ein Blog rund um Blitzgeräte und Kunstlicht mit vielen Tipps und Anleitungen

Das stärkste Blitzgerät: Der Agfatronic 643CS die „Lichtkanone“

Heute möchte ich ein wahres „Highlight“ unter meinen Blitzgeräten vorstellen: Den Agfatronic 643CS. Dies ist meines Wissens nach das stärkste Blitzgerät, das es (auf dem Gebrauchtmarkt) gibt. Neu werden solche sehr hellen „Lichtkanonen“ in dieser noch kompakten und portablen Bauform offenbar gar nicht mehr hergestellt. Dieses Gerät ist dazu recht unbekannt: Zeit also, mit einem Blog-Artikel für Abhilfe zu sorgen.

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Auf meinem Blitzblog gehe ich hin und wieder auf mein Lieblingsblitzgerät ein: den 45er Metz-Stabblitz. Bisher war er immer der hellste Blitz meiner Ausrüstung und kam dann zur Anwendung, wenn die „normalen“ Aufsteckblitze zu schwach waren. Nun habe ich etwas aufgerüstet und mir einen „Agfatronic 643CS dialog“ gekauft. Dieser Stabblitz ist noch mal eine Nummer (eine 3/4 Blende) stärker und schlägt alle Speedlights und Speedlites locker, was die Helligkeit des Lichts anbelangt. Am Ende dieses Artikels stelle ich auch die Anleitung in Deutsch und Englisch zur Verfügung. Aber der Reihe nach. Er besitzt bei 100 ISO und einem Ausleuchtwinkel von einem leichten Weitwinkel (35 mm) eine äußerst stattliche Leitzahl von 64! Zudem wird er mit herkömmlichen Batterien / Akkus betrieben! Ein externer Akkupack / Generator ist nicht nötig und auch nicht vorgesehen.

Dieser Artikel ist nun doch sehr lang geworden. Sie können zunächst auch erst einmal direkt zum Punkt Pro- und Kontra springen.

Vergleich mit anderen Blitzen

Schauen Sie sich das Foto an:

Vergleich zweier Blitze

Links sehen Sie meinen Yongnuo-Speedlite und rechts den Agfatronic-Blitz. Der Größenunterschied ist schon recht frappant. Der Yongnuo gehört zu den stärksten Blitzgeräten, die man neu auf dem Markt kaufen kann (Leitzahl 40 bei ISO 100 und 50mm Ausleuchtung / Zoomstellung). Den Agfatronic bekommt man nur noch gebraucht. Um jedoch mit dem Speedlite auf genau die gleiche Lichtstärke zu kommen, wie sie der Agfa-Blitz hat, müsste man mindestens drei Speedlights gleichzeitig zünden! Der große Agfa-Blitz ist also fast ganze zwei Blenden stärker als ein „Standardblitz“. Dieser Vergleich gilt bei einer Zoom-Einstellung von 35 mm bei dem Yongnuo-Speedlite. Denn bereits ohne Diffusor leuchtet der Agfatronic einen leichten Weitwinkelbereich aus (35 mm beim Vollformat) aus! Dies deckt sich meines Tests nach übrigens nicht mit der Beschreibung des Agfas und bedeutet, dass diese etwas zu konservativ gehalten wurde.

Stabblitz

Da ist er: mein treuer Stabblitz von Metz. An ihm messe ich jegliche andere Geräte, was die Lichtleistung anbelangt. Der Metz hat eine Leitzahl von 45 bei 100 ISO und einem Ausleuchtwinkel von einem leichten Weitwinkel-Objektiv (35 mm im Vollformat / Kleinbild). Der Agfatronic 643 ist fast eine ganze Blende heller als der Metz 45! Ich müsste also gleich zwei meiner CL4 Metz-Stabblitze gleichzeitig zünden, um auf die gleiche Leistung (+ 1/4 Blende) zu kommen, die der Agfa allein abgibt.

Winkel der Ausleuchtung zweier Blitzgeräte

Hier hatte ich einmal einen Test gemacht: Links ist mein Metz 45 CT 3 und rechts der Agfa-Blitz. Beide Geräte befanden sich auf Höchstleistung und im selben Abstand von der Wand. Der Metz leuchtet tatsächlich etwas breiter aus, bei leicht abfallender Helligkeit zu den Rändern hin. Jedoch konnte ich den Agfa auch mit einem 35mm-Objektiv an einer Vollformatkamera nutzen und hierbei wurde das Bild auch ohne Streuscheibe ausreichend ausgeleuchtet. Da beide Blitzgeräte auf Höchstleistung („volle Stufe“ 1/1) liefen, kann man hier auch gut den Helligkeitsunterschied erkennen, welcher ca. eine Blende beträgt.
Würde man beide Blitzgeräte direkt (frontal) einsetzen und ohne einer Softbox davor, wäre der Agfatronic tatsächlich eine ganze Blende stärker, da der Abstrahlwinkel des Metzes etwas über 35 mm hinaus geht (er ist etwas breiter). Blitze ich aber mit beiden Geräten indirekt, messe ich eine tatsächliche Lichtstärke-Differenz von immerhin ca. einer 3/4 Blende. Denn beim indirekten Blitzen gegen eine Wand ist die Zoom-Stellung des Blitzkopfes bzw. der Ausleucht-Winkel egal: Es wird dann immer konkret die tatsächliche Lichtmenge gemessen, die sich aus Stärke und Lichtfleckgröße ergibt. Nur so kann man die Stärke verschiedener Blitzgeräte untereinander vergleichen.

Den Stabblitz von Metz gab es jedoch auch in einer Leitzahl-60-Version: Diese Geräte (z. B. der Metz 60 CT4) sind noch einmal ein Stückchen stärker als deren kleinere 45er Baureihe. Ich spielte eine Zeitlang mit dem Gedanken, mir einen solchen 60er Metz zu holen. Doch mich schreckte immer der blöde Akku ab, den man immer separat dabei haben muss und den man ja auch erstmal umbauen müsste. Denn die alten originalen Bleiakkus werden sicherlich nicht mehr funktionieren.

