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Indirekter Blitz: viel besseres Licht durch „Bouncen“

Heute möchte ich ein ganz einfaches Experiment machen: Worin besteht der visuelle Unterschied zwischen dem direkten Blitzen in einem geschlossenen Raum und dem indirekten Blitzen über die Zimmerdecke?

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Grafik mit indirektem BlitzDas Prinzip des indirekten Blitzes als Grafik.

Das Bouncen – Ich meine hiermit natürlich das Indirekte Blitzen – ist eines der wichtigsten Disziplinen, die der Blitz-Fotograf beherrschen sollte: Das indirekte Blitzen verwandelt das winzige harte Licht des Blitzgerätes in eine voluminöse Lichtfläche, was wesentlich weicheres Licht bedeutet und somit natürlich zumeist eine angenehmere Ausleuchtung. In einem Zimmer mit nur weißen Wänden erhält man so ungefähr den Lichtcharakter einer voluminösen Lichtwanne – mit nur einem simplen Aufsteckblitz auf der Kamera.

selbst gebauter Reflektor für internen BlitzMan kann sogar auch mit dem internen Blitz der Kamera indirekt blitzen! Ich habe mir hierfür einen Reflektor selber gebaut.

Sofern man das Blitzgerät auf der Kamera selbst führt, ist hierzu allerdings ein verstellbarer Blitzkopf unbedingt erforderlich. Dieser Blitzkopf wird oftmals „Reflektor“ genannt. Ich finde aber, dass diese Bezeichnung falsch ist, denn hier wird nichts reflektiert. Zu echten Reflektoren gibt es demnächst noch einen eigenen Artikel (hier ist er nun: mein 5-in-1-Reflektor). Dieser Blitzkopf also sollte sich zumindest vertikal verstellen lassen, so dass man die Zimmerdecke anblitzen kann. Idealerweise lässt sich der Blitzkopf auch noch drehen bzw. horizontal verstellen, so dass man eine Zimmerwand oder dergleichen als Reflektor (als Licht-Auftrittsfläche bzw. -Reflektionsfläche) benutzen kann.
Nutzt man den Blitz über einen Funkauslöser entfesselt von der Kamera, kann man natürlich das gesamte Blitzgerät ganz nach Gusto drehen und neigen. Hier kann der Kopf selbst auch starr sein. Am einfachsten und bequemsten funktioniert das indirekte Blitzen aber bereits mit dem sich direkt auf der Kamera im „Hot Shoe“ befindlichen Aufsteckblitz.

Wichtige Theorie

verstellbarer Blitzkopf zum Bouncen
Benutzt man das Blitzgerät direkt auf der Kamera ist ein verstellbaren Kopf für das sogenannte „Bouncen“ nicht verzichtbar.

Je größer die Fläche einer Leuchte ist,
desto weicher wird ihr Licht.

Ein Blitzgerät hat aber nur eine äußerst kleine Leuchtfläche. Sie beträgt ca. 8 x 5 cm. Dies ist viel zu gering, um beispielsweise ein Halbportrait ohne äußerst harte Schatten und ohne hunderte von hohen Mikrokontrasten ausleuchten zu können. Die Leuchtfläche muss also erhöht werden, möchte man weicheres Licht. Daran kommen wir nicht vorbei – auch nicht mit seltsamen Erfindungen der Foto-Industrie wie „Weichmacher“ zum Aufstecken. Als Alternative zum Bouncen / indirekten Blitzen wäre höchstens der Ringblitz zu nennen.

mein Lictset für ProduktfotosMit dem indirekten Blitz gegen eine weiße Fläche lässt sich ganz einfach eine Softbox ersetzen.

Ansonsten muss man Diffuror-Schirme bzw. Softboxen nutzen. In der Praxis (in Räumen) wird man aber bereits mit der simpelsten Lösung sehr gute Ergebnisse erzielen: Man richtet den nackten Blitzkopf einfach gegen die nächste hellste Wand oder Fläche und verwandelt diese durch die Reflexion in eine Leuchte mit hoher Flächenmaße: Das Licht des Blitzgerätes wird beispielsweise zunächst zur Zimmerdecke, zu einer Schranktür, zu einem weißen Vorhang oder ähnlichem geschickt und trifft großflächig auf. Sofort wird diese große Fläche hell (und möglichst weiß) widerscheinen und dies bedeutet für das porträtierte Motiv nichts weiter als handele es sich um eine große Lichtwanne: Das Licht ist weich. Klicken Sie hierzu auch gerne einmal meinen Artikel zur wirklich einfachen Produktfotografie an! Gerade bei Produktfotos benötigt man zumeist große Lichtflächen.

