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Zangenblitz: einen Ringblitz mit zwei simplen Aufsteckblitzen simulieren

Ich hätte gerne einen kräftigen Ringblitz. Dummerweise kostet so etwas natürlich entsprechend Geld. Doch mit bereits zwei Aufsteckblitzen an der Kamera lässt sich zumindest schnell eine Alternative zum Ringblitz bauen. Man nennt diese Anordnung „Zangenblitz“.

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Zunächst möchte ich in diesem Artikel kurz darauf eingehen, wozu man einen Ringblitz überhaupt benötigt.

Wozu ein Ringblitz?

Dies hat viel mit Schatten zu tun: Ein einziger Aufsteckblitz auf / neben der Kamera erzeugt oftmals einen harten Kernschatten. Solche Kernschatten kennt man als unschöne schwarze Linie um z. B. angeblitzte Personen herum, wenn diese gleich vor einer Wand stehen. Aber sie finden sich auch im Gesicht oder in der Kleidung. Diese Kernschatten bzw. Schatten mit harter Linie sind oftmals sehr ungünstige / unerwünschte Begleiterscheinungen und lassen sich zunächst nur durch eines vermeiden: man muss die Fläche des Lichtes erhöhen. Sprich: man benötigt eine Softbox oder einen Schirm oder muss indirekt blitzen bzw. bouncen. Solche Kernschatten sind für unser Auge oft unschön, denn es stolpert sozusagen über diese harten Kontraste im Bild. Das Foto wirkt „schroff“. Man erhält den berüchtigten „Blitz-Look„.

Zu grosserKernschatten rechts: Hier befand sich der Aufsteckblitz links an der Kamera und konnte einen gewissen Teil des sichtbaren Bildes nicht mehr ausleuchten, daher die Schatten.

Diese harten Schattenlinien entstehen ja dadurch, dass die Lichtquelle (der Blitz) stets neben dem Objektiv sitzt und somit immer einen gewissen Teil nicht ausleuchten kann, den aber das Objektiv sieht. Denn das Objektiv sieht das Motiv aus einer leicht versetzten Perspektive. Man kann diesen Effekt gut im Dunkeln mit einer Taschenlampe simulieren: Die geringsten Kernschatten bilden sich, wenn man die Taschenlampe möglichst dicht neben die eigenen Augen hält.

Der Ringblitz aber befindet sich ja um das gesamte Objektiv (Auge) herum. Aus diesem Grunde kann auch alles des vom Objektiv sichtbaren Bereiches ausgeleuchtet werden! Es bilden sich keine harschen Kernschatten sondern es bilden sich höchstens sogenannte Halbschatten. Eine tolle Sache! Leider nicht billig, wenn man Leistung benötigt. Der Fotograf Martin Schöller ist mit seinen Porträtfotografien bekannt geworden, bei denen er seine Modells direkt von vorne mit einem Ringblitz (?) ablichtete: Sämtliche Schatten werden dabei sehr reduziert und Martin Schöller hat mit dieser Methode einen durchaus speziellen wie bisher unkonventionellen Stil kreiert.
Ich habe etwas experimentiert und bin mit lediglich zwei „normalen“ Blitzgeräten dem „Look“ des Ringblitzes schon recht nahe gekommen. Herausgekommen ist eine Anordnung zweier Aufsteckblitze als Zangenblitz.

Ringblitz simulieren mit 2 normalen Blitzen

Zum Einsatz kamen mein Yongnuo Speedlight 560 III sowie mein Metz-Stabblitz. Es war wichtig, dass sich die Reflektoren der beiden Blitzgerät möglichst dicht wie bei einem Ringblitz am Objektiv befanden:

Ringblitz selber bauen

Bei diesem Aufbau half mir die Schiene des Metz-Blitzes enorm: So konnte ich die beiden Blitzgeräte sowie die Kamera vernünftig und sehr stabil zusammen bauen. Auf dem Bild ist meine analoge Messsucher-Kamera zu sehen. Meine Digitalkamera brauchte ich ja, um das Foto zu machen 😉

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Primär zündet der Blitz, welcher sich direkt auf dem Hot Shoe der kamera befindet (mein Yongnuo) als Master. Synchron wird dann gleich der Metz als „Slave“ ausgelöst, denn ich habe an ihm eine Servozelle angeschlossen. Ganz einfach. Beide Blitze sind wie eine Zange angeordnet. Das Objektiv befindet sich in deren Mitte.