Beim Agfatronic 643 gibt es das Problem nicht: Ich nutze einfach meine herkömmlichen Eneloops in den beiden zweiteiligen Akku-Körben, die ich dafür besitze:

eneloop akkus

Ganze 12 Volt benötigt der Blitz. Hierfür sind 8 Eneloops mit je 1,5 Volt Spannung nötig. Ich weiß: Die Akkus besitzen eine geringere Spannung und tatsächlich läuft das Blitzgerät dann auf 9,6 Volt.

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Das macht aber nichts: Die Blitzleistung ist die selbe wie bei Batterien. Ich messe das mit einem Blitzbelichtungsmesser. In der Anleitung selbst steht auch geschrieben, dass man durchaus Standard-Akkus nutzen kann. Einen speziellen Batterie- oder vielmehr Akku-Korb wie bei den Metz-Stabblitzen vorgesehen, benötigt man hier nicht (bei den Metzen eigentlich auch nicht). Ich meine damit eine unterschiedliche Pin-Belegung der Kontakte, welche sich an die Summe der tatsächlich anliegenden Spannung richtet, die ja je nach Akku oder Batterie unterschiedlich hoch sein kann.

Noch einmal zurück zum Metz 60 CT / CL: Jener ist bei direkter Messung immer noch etwas schwächer als der starke Agfatronic (Leitzahl 60 statt 64). Da auch dieser jedoch einen leicht breiteren Abstrahlwinkel als der Agfatronic haben dürfte, sollte die tatsächliche Leistung gleich sein. Dies lässt sich einfach vergleichen, indem man indirekt über eine Wand blitzt: Hier ist der „Blitzzoom“ egal, wie oben bereits beschrieben. Allerdings gefällt mir die Schiene von den Metz-Geräten besser. Sie sind klar stabiler und robuster.

der Agfatronic 643CS

Hier noch eine Ansicht des Agfa-Blitzgerätes. Er besitzt unten ein eingebautes Stativgewinde. So lässt er sich prima auf Lampenstative schrauben. Im Bild ist auch ein Funkempfänger zu sehen, mit dem ich den Blitz entfessele und freilich wie einen Studioblitz nutzen kann.

Triggerspanung

Zwei gleiche reichen: Dies sind sogenannte Transmitter. Entweder sind sie Sender oder Empfänger. Für das aktuelle Yongnuo Funkauslöser-System "RF 603" (non TTL) kann man den Auslöser auch einzeln kaufen und somit grenzenlos aufrüsten. Ferner lässt sich damit auch ein weiteres Blitzgerät huckepack auf der Kamera aufnehmen. Das Yongnuo RF603 System ist ideal zum entfesseln von Blitzgeräten (günstig über Amazon).

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Es ist immer wichtig zu wissen, welche Spannung an den Kontakten anliegt, wird ein solch altes Blitzgerät ausgelöst – wenn man ein solches an einer modernen Digitalkamera verwenden möchte. Ich habe im Netz gelesen, dass diese sogenannte „Triggerspannung“ (oft auch als „Zündspannung“ bezeichnet) ca. 7 Volt betragen soll. Übersetzt heißt dies: Ja, den Blitz kann ich ohne Risiko an der elektronischen Digitalkamera verwenden (ohne Gewähr für Ihre Digitalkamera). Der TTL-Modus ist hierbei nicht möglich. Jedoch kann man ihn rein manuell steuern oder per sogenannter „Computer-Automatik“. Doch hierzu später etwas mehr.

Ich selbst messe mit einem Voltmeter 6,2 Volt und habe meinen / diesen Agfatronic ohne Probleme an einer Canon 6D und an meiner Nikon D200 betrieben.

Leistung

Ich hatte mir den Agfatronic 643CS nur wegen der abnormalen Leistung gekauft. Mir ist kein Blitzgerät mit „normalen“ Akkus und noch einigermaßen kompakter Form* bekannt, welches gleich- oder gar noch stärker ist. Ich habe auch noch nie ein Gerät dieser (kompakten) Art gesehen, welches heute aktuell hergestellt wird und eine ähnliche Power besitzt.

* So „kompakt“ ist der Blitz natürlich nicht mehr. Ich beziehe mich mit der Größe auf die nächsthöhere Klasse: dem sogenannten „Porty-Blitz“. Dies sind bereits viel größere Systeme mit separatem Generator / Akku, deren Lichtleistung allerdings auch nicht so viel mehr als Leitzahl 64 betragen dürfte (vielleicht eine Blende?), was ich jedoch nicht genau einschätzen kann.

Wie oben schon gesagt: Die Leitzahl des Agfatronic beträgt 64 bei ISO 100 und einem Leuchtwinkel von ca. 35 mm (in Bezug zum Vollformat / Kleinbild = leichtes Weitwinkel). Diese Leistungsangabe findet man auch in der Bezeichnung: 643.

Die Leistung manuell steuern

Wenn man die volle Lichtleistung nicht benötigt, kann man diese manuell herunter stufen:

Leistung ändern per Display

Hier sehen Sie zunächst die schöne Rückseite des Agfatronics. Dieses Blitzgerät besitzt ein sehr gutes (d. h. übersichtliches) Display mit allen nötigen Informationen. Ebenfalls im Bild sehen Sie rechts ein PC-Sync-Kabel, mit welchem der Stabblitz an die Kamera angeschlossen werden kann (evtl. mit einem Adapter für den Blitzschuh), doch zu den Anschlüssen werde ich weiter unten noch genauer kommen.

*Die moderne Version des Metz-Stabblitzes auf Amazon: "MB 76 MZ-5 digital"

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Zunächst soll ja die manuelle Leistungsregelung besprochen werden: Die Leistung lässt sich manuell in fünf Stufen regeln, was etwas wenig ist (im Vergleich zum Yongnuo oder den original Canon- / Nikon- / anderen Systemblitzen): Mit dem linken Drehschalter lässt sich die Leistung von 1/1 über 1/2 – 1/4 – 1/8 -W steuern. Ich kann das Blitzgerät also zunächst in vier vollen Schritten um vier Blenden manuell regeln.

