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Aufhellblitz: mit einem zweiten Blitzlicht Schatten aufhellen

Heute möchte ich demonstrieren, wie man ein zweites Blitzgerät zum Aufhellen verwenden kann. Das entfesselte Hauptlicht sorgt bei meinem Bildbeispiel für Konturen und für einen dreidimensionalen Bildeindruck. Einen zweiten Blitz nutze ich gleichzeitig zum Aufhellen bzw. zum Mindern zu hoher Kontraste resp. Aufhellen von Schatten.

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aufhellen mit einem zweiten Blitzgerät

Diese Blitztechnik in der Praxis am Beispiel eines Porträts. Der Aufhellblitz kam hier aus Richtung Kamera. Weiter unten lesen Sie mehr darüber.

Eine einfache Technik ist, ein zweites Blitzgerät zum Aufhellen zu verwenden. Der primäre Blitz dient hierbei dazu, eine Oberfläche ziemlich gut zu betonen: Er wird entfesselt seitlich vom Motiv positioniert. Durch diesen entfesselten Blitz ist es erst möglich, vernünftig Schattenverläufe zu generieren bzw. einen dreidimensionalen Bildeindruck zu erschaffen. Oftmals erhält man durch eine solche „steile“ Anordnung des Blitzgerätes allerdings einen zu hohen Motivkontrast. Denn im Gegensatz zum direkten Blitz, welcher aus der Kamerarichtung direkt auf das Motiv gerichtet ist, kann ein entfesselter Blitz nicht alle Motivbereiche (annähernd gleich) ausleuchten. Es muss also aufgehellt werden.
Zum Aufhellen kann man sich einfach mit einer Styroporplatte behelfen oder man nutzt gleich einen 5-in-1-Aufheller. In Innenräumen geht dies aber viel einfacher und schneller mit einem zweiten Blitz. Hier ist – im Gegensatz zu einem Aufheller – auch keine Assistenzperson zum Halten nötig. Schauen Sie sich zunächst einmal diese beiden Bilder an:

Beispiel nicht aufgehelltes Motiv

direkter und entfesselter Blitz Vergleich

Dies ist ein Vergleich: Links wurde direkt geblitzt (also mit dem Blitz direkt aus Richtung Kamera). Rechterhand das selbe Motiv. Nur hier wurde das Blitzgerät einfach entfesselt bzw. aus einer seitlichen Position eingesetzt.

*"Das Blitz-Kochbuch" ist ein moderner und reich bebilderter Leitfaden für den Fotografen, welcher sich kreativ mit Blitzlicht auseinander setzen möchte - und dies mit einfachen und kompakten Aufsteckblitzen. Auf Amazon kann man einen Blick ins Buch werfen.

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Der Unterschied ist frappant: Deutlich ist eine Lichtführung ersichtlich (von rechts). Viel besser kommen nun die Konturen der Haut (die sogenannten “Papillarleisten”) zum Vorschein. Die nun entstandenen Schattierungen sorgen dort für den nötigen Eindruck von Dreidimensionalität, wo ein direkter Blitz nur alles totblitzt bzw. plattblitzt.
Allein: Für meinen Geschmack ist nun beim rechten Bild etwas zu viel vom Motiv „abgesoffen“. Klar, der entfesselte Blitz sieht ja nun nicht mehr alle Bereiche meines Beispielmotives, der Hand (die Kamera allerdings schon). Wird nicht aufgehellt, werden gewisse Motivelemente gänzlich schwarz abgebildet. Dem kann man aber entgegenwirken: Man nimmt einfach einen zweiten Blitz zum Aufhellen:

Beispiel mit Aufhellblitz

Nun habe ich das Bild noch ein weiteres Mal mit dem seitlich entfesselten Blitz fotografiert. Zusätzlich aber positionierte ich einen zweiten Blitz auf dem Boden. Dieser sollte mein Aufhellblitz sein. Ich richtete dessen Kopf gegen die (weiße) Zimmerdecke und stellte dessen Leistung manuell so ein, dass sie um etwa 1/4 reduziert wurde. Diesen zweiten Blitz habe ich einfach mit einer simplen Lichtzelle ausgelöst bzw. entfesselt. Das Licht dieses Aufhellblitzes muss unbedingt schwächer sein als jenes des Führungslichtes. Doch allein durch das „Bouncen“ über die Zimmerdecke verliert dieser Blitz bereits mindestens 2 Blenden Licht gegenüber eine direkte Ausrichtung.

