ein Blog rund um Blitzgeräte und Kunstlicht mit vielen Tipps und Anleitungen

Analoge Kamera plus Blitz – So mache ich es

Nach wie vor fotografiere ich noch mit analogen Kameras. Seit sich seit der letzten Jahrtausendwende die digitale Fotografie klar behauptet hat, hat parallel dazu auch der Gebrauch von Kunstlicht bzw. von Blitzgeräten klar zugenommen. Doch natürlich lassen sich auch mit analogen Kameras Blitzgeräte verwenden. Hier erkläre ich, wie ich’s mache.

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analoges Blitzen

Meine analoge Kamera: eine Pentacon Six vor einem Blitzschirm.

Eine digitale Kamera besitzt einen klaren Vorteil: Man sieht auf dem Display sofort, ob das Foto etwas geworden ist. Dies ist insbesondere bei der Verwendung von Blitzgeräten ein äußerst kostbarer Vorteil: Denn das extrem kurze Lichtsignal eines Blitzes lässt sich mit dem eigenen Auge nicht einschätzen (im Gegensatz zu „Dauerlicht“). Hierzu ist ein Hilfsmittel nötig, welches zum einen das Bild in einem Sekundenbruchteil aufzeichnet und welches dieses zum anderen schnell zur Kontrolle wieder anzeigen kann – Eine Digitalkamera kann so etwas freilich.
Zu analogen Zeiten behalfen sich Profis hierzu mit sogenannten „Polaroid Backs“. Damit sind Rückteile gemeint, welche an analoge Profikameras zunächst anstelle des Filmrückteils angeklinkt werden konnten. Kameras, welche so etwas unterstützten waren zunächst Großformatkameras sowie die Hasselblad-Würfel und die Mamiya-RB 67 Mittelformatkamera. Gewiss gibt es auch noch andere Fotoapparate, bei denen dies möglich ist. In den Studios wurden auch immer Blitzlampen mit einem sogenannten Einstelllicht verwendet: Mittels einem Dauerlicht konnten Schatten und das Gleichgewicht zwischen mehreren Leuchten gut beurteilt werden. Doch ich möchte nicht mit solch schweren Studiolampen arbeiten. Ich möchte mit den kleinen Kompaktblitzgeräten ein ebenso interessantes Licht erzeugen.

Schaut man sich jedoch beispielsweise die Beiträge in manchen „Analog Foren“ an, so ist festzustellen, dass hier der Einsatz von Blitzgeräten nahezu ein Nischendasein fristet. Warum dies so ist, liegt auf der Hand: Bei analogen Kameras fehlt einfach die Kontrolle über das Blitzlicht. Und: Man möchte freilich auch nicht teuren Film verschwenden, denn ein Kleinbildfilm birgt ja nur maximal 36 Aufnahmen (man bekommt aber auch noch einige Bilder mehr drauf, nur so am Rande).

Mein Blitz-Vorschau-Gerät

Ich hingegen benutze auch in der analogen Fotografie Blitzgeräte! Hierzu bediene ich mich eines kleinen digitalen Hilfsmittels. Doch schauen Sie dich doch zunächst einmal ein Beispielbild an:

*Ein solch einfaches Set aus Blitzschirm, Stativ und Blitzhalterung bekommt man mittlerweile bereits für den Preis eines Restaurantbesuches zum Beispiel bei Amazon.

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Blitz mit analoger Kamera

Bei diesem Portrait hatte ich die Möglichkeit, mit meiner analogen Kamera in einem Fotostudio zu arbeiten. Ich hatte also diese Schöne vier Meter hohe Hohlkehle mit dunklem Karton im Hintergrund zur Verfügung.

eine analoge Kamera

Meine „Voigtländer Avus“ mit meinem RF-602-Funkauslöser.