Was bedeutet „W„? Der Buchstabe W steht hier für „Winder“. Ein sogenannter Winder ist ein ansteckbarer Motor für analoge Kameras. Durch ihn sind sehr hohe Bildfolgen möglich. Fotografiert man aber ganz schnell hintereinander kommt ja das Blitzgerät gar nicht mehr hinterher, denn es benötigt ja immer eine gewisse Refresh-Zeit bzw. „Nachladezeit“. Bei der W-Stellung ist diese Refresh-Zeit äußerst kurz – was jedoch nur durch eine deutlich reduzierte Leistung realisierbar ist. Die „Nachladezeit“ bei voller Leistung beträgt bei guten Akkus ca. 3,5 Sekunden.

Und dies wäre die fünfte manuelle Leistungsstufe „W“: 1/32 bzw. 5 Blenden schwächer als bei voller Leistung. Hier wird also die 1/16 Leistung (-4 Blenden) übersprungen bzw. kann nicht manuell eingestellt werden. Jedoch ist dies auch möglich, indem man den „21mm-Diffusor“ am Blitzkopf „reindreht“, während man die 1/8-Stellung wählt. Dieser Diffusor schluckt nämlich auch eine Blende Licht und kann dementsprechend auch als Graufilter verstanden werden. Doch dazu auch hier später etwas mehr.

Agfatronic Stabblitz

Auf diesem Foto sehen Sie den Agfatronic 643CS auf der mitgelieferten Blitzschiene an meiner Nikon-Digitalkamera installiert. Die Verbindung wird über ein Kabel hergestellt (das gleiche Kabel wie bei den Metz-Stabblitzen). Diese Blitzschiene besitzt eine schöne Halteschlaufe bzw. einen Griff und so ist ein recht sicherer Umgang möglich: Blitzgerät und Kamera sind fest miteinander verbunden bzw. fast zu einer Einheit „verschmolzen“.

*Licht verstehen, mit Licht gestalten. Warum sieht dieses bestimmte Foto so gut aus? Vielleicht haben Sie sich dies schon einmal gefragt und kamen nicht dahinter. Die Art des Lichtes, die Art der Beleuchtung könnte hierfür verantwortlich gewesen sein: Mit dem Charakter des Lichtes steht und fällt so manche Fotografie. Das Buch "Licht und Beleuchtung" führt in die faszinierende Welt des Lichtes ein, ohne jedoch ein trockenes Physikbuch sein zu wollen! Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Die konservative Leitzahl

Eines müssen Sie wissen: Die Hersteller von Blitzgeräten geben ihre Leitzahlen immer recht großzügig an, wirklich jeder Hersteller tut dies. Ich meine damit nicht das Verwirrspiel mit Zoom-Stellung des Blitzkopfes oder hoher ISO-Angabe. Konkret möchte ich auf Folgendes eingehen:
Befindet sich die Leuchtquelle direkt neben dem Objektiv (wie es bei Blitzgerät normalerweise der Fall ist), dann wird beim Auslösen ein großer Teil dieses Lichtes direkt wieder zur Kamera zurück reflektiert (Einfallswinkel=Ausfallswinkel=0). Diese Reflexion sorgt für eine künstliche Aufhellung des Motivs: Der Blitz spiegelt sich dann sogar in den dunkelsten Bereichen (schwarzer Pullover) selbst und hellt diese so künstlich auf.

Würden Sie den Blitz aber leicht entfesseln, sodass dieser nur etwas schräg auf das Motiv „blickt“, geht diese Spiegelung (bzw. die dadurch verursachte künstliche Aufhellung) verloren. Wenn Sie sich nun an diese reguläre Leitzahl halten würden, würden Ihnen hierbei die Schatten zulaufen! Ich empfehle daher immer auch eine konservative Leitzahl, nämlich jene, die jeder Blitzbelichtungsmesser messen würde (und diese Messen ganz andere Leitzahlen, probieren Sie es)! Und die konservative Leitzahl für den Agfa Agfatronic 643 CS lautet: 45.

Zum Vergleich: Mein 45er Metz-Stabblitz besitzt eine konservative Leitzahl von 33, mein starker Yongnuo-Aufsteckblitz nunmehr eine von 25. Diese „konservative“ Leitzahl ist also immer um ca. eine 3/4 Blende schwächer (Faktor 1,3) als die reguläre und sollte immer in Betracht gezogen werden, wenn das Blitzgerät nicht direkt aus der Objektivrichtung eingesetzt- bzw. entfesselt wird.

In der Praxis rechne ich dann einfach immer mit dem halben ISO-Wert, den ich eigentlich benutze bzw. stelle im Display des Agfatronics z. B. einfach ISO 50 ein während ich mit ISO 100 fotografiere. Das reicht völlig aus, wenn man einen hohen Anspruch an Schattenzeichnung hat. Zum schönen Display-Rechner komme ich noch etwas weiter unten zu sprechen.

Ein konkretes Beispiel zur Leistung

Ich bin ein Freund der Praxis. Hier nur ein konkretes Beispiel, was man mit dem Blitzgerät machen kann. Es soll eine simple Aufnahme im Studio sein. Ich schraube den Agfatronic also auf ein Lampenstativ und stelle daneben ein weiteres, auf welchem ich meinen Blitzschirm befestigt habe. Davor steht eine Person, deren Abbild ich also mit der Digitalkamera aufnehmen möchte. Die Kamera und den Blitz verbinde ich über meine Yongnuo 603er Funkauslöser. Ich arbeite bei solchen Arrangements natürlich völlig manuell bzw. verzichte auf Automatiken. Den Schirm bzw. den Blitz stelle ich etwas versetzt zum Modell, daher muss ich mit der konservativen Leitzahl rechnen. Folgende Zahlen beachte ich:

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Nun stellt sich natürlich die Frage, wieweit ich die Blende des Objektivs schließen könnte (wenn ich eine möglichst hohe Schärfentiefe erhalten möchte).