Aufhellblitz

Das ist doch schon ein Unterschied! Nun gibt es innerhalb meines Motivs keine abgesoffenen Bildbereiche mehr: alles ist durch das Aufhellen durchgezeichnet. Die Vorteile des entfesselten Blitzes bleiben dennoch erhalten.

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Natürlich muss man nicht unbedingt aufhellen! Ohne Aufhellung hat das Motiv einen ganz eigenen Charme. Es ist Geschmackssache und vom Motiv abhängig. Ich wollte der Theorie wegen aber noch einen Schritt weiter gehen und noch ein Stückchen mehr aufhellen:

Das Licht des Aufhellblitzes variieren

Aufhellen mit dem Blitzgerät

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Hier erhöhte ich manuell die Lichtleistung meines Aufhellblitzes um eine Blende (auf 1/2 Leistung). Man sieht nun deutlich, das der Kontrast dadurch noch mehr reduziert wurde. Immer noch ist jedoch die klare Lichtrichtung des primären Blitzes sichtbar.

Zur Erinnerung: Der Aufhellblitz liegt hierbei auf dem Fußboden und ist einfach gegen die Zimmerdecke gerichtet. Hierdurch streut sich dessen Licht im ganzen Raum. Natürlich kann man ihn auch auf einem Stativ befestigen oder gar auf der Kamera selbst als Masterblitz auslösen, sofern sich der Blitzreflektor gegen eine Decke / Wand drehen lässt. Dieses Licht ist ein sehr weiches Licht und hervorragend in der Lage, dezent jegliche Schatten aufzuhellen, ohne den Charakter der primären Lichtquelle zu zerstören – sofern es manuell immer schwächer eingestellt ist als das Führungslicht. Man könnte den Aufhellblitz auch direkt auf das Motiv richten und zwar gegenüber dem primären Blitzgerät. Jedoch läuft man hierbei Gefahr, seltsame Doppelschatten zu erhalten. Viel bequemer ist das Aufhellen mittels einer zweiten Leuchte, welche indirekt über eine weiße Decke oder Wand blitzt. Sollte diese Reflektionsfläche übrigens nicht weiß sein, muss man sich mit Farbfiltern zur Korrektur vor dem Blitz behelfen.

Die vier Beispielbilder im Vergleich

Hier nun alle vier Fotografien nochmal im Vergleich nebeneinander:

Vergleich der unterschiedlichen Lichtverhältnisse

Man kann hier gut den jeweiligen Aufhell-Effekt bei den unterschiedlichen Lichtverhältnissen sehen. Ferner ist deutlich inwiefern sich das Motiv nur durch die Art des Lichtes modellieren lässt: Ganz links erscheint die Hand ganz „platt“, wohingegen sie bei einem seitlich positionierten Licht wesentlich schmaler erscheint. Diese Feststellung ist im Übrigen auch bei dickeren Menschen nicht unwichtig, wenn man jene eben nicht so fotografieren-, sondern etwas dezenter ablichten möchte.

Den Aufhellblitz direkt aus Richtung Kamera nutzen

Bisher wurden bei den Beispielen mit der Hand die Schatten indirekt über eine Decke aufgehellt. Welche Wirkung dies haben kann, ist hoffentlich gut ersichtlich.

Nun soll es doch einmal in die Praxis gehen:

aufhellen mit einem zweiten Blitzgerät

Bei diesem Porträt ist klar, wo das Hauptlicht herkommt: Von links durch das Fenster. Es ist bereits weich, da ich hier ein Bettlaken vor das Fenster spannte,um dahinter zwei Blitzgeräte auf einem Stativ zu montieren bzw. extern per Funk auszulösen. Der Trick mit dem Bettlaken bescherte mir eine riesen Softbox. Doch darum soll es in diesem Beitrag nicht gehen.