Das Bild hatte ich mit einer ca. 90 Jahren alten Laufbodenkamera fotografiert (siehe rechts). Als Film diente mir ein klassischer S/W-Film, den ich selbst entwickele (das ist im Übrigen recht einfach). Als Beleuchtung diente mir links eine Softbox als Führungslicht. Eine zweite, schwächere Softbox stand rechterhand zum Aufhellen. Der Hintergrund wurde mit hartem Streiflicht aus einem Blitz ohne Softbox angeblitzt. Und dann gibt es freilich noch eine vierte Leuchtquelle: Das Lämplein auf dem Tisch! Damit deren schwaches Licht nicht einfach weggeblitzt wurde, musste ich mit einer recht langen Verschlusszeit fotografieren. Lesen Sie hierzu evtl. auch meinen Beitrag: Die Rolle der Belichtungszeit beim Blitzen.
Ich sage Ihnen was: Wenn Sie mal einen echten, gut gemachten kartonstarken Barytabzug, einen Handabzug / ein Unikat wie mein Foto oben, in den Händen halten, werden Sie staunen, was analog so alles kann, ganz zu schweigen von der Auflösung. Denn diese ist im Mittelformat mindestens genau so hoch wie bei einer digitalen Vollformatkamera.  Allein: So ohne weiteres und aus der Hüfte lässt sich eine gute analoge Fotografie nicht anfertigen. Es ist ein Handwerk.

Ich möchte nun an dieser Stelle aber mal zum Kern kommen und nicht so sehr abschweifen: Wie gesagt, kann man das Blitzlicht schlecht einschätzen. Ich nutze daher zunächst eine kleine Digitalkamera, ein Blitzvorschau-Gerät:

Canon Powershot

Ich hatte länger nach einem brauchbaren „Vorschaugerät“ für das analoge Blitzen gesucht. Fündig bin ich dann mit der Canon Powershot G3 geworden. Die Digitalkamera ist über 10 Jahre alt und . Die Bildqualität ist zwar recht bescheiden (zumindest, wenn man höhere Auflösungen gewohnt ist). Die technische Ausstattung hingegen ist ideal!

*Kraftpakete: die beliebtesten Akkus "Eneloop" von Sanyo (Format Mignon / AA) kauft man am besten im 8er Pack zum sehr günstigen Preis bei Amazon.

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Denn die Powershot lässt sich komplett manuell bedienen (ISO, Blende, Verschlusszeit). Dabei geht dies sehr schnell, ohne dass man sich durch Menüs hangeln muss. Die Kompaktkamera besitzt ein Histogramm! Das bedeutet: Man benötigt nicht zwingend mehr einen externen (und teuren) Blitzbelichtungsmesser!* Da sich digitale Kompaktkameras nur sehr bedingt abblenden lassen (hier bis f/8), ist der zuschaltbare, interne Graufilter sehr sinnvoll. Er schluckt genau drei Blenden Licht. Das Zoomobjektiv deckt eine große Zahl an Brennweiten ab. Es lässt sich in der Bildansicht sehr schnell „scrollen“ bzw. gewisse Bereiche des Bildes durch Vergrößerung genau ansehen.
Ich suchte auch ganz bewusst nach einer digitalen Kompaktkamera, denn ich möchte nicht immer meine große DSLR (nebst Objektiv) mitschleppen, wenn ich mit der (noch größeren) analogen Kamera nebst dem ganzen anderen Zubehör mit meiner „Strobistenausstattung“ mobil sein möchte.

*Sollten Sie ebenfalls analog blitzen und sich für die Powershot als Kontrollinstrument entscheiden, dann achten Sie bitte darauf, dass die Kalibrierung der ISO-Einstellung etwas daneben liegt: 50 ISO entsprechen 100, 200 entsprechend 400 usw. Wenn ich also einen 100 ISO Film in der analogen Kamera geladen habe, muss ich die Powershot auf 50 ISO stellen, um ein korrektes Messergebnis im Histogramm angezeigt zu bekommen. Nur als Hinweis am Rande.

Ich nutze die Powershot zunächst immer als Kontrollinstrument über meinen Lichtaufbau und auch als Ersatz für einen Blitzbelichtungsmesser. Stimmt alles, stöpsele ich den Funkauslöser an die richtige Kamera 🙂 an und ich weiß, dass ich nun auch mit der analogen Kamera volle Kontrolle über mein Blitzlicht habe.