Das rechnet man ganz einfach aus: Leitzahl 45 / 3 Meter ist schonmal 15, also gerundet Blende 16. Da der Schirm aber eine ganze Blende Licht schluckt bleibt Blende 11 übrig. Versuchen Sie mal einen Systemblitz wie einen Canon Speedlite hinter einem Schirm bei 100 ISO und Blende 11 für ein drei Meter entferntes Modell zu verwenden. Das wird nichts. Natürlich würden Sie bei so einem Sujet wahrscheinlich eher ohnehin bei einer offenen Blende fotografieren. Doch dieses Beispiel sollte nur eines dafür sein, um einen Einblick in die Praxis mit einem Blitzgerät zu bekommen, welches der Leistung von echten Studioblitzen durchaus nahe kommt. Das Ding ist ’ne echte Lichtkanone.
Wenn Sie sich für solche Rechnereien interessieren, dann habe ich in diesem Artikel eine kleine Sammlung an „Blitz-Formeln“ parat.

So denke ich auch an ein Sujet draußen bei praller Sonne: Bei jener müsste man in der Praxis bei 100 ISO und einer Verschlusszeit von 1/200 Sekunde auf ca. Blende 11 abblenden, damit nichts überbelichtet wird. Wie ich oben an dem Beispiel ausgerechnet hatte, erzeugt der Blitz hinter einem Schirm bei diesen Kamera-Einstellungen genau die gleiche Lichtleistung wie die Sonne – bei einer Entfernung von immerhin 3 Metern vom Motiv weg.

Wenn man bei der regulären Leitzahl bleiben möchte und diese auf ISO 400 hochrechnet, dann muss man von einer Leitzahl von 125 sprechen. Wenn man nun noch das Licht mit einer Blattlupe verstärkt, hat der Blitz eine Leitzahl von ca. 175 (bei 400 ISO und einem „Zoom“ von vielleicht 105 mm). Mit solchen Variablen werden Blitzgeräte in der Werbung leider recht irreführend beschrieben und dies soll nur zum Vergleich dienen (Praxis ist etwas anderes).

Im DSLR-Forum schreibt jemand, dass die Leistung des Agfatronic 643 ungefähr der von einem Studioblitz mit 250-300WS (Wattsekunden) entspricht, was den selben Wert in Joule bedeuten soll. Mit solchen Leistungsangaben kenne ich mich allerdings nicht aus bzw. kann mir darunter nicht viel vorstellen. Zum Vergleich: ein Jinbei DM2-300 Studioblitz müsste die selbe Leistung besitzen. Allerdings haben solche Geräte freilich zusätzliche Vorteile: schnellere Abbrennzeit, schnellere Refresh-Zeit, Einstelllicht und eine höhere mechanische bzw. elektronische Qualität, was eine (ständige) Beanspruchung anbelangt.

TTL Belichtung

Der Agfatronic 643 CS ist tatsächlich TTL-tauglich! Das heißt: Sie stellen an der Kamera irgendetwas ein und das Blitzgerät wird immer die korrekte Lichtmenge abgeben. Jedoch: über TTL werden nur analoge Kameras unterstützt! Moderne Digitalkameras nutzen nunmehr ein etwas anderes TTL-System (mit Vorblitzen = ETTL, ITTL, PTTL usw.), welches mit dem Agfatronic nicht kompatibel ist! Ich habe da eine wirklich sehr schöne und hochwertige Nikon FE2 Kleinbildkamera. Für dieser analoge Kamera ist die TTL-Automatik völlig kompatibel, für meine Nikon D200 (ITTL) jedoch nicht. Was jedoch auch nicht heißt, dass der Blitz nicht an Digitalkameras funktioniert. Für die jeweiligen analogen Kameras benötigt man zur Datenübertragung einen sogenannten SCA300-Adapter: Dies ist ein Kabel, welches an einem Ende in den Blitz gesteckt wird und am anderen Ende genau die für die jeweilige Kameramarke kompatiblen Stecker hat (für Canon, Olympus, Pentax usw.). Auch der oben schon erwähnte Metz-Stabblitz funktioniert mit dem SCA300-System.

Computerblitz-Automatik

blitz-setEin solch einfaches Set aus Blitzschirm, Stativ und Blitzhalterung bekommt man mittlerweile bereits für den Preis eines Restaurantbesuches zum Beispiel bei Amazon.

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Die sogenannte Computer-Blitzautomatik ist der Vorgänger von TTL. Diese Automatik funktioniert mit jeder Kamera (also auch digital) und ist völlig systemunabhängig. Das Prinzip ist folgendes:

Sie lösen aus, ein Sensor am Blitzgerät misst das (zurück reflektierte) Blitzlicht und stoppt dieses sofort, wenn die nötige Lichtmenge erreicht worden ist. Hierzu besitzt der Agfatronic 643 einen kleinen Lichtsensor vorne links neben dem kleinen Zweitblitz (auf den ich auch noch zu sprechen kommen werde).

Jedoch müssen Sie vorher noch genau zwei Dinge am Blitzgerät einstellen: Auf welchen ISO-Wert ist die Kamera eingestellt und mit welcher Blende wird fotografiert? Diese beiden Angaben benötigt der Computer im Blitz, damit er die Lichtmenge korrekt beurteilen kann. Das ist ja gerade der Vorteil von TTL: Hier können sich Blitz und Kamera sozusagen „unterhalten“ und diese Einstellungen werden automatisch übertragen. Bei der Computerautomatik geht dies nicht. Ich habe auch einen ausführlichen Artikel über die Computerautomatik geschrieben.

Agfa Design

Agfatronic BlitzEin weiterer Vertreter des Agfa-Designs: der winzige Agfatronic 182C.

Auffallend in dieser Hinsicht ist auch das spezielle Design des Agfa-Blitzes: Es verfolgt eine klare Strategie, die Agfa in den späten 1970er und 80er Jahren führte und einige Kameras (Selectronic-Reihe) und Blitzgeräte (Agfatronic-Reihe) mit einem unverwechselbaren schwarzen Gehäuse, abgeflachte Kanten und stets „rotem Punkt“ versah. Ich persönlich bin ein Freund von Kanten, muss jedoch zugeben, dass das Agfa-Design selbst heute keinesfalls altbacken aussieht. Die „Agfatronic-Baureihe“ bestand aus diversen Blitzgeräten im selben Design. Der 643CS war offenbar der letzte und stärkste. Ich vermute, es wurden nicht so viele von diesen Blitzgeräten gebaut bzw. verkauft, da die Information im Internet wirklich sehr beschränkt sind.