Set für ein Portrait mit indirektem Licht
Ein indirekt geblitztes Motiv. Das Blitzlicht und die portraitierte Person befanden sich sehr nah an der Reflexions-Wand, daher blieb eine gerichtete Lichtcharakteristik – trotz weißer Räumlichkeit – erhalten.
(Siehe auch: Ein Spitzen-Portrait mit nur einem Blitz)

Je näher sich das Blitzgerät an dieser Reflektor-Wand befindet, desto kleiner und lichtintensiver wird die tatsächliche Leuchtfläche. Das bedeutet wiederum bei höheren Abständen von Blitz und Wand, dass in den meisten Fällen durch die Reflexion und die dann relativ große Leuchtfläche keine Lichtrichtung mehr am Foto feststellbar ist. Das Licht kommt aus allen Richtungen. Es hüpft wie ein Flummi durch den Raum – daher der Begriff „Bouncen“ (vom Englischen bounce: hüpfen). So eine Fotografie, bei welcher das Licht aus allen Richtungen in gleicher Intensität kommt, kann allerdings wiederum auch etwas fade bzw. „charakterlos“ sein. Abhilfe könnte hier eine schwarze, lichtabsorbierende Fläche sein, neben die man die Person platziert oder die man direkt neben die Person stellt (Abschatten / „Abnegern“). Befindet sich die Reflexionsfläche mehr als ca. zwei Meter vom Blitzgerät entfernt, so kann man auch mit dem „Zoom-Reflektor“ (falls vorhanden) den Lichtkegel etwas einengen, damit der Querschnitt der Reflexionsfläche nicht schon wieder zu groß wird. Eventuell lässt sich mit diesen Mitteln auch in engen Räumen eine gewisse Lichtführung erreichen. Etwas mehr zu „Zoom-Köpfen“ folgt weiter unten in diesem Artikel.

Lichtfarbe

Es ist darauf zu achten, dass die Fläche, die wir in Räumen vorfinden und die wir ja nun als Reflektorfläche für unser zunächst noch hartes Blitzlicht benutzen wollen, eine Eigenfarbe besitzt, welche dann auch vom Blitzlicht angenommen wird!

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Mit anderen Worten: Blitzen wir gegen eine mintgrüne Schranktür, so wird sich unser Licht eben grün verfärben und die abgebildete Person hätte grüne Haut. Dies liegt daran, dass die farbige Reflektionsfläche viele Einzelfarben unseres Blitzlichtes (welches sich ja zunächst aus allen Farben additiv zu weiß zusammensetzt) absorbiert bzw. schluckt und primär nur die Lichtfarbe reflektiert, die der Eigenfarbe entspricht. Darum ist das an einer richtig schön weißen Wand reflektierte Licht auch heller, weil es viel mehr Bestandteile unseres Blitzlichtes reflektiert und sehr wenig absorbiert.

one-flash-buchNur ein einziger Blitz - dies ist die Prämisse bei diesem Buch. Der Autor vermittelt Techniken, mittels derer man mit möglichst minimalistischem Setting dennoch zu aussagekräftigen Fotografien gelangt, eben nur mit einem einzigen Blitzgerät. Bei Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Man sollte also bei bereits leicht gefärbten Wänden einen manuellen Weißabgleich an der Kamera vornehmen! Tut man dies nicht, hat man später Scherereien mit der Bildbearbeitung. Sie müssen hier auch tatsächlich den manuellen Weißabgleich vornehmen und kein Weißabgleichs-Programm nutzen. Denn das Programm „Mintgrüne Schranktür“ gibt es an Ihrer Kamera garantiert nicht. Das Weißabglich-Programm „Blitz“ gilt nur für weißes Blitzlicht – also für direktes Licht oder aber für Blitzlicht, welches an einer absolut weißen (oder auch grauen) Wand reflektiert wird. Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch meinen Artikel „Filterfolien für Blitzgeräte„. Mit jenen Folien kann man zum einen natürlich Effekte erzeugen. Sie lassen sich aber auch eben dazu nutzen, ungewollt mitgebouncte Farben raffiniert wieder auszugleichen.