Das Konzept bzw. der Gedanke hinter diesem Aufbau

Da sich die Reflektoren der Blitzgeräte auf ca. genau der selben Höhe befinden wie das Objektiv, kann schonmal kein Schlagschatten ober- bzw. unterhalb im Motiv entstehen. Es wird vertikal (oben / unten) genau das ausgeleuchtet, was das Objektiv sieht!
Anders verhält es sich auf horizontaler Ebene: Würde nur ein einziges Blitzgerät zünden, gäbe es den / die Schatten, die wir zu verhindern versuchen. Doch gleich gegenüber sitzt ja noch der zweite Teil der Zange, der zweite Systemblitz! Dieser hellt den Schlagschatten wieder auf und man erhält so den selben Nutzent wie bei einem Ringblitz! Ganz einfach.

Alternativ hierzu können sich die beiden Blitzgeräte auch oben sowie unterhalb des Objektives befinden. Wichtig ist eben nur, dass sie bei dieser Zangenblitztechnik jeweils ca. mittig sitzen.

Beispielbilder

Zunächst ein Foto mit nur einem Systemblitz an der Kamera:

Schlagschatten
Ganz deutlich ist hier besagter Schlagschatten, der Kernschatten, zu sehen. Wenn sich der Schatten im Bild rechts vom Motiv befindet, befand der Blitz links neben dem Objektiv.
Und nun habe ich das gleiche Motiv mit meiner Ringblitz-Alternative bzw. mit obiger Zangenblitz-Konstruktion mit zwei Blitzgeräten abgelichtet:

mit Ringblitz

Wie bei einem Ringblitz ist der harsche Kernschatten verschwunden und es haben sich Halbschatten gebildet. Die Oberfläche der Skulptur wirkt viel weicher. Schauen Sie sich auch die Schatten um die Brüste an und die (nun abgeschwächter erscheinende) Struktur des Gipses. So etwas ist sonst nur per Softbox machbar doch ist man dabei weit weniger portabel / flexibel! Dummerweise befindet sich nun der einheitlicher Schatten um die Skulptur herum. Aber immerhin ist jener viel heller, gleichmäßiger und besitzt eine weiche Kante. Dieser weiche Schatten ist auch bei echten Ringblitzen zu sehen. Man müsste mit dem Modell dann weiter von der Wand weggehen, um ihn zu vermeiden.

Was gibt es zu beachten?

ringblitz-aufsatzAuch mit einem solchen günstigen Ringblitz-Aufsatz lässt sich ein Aufsteckblitz umrüsten (erhältlich über Amazon), um Motive bei Nahaufnahmen schattenfrei auszuleuchten.

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Vergleich normaler Blitz / Zangenblitz

Zuletzt nochmal der direkte Vergleich in Gegenüberstellung, damit man das Ergebnis besser beurteilen kann. Links der Ausschnitt mit dem einzelnen Blitz und rechts die Version mit den beiden als Zange angeordneten Systemblitzen als Ringblitzalternative:

vergleich-blitz-ringblitz

Deutlich ist zu sehen, wie sich die Lichtcharakteristik geändert hat. Um die schroffe Gipsoberfläche der Skulptur zu betonen, wäre ein einziges Blitzlicht ideal (am besten noch entfesselt schräg von der Seite positioniert). Zündet man aber zwei direkt links / rechts neben dem Objektiv befindliche Blitzgeräte (oder 2 oben / unterhalb), erhält man ungefähr die Charakteristik eines Ringblitzes. Dieses Licht wirkt wesentlich schmeichelhafter für zum Beispiel Haut bzw. Portraits. Sofern man bei Makroaufnahmen nicht zu dicht an das Motiv herangehen muss (z. B. mittels Teleobjektiv), wäre dieses System auch für Makros geeignet. Dies habe ich aber noch nicht getestet (die Makrofotografie ist auch nicht mein Gebiet).

Artikeldatum: 19.09.2014 / letzte Änderung: 30.04.2016

Momentchen – Es gibt hier noch mehr interessante Artikel:

leider noch keine Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.





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