Selectronic S Kamerameine Selectronic S Kamera. Auch sie gehörte zum damaligen Agfa-Design.

Das Display des Blitzgerätes

Oben habe ich ja bereits ein Foto der Rückansicht des Agfatronic eingefügt. Das Display zeigt folgende Dinge an:

Das Display ersetzt die Rechenscheiben der meisten anderer Blitzgeräte aus den 1970er und 1980er Jahren! Ich möchte hier für Klarheit sorgen:

Display vom BlitzgerätHier noch einmal die Rückansicht mit Display.

Display beim manuellen Blitzen

Das Display des Agfa 643 Blitzgerätes zeigt mir beim manuellen Blitzen wichtige Angaben an und erspart mir das Rechnen. Beim manuellen Blitzen muss ich zunächst die an der Kamera eingestellte ISO auch am Blitz einstellen. Auf dem Beispielfoto sind dies 100 ISO. Dann habe ich den linken Schalter auf Leistung 1/2 gedreht, wie man auch sehen kann (am Schalter, nicht im Display des Blitzes). Ich habe mit den Up- / Downtasten definiert, dass ich an der Kamera eine Blende von 8 eingestellt habe. Dies wird nun auch im Display angezeigt. Und daneben erscheint eine Meter-Angabe: 4,5. Dieser Wert wurde vom Blitzgerät errechnet! Dies ist genau die Entfernung, für die die aktuellen Daten eine korrekte Belichtung hervorrufen würden!

DrehscheibeEin Display ist doch komfortabler als solch eine analoge Skala (hier beim Metz-Stabblitz).

Rechts daneben steht im Display noch, dass die 35mm-Streuscheibe ausgeklappt ist. Und das Symbol mit dem Männchen gibt an, dass der Blitzkopf gerade nach vorne direkt zum Motiv hin zeigt (es kann auch nach oben zeigen).
Würde ich mit den Up- / Downtasten nun die Entfernungsangabe ändern, dann würde sich automatisch auch die Blenden-Angabe ändern und ich müsste diese an der Kamera korrigieren. Wenn ich den Leistungs-Wahlschalter auf z. B. 1/1 schalten würde, dann würde auch eine höhere Entfernungsanzeige im Display erscheinen (denn die Reichweite erhöht sich ja dann). Das ist alles genau das selbe, was mir die analogen Dreh- und Schiebeskalen anderer alter Blitze mitteilen (bis auf die Sache mit der Streuscheibe). Per Display-Rechner ist dies nur viel einfacher zu bedienen / abzulesen.

Das Display bei der Computer-Blitz-Automatik

Auch bei der Auto-Funktion über die eingebaute Messzelle („Computerblitz“) ist das orange beleuchtete Display nicht unwichtig. Zunächst muss, wie gesagt, mit den Up- und Down-Tasten die verwendete ISO eingestellt werden. Der ganz linke Drehschalter muss auf „A“ (=Automatik“) stehen (unterstes Symbol). Mit dem rechten Drehschalter wählt man die Blende, die man benutzen möchte (bzw. die auch an der Kamera eingestellt ist). Diese wird nun auch im Display des Agfa 643 angezeigt. Fertig! Nun kann man fröhlich drauf los blitzen und der „Computer“ steuert die Lichtmenge automatisch. Das heißt, man kann den Kopf auch zur Decke richten oder Farbfilter für den Blitz nutzen: Die Lichtmenge wird stets automatisch eingestellt. Im Display erscheint dann auch hier eine Meter-Angabe (auch auf Feet umschaltbar): Sie gibt die maximal mögliche Reichweite an. Alles darunter wird automatisch geregelt.

Messzelle vom Blitzgerät

Hier sehen Sie noch eine Besonderheit: Die Messzelle lässt sich heraus drehen bzw. austauschen. Wofür dies gedacht ist, kann ich leider nicht sagen. Jedenfalls sollten Sie aber überprüfen, ob sie korrekt eingesetzt ist, wenn der Blitz im Computerbetrieb immer gleich (maximal) stark ist (bei mir gibt es einen kleinen Wackelkontakt). Es wäre theoretisch auch möglich, diesen Sensor ganz wegzulassen und anstelle diesem einen Festwiderstand oder ein Drehpoti einzubauen. Nach diesem Prinzip hatte ich ja auch meinen Metz-Stabblitz weiter manuell regelbar gemacht.

Mittlerweile bin ich durch einen Kommentar wohl darauf gekommen, warum man den Sensor heraus schrauben kann: Man kann ihn (mit einem Zubehörkabel, welches ich nicht habe) am Objektiv der Kamera befestigen, wenn man das Blitzgerät leicht entfesselt, um weiterhin das Licht zu messen, welches die Kamera „sieht“.

Batterieanzeige

Das Display besitzt keine Batterieanzeige. Wenn die Batterien leer zu gehen drohen, wird das Display jedoch anfangen zu blinken.

Der Zweitblitz

Der Agfatronic 643CS besitzt, wie einige andere Blitzgeräte der 1980er Jahre auch, einen Zweitblitz. Hiermit ist der kleine Reflektor ganz vorne gemeint. Daneben befindet sich ein Schiebeschalter, mittels welchem man den Zweitblitz (de-) aktivieren kann.

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Ein solcher Zweitblitz dient zum Aufhellen von Schatten, während man den Hauptblitz hoch zur Decke gerichtet hat, um indirekt sehr weiches Licht zu erzeugen. Hierdurch passiert es nämlich häufig, dass sich dann bei Personen dunkle Schatten in den Augen abzeichnen, da das Licht ja nur von oben kommt. Der Zweitblitz hellt dies wieder auf.

Diffusor-Scheibe am Blitzgerätdie ausziehbare „Bounce-Karte“ an modernen Blitzgeräten möchte den Zweitblitz ersetzen.

Schaltet man ihn ein, wird die Gesamtleistung des Blitzgerätes auf die beiden Blitzröhren aufgeteilt. Heute werden nur noch wenige Systemblitze mit einem Zusatz-Reflektor ausgestattet. Man behilft sich hier einfach einer simplen Palstikkarte, die man vorne am Kopf heraus ziehen kann und die eigentlich das selbe leistet (einen Teil des Lichtes nach vorne umzuleiten). Ich selbst nutze den Aufhellblitz auch selten bis gar nicht.

