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Reichweite beim Blitzen: rasche Lichtabnahme verhindern

Diese kleine Artikel behandelt eine wichtige Eigenschaft von (Blitz-) Licht: Die Lichtstärke kann in Relation zur Entfernung der Leuchtquelle stark abnehmen. Wenn Sie sich bisher über den hohen Lichtverlust beim Blitzen über mehrere Meter gewundert haben, lesen Sie weiter.

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Abnahme der Lichtstärke

Eine ungünstige Angelegenheit: Licht nimmt immer im Quadrat zur Entfernung hin ab.

Sicherlich kennen Sie das Phänomen: Sie stehen am Ende einer Geburtstagstafel, haben die Kamera in der Hand und darauf einen Blitz der stärkeren Sorte aufgesteckt. Ein schönes Foto soll das werden – Von der Tante ganz vorne bis zu den Urenkeln am anderen Ende des Tisches sollen alle Gäste gut ausgeleuchtet werden. Doch das wird nichts, zumindest wenn Sie direkt blitzen*!
Denn Sie können den Blitz nur auf eine ganz bestimmte Reichweite zum Beispiel manuell einstellen. Nutzen Sie die TTL-Automatik oder die Computerblitz-Automatik des Blitzgerätes, so werden Sie auch hier nicht weiterkommen: Entweder ist die Tante im Vordergrund völlig überbelichtet oder aber die Kinder ganz hinten sind in völliges Schwarz versunken.

* Solche Lichtsituationen meistert man am besten, indem man einfach  indirekt über die Decke blitzt. Denn dann ist nämlich alles wesentlich gleichmäßiger ausgeleuchtet.

Akute Abnahme der Lichtstärke beim direkten Blitzen

Bei der Verwendung von direkt eingesetztem Blitzlicht tritt nämlich eine Eigenschaft von Licht zu Tage:

Die Stärke einer Lichtquelle nimmt im Quadrat zur Entfernung (zum Motiv) hin ab.

In der Praxis zeigt sich dies am deutlichsten bei so einem Arrangement wie bei der Geburtstagstafel. Das Licht des Blitzes verliert also nicht etwa bei einer Distanzverdoppelung die Hälfte seiner Kraft, nein: An dieser Stelle ist bereits nunmehr noch lediglich ein Viertel der Lichtenergie vorhanden. Und dies sieht man deutlich! Neben Spiegelungen auf der Haut und neben den vielen kleinen schwarzen Schatten ist die akute Lichtabnahme die dritte unschöne Eigenschaft, welche beim direkten Blitzen auftaucht. Was kann man dagegen tun?

Das Licht gleichmäßiger gestalten

Im Gegensatz zu den anderen beiden negativen Effekten von direkt eingesetztem Blitzlicht (Spiegelungen und harte Schatten), hilft hier ein reines „Weichmachen“ des Blitzes nicht. Denn dadurch wird ja nichts am physikalischen Gesetzt der Lichtabnahme in Relation zur Entfernung geändert. Hier gibt es drei andere Lösungen:

Bouncen

indirektes Blitzlicht

Indirektes Licht über Wände und Decke.

Ich hatte ja bereits einen Wink gegeben: Durch das sogenannte „Bouncen“ bzw. Indirekte Blitzen über eine Zimmerdecke gelingt es, das Blitzlicht wesentlich angenehmer zu gestalten! Dies ist immer mein primärer Lösungsansatz. Hierbei wird zunächst aus der winzigen punktuellen Lichtquelle (durch die Reflexion an der Wand) eine voluminöse Leuchtfläche, als hätte man eine echte Lichtwanne unter der Decke hängen. Für alle Partygäste am Tisch ist die Entfernung zur Decke (nun Lichtquelle) ungefähr gleich, ganz im Gegensatz zur Entfernung zum Blitzgerät selbst. Diese Methode funktioniert auch sehr gut mit der TTL-Automatik der Kamera bzw. des Blitzes.
Doch Vorsicht: Besitzt die Decke eine Eigenfarbe, so ist zunächst unbedingt ein manueller Weißabgleich an der Kamera vorzunehmen. Denn das reflektierte Licht übernimmt ja immer einen Teil der Eigenfarbe des Reflektors.

Den Blitz weiter entfernen

Funkempfänger

Ich entfessele meine Blitzgeräte mittlerweile mittels dem Yongnuo-Funksystem.