Direktes Blitzen und zum Vergleich indirektes Blitzen

Hier können Sie zwei Beispielbilder betrachten, die sehr gut den Unterschied zwischen dem direkten Blitzen und dem indirekten Blitzen darstellen. Das Motiv wurde zunächst direkt mit dem Aufsteckblitz angeblitzt. Als nächstes wurde der Blitzkopf des Blitzes auf der Kamera nach oben zur Zimmerdecke geschwenkt. Als Ergebnis erhalten wir ein völlig anders ausgeleuchtetes Bild. Das Licht ist wesentlich weicher. Der Aufwand jedoch minimal! Das Motiv auf dem Bild rechts wird viel angenehmer abgebildet.

Vergleich direkter und indirekter Blitz

Dies erste ist ein typisches Foto, wie man es vielerorts sieht: Zwar wurde es durch den auf die Kamera aufgesteckten Blitz korrekt ausgeleuchtet. Das harte Licht aus genau der selben Richtung, in welcher auch der Betrachter bzw. die Kamera „blickt“, bedeutet in den meisten Fällen aber lediglich eine Notlösung.
Zunächst fällt natürlich der harte, dunkle Schlagschatten z. B. links neben dem Stuhl oder der Lampe auf. Dann kann man auch die unschönen „kalten“ Reflexionen des Blitzgerätes auf dem Holz sehen, welche nicht sichtbar wären, käme das Licht nur aus einem anderen Winkel. Bei Personen spiegelt sich das Blitzlicht übrigens immer auf der Stirn, unschön! Durch das direkte Licht aus Richtung Kamera wirkt das Bild eher platt und bei Porträts einfach wenig schmeichelnd – obgleich man so eine Lichtcharakteristik auch durchaus wieder zum Stilmittel erheben kann (wie man es derzeit oft in der Modefotografie nutzt). In der Regel aber wird man auf direktes Blitzen als alleinige Lichtquelle verzichten wollen und direktes Blitzlicht nur als Aufhelllicht oder als Kontrastlicht in Kombination mit dem Umgebungslicht verwenden. Auch als Ringblitz(alternative) lässt sich direktes Blitzlicht noch einsetzen.

Eine wesentlich angenehmere Ausleuchtung ist bei dem zweiten Bildbeispiel festzustellen. Das Licht kam hierbei nicht direkt von vorne sondern wurde indirekt über die Zimmerdecke gelenkt.

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Nur dadurch, dass wir unser Blitzlicht indirekt über die weiße Zimmerdecke gestreut haben, hat sich eine komplett andere Lichtcharakteristik ergeben! An den (weichen) Schatten ist gut zu erkennen, dass das Licht nun von Oben kommt, denn diese verlaufen nach unten hin.

LichtartenAuch das natürliche Licht der Sonne besitzt diverse Spielarten. Rechts unten im Bild wäre jene, die adäquat zum indirekten Blitz über die Decke zu nennen ist.

Die gesamte Lichtstimmung hat einen weichen Charakter angenommen, wie wir ihn vom Umgebungslicht gewohnt sind. Denn das natürliche Licht kommt ja auch meist von oben. Unnatürliche Schatten sind kaum noch zu erkennen. Betrachten Sie einmal die Bilderrahmen: Auf dem zweiten Foto lässt sich plötzlich eine gewisse Rundung im Holz ausmachen. Jene Form wurde auf dem ersten Bild mit direktem Licht einfach „weggeblitzt“. Mit einem indirekten Blitz aus einer bestimmten Richtung kann also auch der Eindruck von Dreidimensionalität gefördert werden!

Das indirekte Blitzen kostet natürlich Energie: Das Blitzgerät muss bei einem mittleren Raum mit mittelhoher Decke und weißen Wänden (wie beim Beispiel) ca. ganze 2 Blenden mehr Lichtleistung abgeben als auf dem direkten Weg.

Augen- und Kinnschatten aufhellen

Eine weitere Sache sei ebenfalls erwähnt: Blitzt man eine Person indirekt über eine Decke an, kann es vorkommen, dass unschöne Schatten (aber dafür eher weiche) in den Augenhöhlen und unter dem Kinn auftauchen – Klar, das Licht kommt hierbei ja auch steil von oben. Dieser Effekt verschwindet schon, wenn man etwas weiter von der zu fotografierenden Person weg steht bzw. wenn der Winkel des nach schräg oben geneigten Blitzkopfes weniger steil einzustellen ist.