Die Anschlüsse

Es gibt hier nur zwei Anschlüsse. Jeder ist für die Verbindung zur Kamera gedacht. Einen Anschluss für einen externen Akkupack gibt es nicht. Doch theoretisch könnte man den Blitz an ein 12V-Netzgerät anschließen bzw. an eine Auto-Batterie oder dergleichen. Hierfür müsste man nur die beiden Pins im Innern hinter der Batterieklappe anzwacken. Oder – eleganter – man tut dies über einen leeren Batteriekorb. Aber dass man hier in dieser Liga ganz normale Akkus nutzen kann sehe ich gerade als Vorteil an.

Der Agfatronic 643 besitzt zum einen eine ganz normale „PC-Sync-Buchse“. Dies ist die Standard-Verbindung zumindest älterer Blitzkomponenten. Dazu gibt es eine Buchse für genau jenes Kabel, welches auch an meinen Metz-Stabblitz passt! Die Anschlüsse sind identisch. Ich meine dieses Kabel mit dem flachen12-poligen Stecker, mittels dem auch eine TTL-Übertragung realisierbar ist. Ich besitze mehrere dieser Kabel mit flachen Stecker (vom Metz) und bevorzuge jenes Kabel, welches am anderen Ende einen Blitzfuß besitzt, den ich einfach auf den Blitzschuh der DSLR schiebe.

Ich selbst bin kein großer Freund dieser PC-Sync-Stecker. Die wackeln doch nur und fallen irgendwann ab. Das Spiralkabel mit dem 12-Pin-Stecker sitzt fest und auf das Blitzfußende kann ich bequem und sicher meinen Funkempfänger arretieren.

Die Stromversorgung

Oben hatte ich ja bereits ein Foto mit den Akkus gezeigt. Es sind für dieses Blitzgerät auch nur herkömmliche Batterien oder Akkus der Größe R6 (Mignon) nötig. Keinesfalls benötigt man so einen externen Akkupack wie beim Metz 60 CT / CL!

Akkus im Blitzgerät Agfa 643CS

Auf der Vorderseite des Agfatronic 643 CS befindet sich eine Klappe. In diese Klappe wird der Akku-Satz eingesetzt. Diesen kann man natürlich auch mit Batterien bestücken.

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Mir gefällt das Prinzip durchaus! Bei diesem Foto sehen Sie den zusammen gesetzten Batteriekorb. Er fasst 8 Batterien und stellt so eine Spannung von 12 Volt zur Verfügung. Ich nutze nur die guten Eneloop-Akkus und das Blitzgerät funktioniert ebenso gut wie mit Batterien. Nur die „Refresh-Zeit“ ist natürlich viel kürzer: ca. 3,5 Sekunden nach voller Leistungsabgabe! Das ist ein sehr guter Wert für solch ein starkes Blitzgerät.

Achtung bei Akkus

Nach einiger Zeit im Betrieb ist mir beim Messen irgendwann aufgefallen, dass die Leistung nicht mehr der angenommenen entsprach: Bei voller Leistung blitzte der Agfa 643 stets nur noch eine Blende „dunkler“. Erst dachte ich: Ok, der pendelt sich nun ein, nachdem er lange Zeit nicht genutzt worden war. So wäre er natürlich überflüssig gewesen, denn dann hätte ich gleich den 45 Metz nehmen können. Ich lud die Akkus jedoch noch einmal und stellte fest, dass sich einer der Eneloops permanent im „Regenerieren-Modus“ in meinem Ladegerät befand, über mehr als eine Stunde, während die anderen Akkus bereits fast wieder voll geladen waren. Dieser einzige der 8 Akkus im Batteriekasten verursachte tatsächlich eine Art Bremse! Nachdem jener nun „regeneriert“ und geladen wurde, hatte ich meine volle Leitzahl-64-Leistung zurück.

Will sagen: Ein gutes Ladegerät mit Einzelschachtladung und Ladekontrolle sowie mit einem „Akku-Fitness-Modus“ („Regenerieren“) ist gerade beim Einsatz von Blitzgeräten eine gute Investition.

Die eingebauten Streuscheiben

Was mir ebenfalls sehr gefällt ist das Prinzip der eingebauten Streuscheiben. Im Blitzkopf befinden sich zwei Streuscheiben, die „eingedreht“ werden können. Hierdurch wird der Leuchtkegel vergrößert! Dies nutzt man a) bei Weitwinkelobjektiven und b) um eine Softbox oder einen Blitzschirm korrekt ausleuchten zu können. Ich blitze gerne gegen Wände und erreiche dadurch, dass eine möglichst große Reflexionsfläche angestrahlt werden kann (= weiches Licht).

Streuscheibe an einem Blitz

Bei diesem Foto habe ich eine der beiden Streuscheiben „eingedreht“. Der Lichtkegel wird hierdurch erweitert. Keinesfalls wird das Licht hierbei jedoch per se „weicher“, wie manche fälschlicherweise annehmen.

In der Anleitung des Agfatronic steht, dass der nackte Blitzkopf (also ohne Streuscheibe) einen Leuchtkegel für eine Normalbrennweite aufweist (50 mm beim Vollformat). Das deckt sich aber nicht mit meinem Vergleich: Tatsächlich wird bereits ohne Streuscheibe ein Bereich ausgeleuchtet, welcher ein leichtes Weitwinkel (35 mm im Vollformat / Kleinbild) abdeckt. Also benötigt man die eingebaute 35mm-Streuscheibe nur, wenn man eine Kamera besitzt, die quadratische Bilder macht (namentlich das analogen Mittelformat 6×6).