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Achten Sie einmal auf das Schränkchen links unter der Werkbank. Bei dem obigen Bild ist dieses sehr hell abgebildet. Bei dem unteren Foto ziemlich dunkel. Denn bei der oberen Abbildung wurde zusätzlich noch ein Aufhellblitz gezündet – und zwar aus Richtung Kamera:

*Zwei gleiche Blitz-Funkgeräte reichen: Entweder sind sie Sender oder Empfänger. Für das aktuelle Yongnuo Funkauslöser-System "RF 603" (non TTL) kann man den Empfänger auch einzeln kaufen und somit grenzenlos aufrüsten. Ferner lässt sich damit auch ein weiteres Blitzgerät huckepack auf der Kamera aufnehmen. Das Yongnuo RF603 System ist ideal zum entfesseln von Blitzgeräten (günstig über Amazon).

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ein Aufhellblitz wird ausgelöst

Der kleine Yongnuo-Aufhellblitz besitzt zwar eine interne „Slave-Zelle“, damit er gleichzeitig mit dem Hauptblitz auslöst. Ich ging auf Nummer sicher und steckte unten den gleichen Funkempfänger an wie beim Hauptblitz draußen.

Was passiert hier? Das recht schwache Licht des auf dem Boden liegenden Aufsteckblitzgerätes wird zunächst einmal nach hinten gegen eine weiße Wand gelenkt. Blitz + Wand = weiches Licht! Man hätte diesen Aufhellblitz nun auch direkt einsetzen können. Dann wäre sein Licht freilich viel härter. Je geringer man es dann in seiner Leistung einstellt, desto mehr ist diese Härte zu vernachlässigen bzw. desto weniger fällt sie im Bild auf. Denn schließlich soll immerhin noch das Hauptlicht dominieren!

Sie sehen bei den beiden obigen Beispielen deutliche Unterschiede und sie sehen, welche Wirkung so ein kleiner Blitz aus Richtung Kamera doch haben kann. Denn: Wie soll das kleine Tischlein unter der Werkbank an sein Licht kommen? Jenes des Fensters trifft es doch gar nicht direkt. Nur durch Reflexionen kann es zunächst beleuchtet werden. Die Werkstatt im Bildbeispiel hat aber nicht genügend weiße freistehende Wände, um entsprechend viel Licht unter die Werkbank zu reflektieren. Der Aufhellblitz ist hier dann das Mittel der Wahl, um diese Bereiche dennoch auszuleuchten. Zur Not hätte man noch einen Klappreflektor mit silberner Oberfläche nutzen können. Doch mit einem regelbaren manuellen Blitz ist man hier einfach flexibler.

Apropos regelbar: Man muss aufpassen, dass man sein Motiv mit einem aus Richtung Kamera kommenden Licht nicht totblitzt. Das Aufhelllicht war bei dem Bildbeispiel schon sehr stark. Im Nachhinein ärgere ich mich etwas, dass ich es nicht doch um ca. eine Blende schwächer einstellte (was „eine Blende schwächer“ bedeutet, können Sie in diesem Beitrag nachlesen).
Ganz am Anfang des Artikels hatte ich ja die Hand gezeigt, die kaum Schattierung zeigte. Sie wirkte platt. Wenn man sich zu viele Schatten wegblitzt, dann wirkt das Motiv schnell ebenso platt und unnatürlich. Im Bild sieht man dies insbesondere an der rechten Gesichtshälfte. Ohne Aufhellblitz ist diese viel besser modelliert dargestellt.

Bildbearbeitung Schatten aufhellen

Mit etwas Bildbearbeitung konnte ich im Nachhinein die zu hellen Schatten doch noch etwas dunkler bekommen.

Andererseits: Fotografien für Industrie-Werbung oder Kataloge wirken deutlich sauberer, heller und freundlicher, wenn keine dominanten Schatten vorhanden sind. Der Grad jener Tiefe ist – wie so oft – subjektiv und je nach Zweck zu bewerten. Ein Charakterporträt in S/W z. B. hätte vielleicht gar keinen Aufhellblitz benötigt.

Artikeldatum: 21.03.2015 / letzte Änderung: 25.01.2017

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2 Anmerkungen bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.