Blitzadapter

Viele Mittelformatkameras und nahezu alle Großformatkameras besitzen keinen Blitzschuh, also den Zubehörschuh mit integriertem („heißen“) Kontakt zur Ansteuerung eines Blitzgerätes oder eines Funkauslösers. Solche Kameras besitzen dann zumeist eine PC-Sync-Buchse:

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Blitzadapter an Kamera

Auf diesem Bild ist meine analoge Pentacon Six Mittelformatkamera zu sehen. Ferner sehen Sie einen Blitzadapter: Ein Kabel mit PC-Sync-Stecker („Nippel“) steckt in der entsprechenden Buchse der Kamera. Am anderen Ende des Kabels befindet sich ein Blitzschuh mit Mittenkontakt.

eine analoge Kamera

Lesen Sie auch in diesem Artikel, wie Sie mit Hilfe einer Digitalkamera die Blitzsynchronzeiten der analogen Kamera testen können.

Auf diesen Schuh schiebe ich dann den Sender meines Yongnuo RF602-Funkauslöser-Sets (links im Bild). Denn leider besitzt dieser Funksender selbst keine PC-Sync-Buchse und kann daher nur über den Hotshoe bzw. mittels einem Blitzschuh (wie er ansonsten auf jeder Kamera sitzt) angesteuert werden. Durch den Adapter umgehe ich das Problem. Falls Sie sich wundern: Ich pflege solche dünnen Kabel immer mit starkem Klebeband zu umkleben, als Knickschutz. Ich habe auch sehr günstige Funkauslöser: Die Sender dieser Auslöser besitzen paradoxerweise eine Buchse. Sie lassen sich mit einem Kabel PC-Sync auf Klinke ganz einfach an die analoge Kamera anstöpseln.

Die meisten analogen Kleinbildkameras besitzen natürlich alle den Blitzschuh obenauf. Hier bedarf es keinen Adapter:

*Heute schon geblitzt? Dieses Buch richtet sich speziell an Canon EOS Anwänder. Es wird ganz speziell auf das canon-eigene E-TTL eingegangen anhand von vielen Praxistipps nebst Einstellungen des Blitzgerätes und der Kamera. Auf Amazon kann man einen Blick in das Buch werfen.

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SCA 300 Blitzadapter

Meine analoge Nikon FE2 mit meinem kräftigen Metz Stabblitz. Der Blitz wird hier ganz normal über den Blitzschuh angesteuert – mit dem SCA-300-Adapter ist hier sogar eine TTL-Blitzautomatik möglich. Ein Blitzfunkauslöser ließe sich auch, wie vorgesehen, direkt an der Kamera in den Blitzschuh schieben.

Noch eine Fotografie mit analoger Kamera + Blitz

Blitz und analoge Fotografie

Auch hier nutzte ich zunächst die kleine Canon Digi-Knipse, um mir ein Bild von der Auswirkung des Blitzlichtes zu machen. Jenes kommt übrigens von links und ich schickte es durch einen großen Diffusor, um es weicher zu machen. Hernach stöpselte ich den Funkauslöser an meine Pentacon Six Mittelformatkamera, löste aus und das Foto war im Kasten.

*Der günstige Slave-Blitz YN460 ist leider nicht mehr erhältlich. Stattdessen sei der Nachfolger Yongnuo YN560 IV empfohlen (preiswert auf Amazon), der ebenfalls entfesselt als Tochterblitz eingesetzt werden kann und völlig manuell bedienbar ist.

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Wenn Sie etwas mehr zu dieser Aufnahme erfahren möchten, lesen Sie meinen Beitrag: Junger Mann in eigener Videothek in der Bildvorstellung.

Manuelles Blitzen

Natürlich kann man auch ganz ohne zusätzliche technische Hilfsmittel mit dem Blitz ein korrekt belichtetes Bild erhalten. Hierzu muss man zunächst die sogenannte Leitzahl des Blitzgerätes wissen. Danach kann man sich die an der (analogen / digitalen) Kamera richtig einzustellende Blende leicht ausrechnen. Hierzu gibt es einige praktische Formeln zum manuellen Blitzen.