Eine sogenannte "Bounce Card" kostet wenige Euro (Amazon) und hellt die Augenhöhlen beim indirekten Blitzen über die Decke auf bzw. verleiht den Augen das beliebte "Catch Light" bei Portraitaufnahmen.

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Manche Blitzgeräte haben genau für diesen Zweck einen zweiten kleinen Aufhellblitz verbaut, welcher direkt nach vorne eine kleine Lichtmenge abgibt und zum einen die Augenhöhlen aufhellt, zum anderen den Augen auch ein sogenanntes „Catch Light“ – also ein Funkeln – verleiht. Viele Fotografen nutzen hierfür auch einfach eine „Bounce Card“ / „Blitzkarte“. Dies ist nichts weiter als eine weiße Karte, welche man am Blitzkopf herauszieht bzw. an diesem befestigt. Bei Schrägstellung des Blitzkopfes reflektiert diese ausziehbare Blitzkarte einen geringen Teil des Lichtes (welches ja in Richtung Decke geschickt wird) direkt zum Motiv. Dies hat den selben Effekt wie ein kleines Aufhellblitzlicht als Zweitlicht bei manchen Blitzgeräten (die meines Wissens deshalb auch ausgestorben sind).

Einfallswinkel = Ausfallswinkel

Beim Indirekten Blitzen über die Zimmerdecke muss man darauf achten, dass der Blitzkopf nicht zu steil nach oben gerichtet ist – Das reflektiertes Licht kommt ansonsten noch vor dem Motiv zu Boden und trifft es nicht. (Ein Gedanke hierzu ad absurdum: Ist der Blitzkopf direkt in 90° nach oben geschwenkt, trifft das reflektierte Licht zum größten Teil nur den Fotografen selbst.)

Ist der der Blitzkopf allerdings zu flach nach oben geschwenkt, gelangt der Blitz zu weit hinten zur Decke und trifft schlimmstenfalls das Motiv noch direkt.
Man kann aber schon leicht einschätzen, ob der Blitzkopf in einem korrekten Winkel zur Reflexionsfläche ausgerichtet ist: Man bedient sich hierbei einfach der alten Regel aus dem Physikunterricht: Einfallswinkel = Ausfallswinkel. Dies bedeutet, dass das Licht, welches in einem bestimmten Winkel auf die (flache) Reflexionsfläche trifft, in genau dem selben Winkel – nur negativ bzw. spiegelverkehrt – wieder von dieser Fläche „wegreflektiert“ wird.
Ich hatte mal in einem Klassenraum Aufnahmen gemacht. Dessen weiße Decke hatte viele kleine Löcher, die den Schall schlucken sollen. Schall und Licht sind ganz ähnlich! Beides sind Wellen. Und so wurden durch diese Löcher auch ein gehöriger Teil meines indirekten Blitzlichtes geschluckt. Ich musste mittels einer „Slave-Zelle“ extra ein zweites Gerät parallel zünden, um den Verlust des „geschluckten“ Lichtes auzugleichen.

eine Tabletop Aufnahme

Bei dieser Tabletop Aufnahme stand ich auf einem Stuhl vor dem Arrangement und hielt meine einfache Canon Kompaktkamera einfach über den Tisch. Der Blitzkopf zeigte nach schräg oben zur Zimmerdecke / Zimmerecke nach links. Ich durfte den Kopf zunächst natürlich keinesfalls direkt auf das Ensemble richten, jedoch auch nicht einfach hoch zur Decke, da sonst das indirekte Blitzlicht freilich im Winkel von 0° wieder nach unten reflektiert wäre, was bei dieser Kameraperspektive eine Spiegelung im Metall des abgebildeten Passepartoutschneiders verursacht hätte. Ferner hätte es einen leichten Schatten der Kamera selbst gegeben. Durch den etwas schrägen Winkel erreichte ich zum einen eine klare Lichtrichtung (das indirekte Licht kommt von links). Zum anderen verhinderte ich Spiegelungen und eine Schattenbildung der Kamera. Nochmal: Es wurde hier einfach nur eine alte Canon Powershot mit aufgesetztem Blitz benutzt. Das Foto sieht aber aus wie eine professionell angefertigte Studioafnahme mit Softbox und dergleichen. So etwas braucht man oftmals überhaupt nicht! Lediglich ein weißer Aufheller (z. B. eine simple Styorporplatte) auf der rechten Seite wäre hier noch wünschenswert gewesen, um den Helligkeitsabfall zu kompensieren.

