammt eigentlich aus meinen Beitrag über den Yongnuo 565ex, welcher Nikons Lighting System ebenfalls (und gleichzeitig sogar auch das Canon Pendant) unterstützt. Der Blick gilt hier eher der Kamera: An meiner Nikon D200 kann ich im Menü mehrere entfesselte Blitze ansteuern!

Hierbei wird von der Kamera aus eine Folge an schwachen Blitzen über den eingebauten Mini-Blitz abgegeben. Diese Folge ist eine Art „Morsecode“. Mit diesem wird dem Speedlight mitgeteilt, wie denn so die Lichtverhältnisse- und was für Parameter an der Kamera eingestellt sind. Sofort zündet darauf das Speedlight und sorgt für eine (hoffentlich) korrekte Belichtung. Hierbei ist es egal, ob es direkt auf das Motiv zeigt oder ob es sogar hinter einem Lampenschirm sitzt oder gegen die Zimmerdecke zur Lichtstreuung gerichtet ist.

Ferner kann ich das Speedlight so auch ganz manuell von der Kamera aus Steuern (Leistung von 1/1 bis 1/128). Und dies ganz ohne zusätzliche Funkauslöser. Jedoch ist es klar, dass das  Advanced Wireless Lighting System nur innerhalb von Räumen funktioniert oder ganz im Dunkeln. Denn die (Licht-) Signale werden über ein Infrarot (?) Fensterchen vom Blitzgerät empfangen.

Sofern Ihre Nikon Digitalkamera selbst diese “ Advanced Wireless Lighting System“ Funktion nicht unterstützt, könnten Sie einen kompatiblen Blitz, welcher zusätzlich auch eine eingebaute Steuereinheit für jenes System besitzt (z. B. Speedlight SB-800) auf die Kamera stecken und den SB-600 über ihn regeln. Mehr Informationen hierzu gibt es z. B. auf dieser Seite.

Signalton

Beim Betrieb im  Advanced Wireless Lighting Modus erfolgt nach jeder Belichtung ein Piepton. Diesen Signalton kann man im Blitz-Menü abschalten:

Konfigurationsmenü

Drückt man gleichzeitig die Taste „Zoom“ sowie „-“ gelangt man in das Admin-Menü des Nikon Speedlight SB-600. Folgendes lässt sich hier konfigurieren:

Diese Menüs sind mir immer ein Graus. Denn hier steht man vor vielen Abkürzungen und weiß nie so recht, was man da eigentlich tut. Beim Speedlight SB-600 ist das Menü glücklicherweise recht knapp gehalten.

Fazit

Das Nikon Speedlight SB-600 ist zunächst erst einmal ein schönes kompaktes Gerät. Die Leistung (Leitzahl) liegt im Mittelfeld. Der Funktionsumfang deckt sich mit dem des günstigen Yongnuo YN565ex. Letzteres ist größer, wesentlich preiswerter, besitzt aber eine höhere Leitzahl sowie etwas mehr Zoom. Ich mag den kleinen SB-600. Ich würde ihn mir nicht neu kaufen (sofern überhaupt noch neu erhältlich). Gelangt man aber günstig gebraucht an einen solchen (wie ich), wird man sicher lange Freude damit haben und ist sowohl im TTL-Betrieb als auch im manuellen Modus bereit für jegliche Blitz-Techniken. Ich werde das Gerät hauptsächlich als „dabei-Blitz“ in der Fototasche bei mir führen und zum Aufhellen bei starkem Sonnenlicht für nahe Porträts nutzen, also direkt auf der Kamera. Zum Entfesseln und zum Realisieren anspruchsvollerer Lichtsets nutze ich lieber meine manuellen Yongnuo-Blitze, da diese durch eingebaute Funkempfänger und „Slave-Zellen“ hierfür wesentlich praktikabler sind.

Artikeldatum: 22.05.2015 / letzte Änderung: 9.05.2017

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Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.





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