Blitz ohne Streuscheibe

Bei diesem Testfoto hatte ich eine Vollformatkamera (Canon 6D) mit einem 35mm-Objektiv (Zoom auf entsprechender Stellung) genutzt. Beim Agfatronic, der mit der Canon mittels der Blitzschiene verbunden war, war keine Streuscheibe (die ja Licht schluckt) eingedreht. Trotzdem wird das Bild fast vollständig ausgeleuchtet: Nur der Vordergrund unten ist etwas zu dunkel, was sich jedoch bei den meisten Motiven nicht bemerkbar machen sollte. Ich hatte bewusst eine graue Wand und einen homogenen Boden als Motiv gewählt, damit man überhaupt einen Lichtabfall sehen kann. Bei „normalen“ Motiven werde ich keine Scheu davor haben, bei einem leicht weitwinkeligen Objektiv auf die 35mm-Streuscheibe zu verzichten. Denn nur so erreicht man ja die stolze Leitzahl 64 bei 100 ISO. Wenn man mit einer „Normalbrennweite“ direkt blitzt, wäre dies ohnehin egal.

Streuscheibe bei einem Blitzgerät

Hier wurde hingegen die 35mm-Streuscheibe eingedreht. Ein Unterschied ist kaum sichtbar. Natürlich ist das Foto im Ganzen nun leicht dunkler. Der Boden unten hat einen „Tick“ mehr Helligkeit abbekommen.

Die zweite Streuscheibe ist für 28 mm Objektive gedacht (also stärkere Weitwinkelobjektive). Die erste Streuscheibe schluckt ca. eine 1/2 Blende Licht. Die 28mm-Streuscheibe reduziert die Lichtstärke um ca. eine Blende.

Hinweis: Meine Testbilder hatte ich an einer grauen Wand angefertigt. Hierbei sind Randlichtabfälle mit jedem Blitzgerät bei ca. 4 bis 5 Meter Entfernung immer sichtbar. Bei einem „normalen“ Motiv würde so etwas gar nicht auffallen.

Eine Zoom-Option gibt es aber nicht! Doch man kann sich mit einer Fresnellinse behelfen. Hierzu hatte ich einen eigenen Artikel geschrieben: Die Reichweite des Blitzgerätes mit einer Fresnellinse erhöhen. Allerdings müsste man sich dann eine Vorrichtung überlegen, die eine solche Blattlupe vor dem Blitzreflektor sicher halten kann.

Die Refresh-Zeit

Heute schon geblitzt? Dieses Buch richtet sich speziell an Canon EOS Anwänder. Es wird ganz speziell auf das canon-eigene E-TTL eingegangen anhand von vielen Praxistipps nebst Einstellungen des Blitzgerätes und der Kamera. Auf Amazon kann man einen Blick in das Buch werfen.

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Wenn man bei voller Leistung geblitzt hat, dann benötigt jedes Blitzgerät eine gewisse Zeit, bis der eingebaute „Kondensator“ wieder voller Strom ist und erneut eine volle Ladung Licht abgegeben werden kann. Wenn man Eneloop-Akkus nutzt, dann beträgt diese Nachladezeit lediglich ca. 3,5 Sekunden. Das ist bei solch einer Stärke durchaus ein guter Wert. Bei Batterien wird es wesentlich länger dauern. Ein Lämplein auf der Rückseite gibt an, wann der Blitz wieder bereit ist. Bei reduzierter Lichtabgabe dauert die Aufladezeit natürlich wesentlich kürzer.

Standby-Modus

Nach 10 Minuten ohne Auslösung wird sich das Blitzgerät ausschalten. Jedes moderne Blitzgerät wird einen solchen Standby-Modus besitzen. Anders sah es seinerzeit bei den Blitzgeräten aus den 80er Jahren aus. Ich denke, auch hier lief die Überlegung darauf hinaus, dass dieses Blitzgerät durchaus immer auch als ein kompakter Studio-Blitz-Ersatz konzipiert worden war, welches dann eben eine gewisse Zeit aktiviert herum steht, ohne dass ausgelöst wird. Man muss ja mal Pause machen. Mit dem Power-Knopf lässt sich der Standby-Modus wieder deaktivieren, indem man diesen kurz nach oben zieht.

Die Abbrennzeit

Die Blitzdauer, also die sogenannte Abbrennzeit, beträgt bei voller Leistung 1/200 Sekunde. Man darf hier also an der Kamera (wenn überhaupt möglich) keine kürzere Synchronzeit wählen. Denn dann würde man das Licht ja beschneiden. Die Abbrennzeit verringert sich jedoch immens, wenn man die Leistung herunter regelt. Eine Abbrennzeit von 1/200 Sekunde ist tatsächlich schon recht lang, wird sich aber bei der Lichtleistung technisch wohl nicht vermeiden lassen, wenn alles in einem solch kompakten Gehäuse untergebracht werden soll.

Die Blitzschiene

Der Stabblitz wird mit einer passenden Schiene mitgeliefert. Diese wird über ein Bajonett fest montiert.

Bajonett am Blitz

Auf dem Foto sehen Sie das System. Ein Foto mit Blitzschiene und Kamera habe ich weiter oben gezeigt. Daneben ist der Stativ-Anschluss zu sehen. Die Entwickler hatten damals schon daran gedacht, diesen starken Blitz auch als Studio-Blitz-Alternative nutzbar zu machen. Die Blitzschiene selbst besitzt aber auch noch zwei Gewinde. Doch Obacht: Hierbei handelt es sich um die großen Stativgewinde und nicht im die geläufigen 1/4-Gewinde. Auf dem Foto oben sehen Sie, was ich gemacht habe: Ich habe einen Gewindeadapter eingedreht.

Der Stabblitz hinter einem Schirm

Hier gefällt mir die Lösung beim besagten Metz-Stabblitz besser, den ich immer wieder gerne mit dem Agfatronic vergleiche. Ersteren kann man perfekt mit einem Blitzschirm kombinieren:

Blitzgerät an Blitzschirm

So eine Konstruktion wie hier ist beim Agfa-Stabblitz nicht möglich. Denn dessen Schiene lässt sich so nicht befestigen (sondern eben nur im 90°-Winkel). Doch der Blitzkopf muss ja unmittelbar auf Höhe der Schirmmitte positioniert sein. Daher benötigt man für den großen Agfa-Blitz ein zweites Stativ: Nämlich eines, welches nur den Schirm selbst trägt. Das ist leider ein Nachteil der Konstruktion.

Wozu überhaupt einen solch starken Blitz?