Blitzkochbuch"Das Blitz-Kochbuch" ist ein moderner und reich bebilderter Leitfaden für den Fotografen, welcher sich kreativ mit Blitzlicht auseinander setzen möchte - und dies mit einfachen und kompakten Aufsteckblitzen. Auf Amazon kann man einen Blick ins Buch werfen.

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Normalerweise muss man sich aber nicht allzu viele Gedanken machen, wenn man über eine Zimmerdecke blitzt. Meist klappt es hervorragend. Nutzt man aber eine eher kleinere Reflexionsfläche in unmittelbarer Nähe zum Blitz (z. B. eine weiße geöffnete Tür), muss man schon genauer „zielen“ bzw. abschätzen. Ich selbst bevorzuge eher Wände oder Türen als Reflektionsfläche, um eine gewisse Lichtrichtung zu erhalten. Ich habe aber auch schon einmal ein weißes Bettlaken aufgespannt und dagegen geblitzt.

Lichtstärke beim Bouncen mit „Zoom-Köpfen“

Moderne Blitzgeräte besitzen einen sogenannten Zoom-Kopf. Dies ist eine fantastische Sache: Wir können damit den Streu-Winkel des abgegebenen Lichtes ändern. Normalerweise dient dies dazu, nicht unnötig Licht beim Einsatz von höheren Brennweiten jenseits der „Normalbrennweite“ zu verschenken (es würden sonst ja Dinge ausgeleuchtet werden, die ein Tele links rechts ohnehin gar nicht mehr sieht). Beim „Bouncen“ aber können wir mit diesem Zoomkopf die Größe der Lichtfläche steuern, ohne das Blitzgerät zur Reflexionsfläche hin- bzw. zurück bewegen zu müssen.
Beim direkten Blitzen (ohne Reflexion) ändert sich dabei unbedingt die Lichtstärke bzw. die LZ bei Erhöhung des Licht-Zooms! Mein Blitzgerät ist bei maximaler Zoom-Position eine ganze Blende heller! Wie verhält sich dies aber beim indirekten Blitzen gegen eine Wand? Hier ändert sich die Stärke des Reflektierten Lichtes nicht! Die Lichtstärke bleibt hierbei gleich – egal, was am Zoom Kopf eingestellt worden ist. Warum ist dies so? Zunächst eine Grafik:

Blitz Zoom Kopf Positionen

Links die Grafik mit geringem „Zoom“, rechts das Beispielfoto mit starkem bei gleicher Kameraeinstellung.

Für wenig Geld bekommt man bereits ein sehr brauchbares Faltreflektor-Set mit dem Umfang von 110 cm. Bei Amazon. Den Innenteil (ein Diffusor) nutze ich bevorzugt als kompakte Alternative zu einer Softbox.

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Deutlich ist zu sehen, wie die Wand rechts heller erleuchtet. Das Licht aber, was zurück reflektiert wird (hier in Richtung Kamera) hat bei beiden Bildern die gleiche Stärke, denn es setzt sich zusammen aus Lichtfläche & Lichtstärke der Projektion: Links ist die Lichtstärke gering, die Lichtfläche hingegen groß. Rechts ist die Lichtfläche gering, dafür aber die Lichtstärke groß. Insgesamt gleicht sich dies aus! Wir erhalten immer die gleiche Stärke des reflektierten Lichtes. Freilich ist der Lichtcharakter für beispielsweise eine Person ein anderer! Je höher die Lichtfläche, desto weicher ist das Licht auch.