Die zweite Möglichkeit, dem unschönen Effekt der raschen Lichtstärke-Abnahme entgegen zu wirken, ist die Lichtquelle (den Blitz) möglichst weit weg zu positionieren. Denn ist das direkte Licht zum Beispiel so in dessen Stärke eingestellt, dass alles in zwei Metern korrekt ausgeleuchtet wird, so wird bereits bei drei Meter Entfernung ein Lichtabfall ersichtlich. Positioniert man aber das Blitzgerät gleich in sieben Metern Entfernung vom Anfang der Geburtstagstafel (und stimmt dieses in der Leistung entsprechend ab), so wird bei acht Metern fast noch die selbe Lichtstärke vorherrschen wie bei sieben Metern. Das selbe gilt für 9, 10 … Meter. In dieser Relation ist der Lichtabfall dann wesentlich geringer.
Denken Sie hierbei an die (tief stehende) Sonne: Diese Lichtquelle ist dermaßen weit von der Erde entfernt, dass es keinen Unterschied mehr für die Lichtstärke ergibt, befindet sich mein Modell nun in fünf Metern vor mir oder in fünfhundert Metern: Es wird immer in der gleichen Lichtstärke ausgeleuchtet werden.

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Ich persönlich entfessele meinen Blitz dann gerne bzw. steuere diesen mit einem Funkempfänger an.

Den Zoom beim Entfesselten Blitz nutzen

Tele-Zoom

Ein Teleaufsatz für zusätzliche Lichtbündelung.

Eine Sache erleichtert das Entfernen des Blitzes: Der Zoom des Blitzgerätes. Denn natürlich verliert der Blitz durch die nun größere Entfernung an Lichtleistung! Zoome ich aber den Kopf meines Yongnuo (den ich bevorzugt einsetze) auf die höchste Brennweite, so erhalte ich eine ganze Blende mehr Lichtgewinn! Und beim Entfernen des Blitzgerätes benötige ich alles an Leistung, denn ich muss die Blende der Kamera ja recht weit schließen, damit die Schärfentiefe auch genügend hoch sein wird, dass sowohl die Tante ganz vorne als auch die Urenkel ganz hinten an der Geburtstagstafel nicht nur gleich ausgeleuchtet- sondern auch gleich scharf abgebildet werden.

Mehrere Blitze synchron einsetzen

Servo Auslöser

Zwei Slave-Zellen / Servozellen.

*Starker, manueller Blitz: Der Yongnuo YN-560 Mark IV ist ein moderner Blitz höherer Leistung (Leitzahl 56 bei ISO 100 / Zoom 105 mm), frei (und sehr fein) regelbarem manuellen Modus im Bereich von 8 Blendenstufen, Zoom-Kopf und bereits integriertem Funkempfänger und -Sender sowie Slave-Zelle zum gewohnt günstigen Preis auf Amazon.

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Die dritte Lösung wäre natürlich, dass man sich nicht nur auf eine einzige Lichtquelle stützt, sondern gleich auf mehrere. Im einfachsten Fall synchronisiert man alle externe Blitzgeräte mit sogenannten Servozellen. Der eingebaute Miniblitz der Kamera zündet dann als „Master“ und alle anderen Blitze im Raum „gehen“ blitzschnell mit. Hierbei sollte man aber bestenfalls ebenfalls indirekt über die Decke oder auch über Wände blitzen, die Lichtquellen aber zumindest weiter entfernen, um einen raschen Lichtabfall möglichst auch hier zu verringern.

Eine elegante Möglichkeit wäre hierbei der Einsatz mehrerer Yongnuo YN560er Blitze (Version III oder IV), denn diese haben bereits jeweils einen Funkempfänger eingebaut. Man kann diese Blitzgerät also dezent im Raum platzieren und sie absolut synchron auslösen. Besitzt man die „Commander-Einheit“ YN560TX, lassen sich diese Blitzgeräte sogar unabhängig von der Kamera aus per Funk in deren Leistung steuern bzw. anpassen. Denken Sie z. B. an eine Hochzeitsgesellschaft in einem großen Saal: Hier kann man mehrere dieser Blitzgeräte „verstecken“ und bequem aus der Hand Fotos vom ganzen Raum oder auch nur von bestimmten Bereichen machen. Man kann das Lichtset hierbei noch etwas tunen, indem man bei einigen der Blitze Farbfolien nutzt oder zwischen direktem und indirektem „gebounctem“ Licht variiert.

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Artikeldatum: 16.01.2015 / letzte Änderung: 25.01.2015

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eine Anmerkung bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.