Foto mit abgeblendetem ObjektivBei einem solchen Foto musste ich stark abblenden, damit Vorder- und Hintergrund gleichermaßen scharf abgebildet werden. Das Blitzlicht musste entsprechend stark sein.

Ich rede die ganze Zeit voller Begeisterung vom stärksten Blitzgerät, welches mir bekannt ist. Stellt sich die Frage, wozu braucht man eine solch doch durchaus stattliche Lichtleistung? Ich kann hier natürlich nur von mir selbst schreiben:

Verwendung von Filtern

Ich blitze häufig mit Filtern. Insbesondere seien hier die Polfilter genannt, die ich benötige, um Spiegelungen auszufiltern. Diese Technik nennt man Kreuzpolblitzen und man benötigt hierzu zwei Polfilter: einen auf dem Blitzgerät und einen auf dem Objektiv der Kamera. So gehen schon mindestens drei Blenden Lichtleistung verloren bzw. die Leitzahl wird sich stark verringern.

100 ISO nutzen, abblenden und Licht umleiten

one-flash-buchNur ein einziger Blitz - dies ist die Prämisse bei diesem Buch. Der Autor vermittelt Techniken, mittels derer man mit möglichst minimalistischem Setting dennoch zu aussagekräftigen Fotografien gelangt, eben nur mit einem einzigen Blitzgerät. Bei Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Ich besitze noch eine ältere Digitalkamera, die bei höheren ISO-Einstellungen für ein doch schon recht auffälliges Rauschen sorgt. Gut, man benötigt hier dann nur eine aktuelle DSLR, die man bei einer hohen Empfindlichkeit problemlos nutzen kann und man wäre aus dem Schneider. Doch ich selbst fotografiere zu 90% analog im Mittelformat und möchte auf die 100-ASA-Filme der Auflösung wegen nicht verzichten. Hinzu kommt, dass ich wegen einer möglichst hohen Schärfentiefe ungern bei Offenblende arbeiten möchte. Hier brauche ich einfach einen starken Blitz. Denn natürlich blitze ich selten direkt: Ich leite das Licht über Wände und Decken, um eine möglichst weiche Lichtcharakteristik zu bekommen oder ich blitze durch Schirme. Das alles schluckt beachtlich Licht.

Gegen die Sonne blitzen

Das Hauptargument für einen äußerst starken Blitz dürfte aber jenes sein, wenn man das vorhandene Sonnenlicht mit dem Blitz übertünchen möchte. Hier hilft einem weder ein hoher ISO-Wert (der das Sonnenlicht ja auch heller macht) noch ein Graufilter (der das Blitzlicht ja auch dunkler macht). Man benötigt einfach starkes Kunstlicht. Insbesondere für Fotografen, die gerne Porträtaufnahmen bei praller Sonne machen und hierzu viel Power zum Aufhellen benötigen, spielt dies eine große Rolle.

Ein Ärgernis:  Summen

Wie gesagt: Ich kenne keine Alternative zu dem stärksten Blitz. Was auffällt, ist ein ständiges Fiepen bzw. Summen, wenn der Agfatronic angeschaltet ist. Bei einem solch hochfrequenten Ton merkt man dann auch, dass das eigene Gehör noch ganz gut in Ordnung ist. Ich kenne dieses Geräusch durchaus auch von anderen älteren Blitzen. Doch hier ist es lauter. Ich hoffe, das gibt sich vielleicht mit der Zeit.

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Pro und Kontra

Anleitung

Sie können sich hier die Bedienungsanleitung des „Agfatronic 643 CS dialog“ ansehen. Ich hatte sie abfotografiert. Sie können die deutsche Anleitung studieren und ich habe auch die englische Version eingestellt. Hier sehen Sie zunächst das Deckblatt sowie die die Bedienelemente nebst Nummerierungen (auf die im Text eingegangen werden):

Anleitung des Agfatronic 643manual Agfatronic 643agfatronic643-anleitung-02

deutsche Bedienungsanleitung

Nun kommt der Text:

agfatronic643-anleitung-04 agfatronic643-anleitung-05 agfatronic643-anleitung-06 agfatronic643-anleitung-07

manual Agfatronic 643

This is the english manual:

agfatronic643-manual-01 agfatronic643-manual-02 agfatronic643-manual-03 agfatronic643-manual-04

Fazit

Ich bin froh, dass ich mir den Agfatronic jetzt gekauft habe. Es ist schon ein ganz besonderes Blitzgerät und der Agfa war seinerzeit (80er Jahre [?]) sicherlich ziemlich teuer. Wahrscheinlich wurden von dem Modell auch nicht sonderlich viele Exemplare gebaut, denn auf dem Gebrauchtmarkt (Ebay) ist er recht selten anzufinden. Ich habe für meinen Agfa 643 ca. 70 € bei einem Ebay-Händler bezahlt und denke, dies ist ein vernünftiger Preis. Ich bin auch schon auf Angebote zu ca. 200 € für einen solchen Blitz gestoßen. Sollte das Exemplar nicht fiepen und sollte es noch einen guten Eindruck machen, würde ich das Geld auch zahlen, wenn ich es gerade über hätte. Es gibt keine andere Möglichkeit, an einen solch starken Handblitz zu kommen und diese Blitzgeräte sind wirklich rar. Alternative: Zwei 45er Metz Blitzgeräte an den Schienen zusammen zu schrauben und parallel zünden. Dies ergäbe die selbe Leistung (+ ca. 1/4 Blende mehr) bei einem leicht wietwinkligerem Abstrahlwinkel.

Was ich nicht schön finde ist, dass man die Blitzschiene nicht eng am Blitz selbst angewinkelt arretieren kann, denn so ließe sich prima ein Blitzschirm daran befestigen. Nun muss ich hierfür ein zweites Stativ bereit stellen. Im Gegensatz zu meinem 45er Metz würde ich den Agfa auch nicht fallen lassen wollen. Er macht einen weniger stabilen Eindruck. Ansonsten ist es durchaus ein duftes Gerät und – wie gesagt – der stärkste Blitz, den ich kenne, der mit herkömmlichen Batterien direkt an der Kamera betrieben werden kann.

Artikeldatum: 12.01.2016 / letzte Änderung: 4.09.2016

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3 Anmerkungen bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.