Bouncen gegen einen Reflektor

Eine schöne, weil flexible Möglichkeit, ist das indirekte Blitzen über einen Faltreflektor. Gerade Portraits lassen sich so bereits mit einem sehr kleinen Reflektor (ca. Ø 30 cm) sehr schön ausleuchten, indem man diesen mit der einen Hand hochhält und den Kopf des Systemblitzes auf der Kamera (die man in der anderen Hand hält) direkt auf den Reflektor lenkt. So kann man wunderbar z. B. auf Partys ganz schnell Personenaufnahmen mit weichem Licht machen. Ich hatte mit dieser Technik einmal fast alle Gäste einer Hochzeit für’s Erinnerungsalbum abgelichtet. Bei so einer Hochzeit muss es schnell gehen, was mit der Kamera+Blitz+Faltreflektor sehr gut realisierbar ist. In diesem Video kann man diese Technik gut sehen:

Beispielvideo

Hinweis: Falls das Video ganz von vorne beginnen sollte, die entsprechende Stelle beginnt bei 10:54.
Hier ist schön zu sehen, wie man auch mobil ein sehr gut geeignetes Licht zum richtigen Blitzen erzeugen kann. Kurioserweise wird bei dem Beispiel im Video eher die hintere weiße Wand als Reflektor genutzt anstatt der portable Faltreflektor, da der Fotograf etwas daneben zielt. Das Prinzip funktioniert trotzdem. Ich selbst halte den kleinen Faltreflektor zum „Bouncen“ eher links vom Blitz und drehe diesen (den Blitzkopf) dahin. Dieses Video stammt vom Youtube-Kanal „Blende 8„.

In sehr großen Räumen mit hohen Decken, bei denen die als nächstes zu erreichenden Wände bzw. Reflexionsflächen zu weit weg sind, und natürlich im Freien muss man zunächst auf das „Bouncen“ verzichten. Ebenfalls schwierig wird es in Räumen mit sehr dunklen Wänden. Hier wird mehr Licht absorbiert als reflektiert. Hier nutze ich einfach einen größeren weißen Faltreflektor und blitze gegen diesen. Allerdings muss diesen dann entweder ein Assistent halten oder aber ich positioniere den Reflektor mit z. B. einem Stativ. Da darf dann aber kein Wind wehen! Man kann aber auch ein weißes Bettlaken im Fotografengepäck haben, welches man dann mit Klebeband an der (zu dunklen / farbigen) Wand befestigt. Hier kann man kreativ sein.

Lichtaufbau indirekter Blitz

Eine Skizze zum simplen Lichtaufbau mit einem entfesselten Blitz und einem Reflektor. Statt dem Blitzkabel benutze ich mittlerweile fast nur noch meine Blitzfunkauslöser. Man kann aber auch mit dem auf der Kamera sitzenden Blitzgerät einen Reflektor ansteuern, indem man den Blitzkopf dreht und am besten zum „zielen“ den eingebauten Zoom nutzt.

Fazit

Porty Look mit BlitzSo geht’s auch: indirekter Blitz über Reflektor mit übergestülpter Goldfolie. Im Beutel waren Steine gegen den Wind.

Das „Bouncen“, das indirekte Blitzen bietet eine äußerst einfache Möglichkeit wesentlich angenehmere Bilder mit dem Blitzgerät anzufertigen. In Räumen benutze ich diese Technik immer sehr gerne, da es wirklich sehr einfach zu bewerkstelligen ist. Hat man keine Wände zur Verfügung, so lässt sich alternativ auch durch einen Blitzschirm blitzen, um weiches Licht zu erzeugen.
Manchmal sieht man Zeitgenossen, die tatsächlich im Freien mit einem nach schräg oben gerichteten Blitzkopf fotografieren. Leute, so funktioniert das natürlich nicht! Da hier überhaupt kein Reflektor vorhanden ist, verpufft das schöne Blitzlicht sinnlos in der Atmosphäre. Ich habe auch schon Leute beobachtet, die in einem schummrigen Club Bands fotografiert- und hierzu den Kopf des Blitzgerätes zur Raumdecke gerichtet haben. Aber diese Decke war pechschwarz gestrichen und mindestens fünf Meter vom Blitzgerät bzw. von der Band entfernt. Auch dies wird nur Stromverschwendung gewesen sein. Die Kamera pumpt dann die ISO hoch und das Foto wird primär durch das ohnehin vorhandene Bühnenlicht gestaltet (was ja auch gut sein kann). Nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben, wird Ihnen so etwas natürlich nicht passieren.

Artikeldatum: 13.10.2013 / letzte Änderung: 30.04.2016

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2 Anmerkungen bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.