Allein: Diese Technik des manuellen Blitzen funktioniert nur beim direkten Blitzen (der Blitzreflektor zeigt genau zum Motiv). Beim indirekten Blitzen über Wände kann man das Licht nicht mehr präzise berechnen. Meine Erfahrung: In einem mittelgroßen Raum mit weißen Wänden muss man ca. 2-3 Blenden von der Rechnung für das direkte Blitzen abziehen.

Blitzt man (so wie ich) durch einen Diffusor hindurch, muss man einfach ca. 2 Blenden abziehen. Damit kann man dann schon recht gut die nötige Lichtmenge bzw. die nötigen Einstellungen ausrechnen.

Mit einem Blitzbelichtungsmesser oder mit dem Vorschaugerät wird die Sache natürlich deutlich präziser und einfacher.

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Der Gebrauch von Blitzgeräten hat sehr zugenommen

Anleitung kreatives Blitzen

Eine alte Anleitung zum kreativen Blitzen. Heute gibt es eine Vielzahl an Themen zu diesem Gebiet, unter anderem natürlich mein BlitzBlog.

Ich möchte abschließend noch einmal auf das anfangs schon angeschnittene Thema zurückkommen. Blättere ich im Foto-Brenner-Katalog, so fällt mir gleich das große Kapitel rund um das Thema Blitzlicht auf. Ach, was es da mittlerweile alles zu kaufen gibt! Die Fotoindustrie ist längst auf den Zug aufgesprungen und produziert hier fleißig sehr nützliches wie auch eher unnützes Zubehör. Zu nennen sei hier z. B. Yongnuo. Von dieser Firma besitze ich mehrere Blitzgeräte und Funkauslöser. Allesamt werden diese feinen Geräte zu einem sehr günstigen Preis angeboten. Ich denke, vor einigen Jahren war dies noch längst nicht so populär wie heute.
Vielleicht haben Sie schon einmal etwas vom sogenannten Strobisten gehört.

*Ein solch einfaches Set aus Blitzschirm, Stativ und Blitzhalterung bekommt man mittlerweile bereits für den Preis eines Restaurantbesuches zum Beispiel bei Amazon.

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Gemeint ist der amerikanische Fotograf David Hobby (englische Seite). Jener gilt sozusagen als Koryphäe im Bereich Blitzfotografie und der Begriff „Strobist“ hat sich als Synonym für den Umgang mit einfachsten Aufsteckblitzen eingebürgert, wenn es darum geht, diese gleichfalls so sinn- und effektvoll einzusetzen, wie man es auch mit den großen Studioblitzanlagen tut.

Bücher zum Thema Blitzen

Schauen Sie auch mal in meine Buchvorstellung. Viele der dort vorgestellten Bücher zum Thema Blitzen stammen noch aus „analogen“ Zeiten.

Natürlich hat dieser neue Umgang mit dem Blitzgerät etwas mit der schnellen Verfügbarkeit des Bildes auf dem Kameradisplay zu tun bzw. mit der so erst möglichen Kontrolle und der damit verbundenen Experimentierfreudigkeit. Bereits vor über 20 Jahren war das Blitzen über TTL keine Randerscheinung in der analogen Fotografie. Davor besaßen viele Blitzgeräte eine sogenannte Computerautomatik. Doch bei beiden Systemen geht es immer nur darum, eine einzige Lichtquelle treffsicher in der Intensität abzustimmen. Beim entfesselten Blitzen oder gar beim Gebrauch mehrerer Blitzgeräte zusammen, scheitern beide Systeme oftmals. Hier muss manuell geblitzt werden. Dass man aber auch mit den guten alten analogen Kameras das Blitzlicht effektvoll einsetzen- bzw. (mit dem Hilfsmittel „Vorschaugerät“) beherrschen kann, habe ich ja nun (hoffentlich) demonstrieren können.

Kennen Sie / kennst Du noch andere ältere und günstige Digital-Kompaktkameras, die sich völlig manuell bedienen lassen und die man mittels einem Histogramm gut als „Vorschaugerät“ für das Lichtsetting nutzen kann?

Artikeldatum: 22.02.2015 / letzte Änderung: 9.05.2017

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9 Anmerkungen bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.