ein Blog rund um Blitzgeräte und Kunstlicht mit vielen Tipps und Anleitungen

Filter: Raffinierte Fotos mit Blitzlicht und Farbfolien

Filter kennen Sie vielleicht für das Objektiv. Auch hier gibt es Farbkorrekturfilter, welche aber dank dem manuellen Weißabgleich nunmehr eher noch ein Nischendasein fristen. Ganz anders sieht es mit Farbfolien vor der Lichtquelle aus: Keinesfalls lassen sich jene nur als offensichtlichen Effekt nutzen.

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Allgemein

Filterfolie auf Blitz

Filterfolien lassen sich im simpelsten Fall einfach hinter der Streuscheibe des Blitzes festklemmen.

In diesem Artikel möchte ich etwas über meine Erfahrung mit Farbfiltern vor der / den Kunstlichtquelle(n) berichten. Zunächst sollte jedes Blitzgerät ab Werk auf ein „weißes“ Licht eingestellt sein. Dieses neutrale Licht ist jenes, welches uns sicherlich bei den meisten Einsätzen interessiert. Installieren wir aber eine Filterfolie vor den Reflektor, ändert sich die Lichtfarbe in jene, welcher ungefähr der Eigenfarbe der Farbfolie entspricht. Oder anders herum gesagt: Das Licht der Komplementärfarbe wird zu einem gewissen Teil ausgesperrt. Darum geht beim Einsatz von Farbfiltern auch immer ein Lichtverlust einher: Die Leistung des Blitzgerätes muss erhöht werden  oder (blitzt man direkt) näher an das Motiv gestellt werden oder die Werte (Blende / ISO) müssen an der Kamera geändert werden. Bei den dichteren meiner Filterfolien messe ich übrigens ein Lichtverlust von ca. 1 ½ Blenden. Das ist schon nicht ohne und spätestens an dieser Stelle bin ich froh, dass ich von jeher immer auf möglichst Leistungsstarke Blitzgeräte wie meinen alten Metz Stabblitz wert gelegt habe. Wozu lassen sich Farbfilter / Farbfolien aber konkret bei der Arbeit mit Kunstlicht einsetzen? Diese Filter eignen sich für zwei Zwecke:

Filterhalterung

Farbfolien lassen sich auch mit Klettband-Haltern flexibel am Blitz befestigen. Hier zu sehen an meinem Yongnuo YN 560 mit eingebautem Funkempfänger.

Einsatzzweck von Lichtfiltern

  1. Mit Farbfiltern kann man korrigieren.
  2. Mit Farbfilter kann man Effekte erzeugen.

Der wichtigste Punk wird sicherlich der erste sein. Doch gerade in der Werbung (oder beim Film freilich) dienen Filterfolien zur Erzeugung von bestimmten Effekten, oder: Sie suggerieren in abgemilderter Form ein bestimmtes natürliches Licht. Fertigt man beispielsweise ein Portrait einer jungen Familie am Frühstückstisch an, so kann man draußen auf dem Balkon ein Blitzgerät mit z. B. Diffusor-Schirm installieren, welches in den Raum blitzt. Als Filter kann man dabei einen hellen Gelb- oder Orangefilter direkt auf dem Blitz nutzen und somit die Morgensonne simulieren – selbst wenn ein wahrlich graues Wetter vorherrscht. Doch zunächst soll es um Punkt 1 gehen:

Filter als Korrektur einsetzen

neutrale Filterung

farbkreis

Behalten Sie beim Korrektur-Filtern stets den Farbkreis mit den jeweiligen Komplementärfarben im Hinterkopf.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie möchten eine Person in einem Raum portraitieren. Im Hintergrund ist ein Fenster und dadurch ist vielleicht ein Schloss oder dergleichen zu sehen. Jedenfalls gehört dieser Außenbereich mit zu Ihrem Motiv. Sie möchten die Person indirekt mittels „Bouncen“ über eine Wand mit dem auf Ihrer Kamera aufgesteckten Blitzlicht ablichten, denn auf diese Weise erhalten Sie ein wunderbares, weiches Licht. Alles kein Problem zunächst. Doch Sie werden nun vielleicht feststellen, dass die Fläche, welche Sie zum Bouncen nutzen, eine helle Eigenfarbe besitzt (sagen wir rot). Damit nun Ihr Fotomodell nicht rot aussieht, wenden Sie einfach einen manuellen Weißabgleich an Ihrer Kamera an, um einen neutralen Bildeindruck ohne Rotstich zu erlangen. Schön und gut. Kein Problem. Doch was ist nun mit dem Schlösschen da hinten passiert? Es ist gänzlich blau abgebildet! Ja, klar! Der manuelle Weißabgleich bewirkt ja in diesem Fall eine Verschiebung nach Blau, um den zu hohen Rotanteil im (Raum-) Licht auszugleichen / zu korrigieren.

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Filter hinter einem Schirm

Ein Filter hinter meinem Blitz-Schirm mit dem Metz-Stabblitz

Hier würden wir nicht umhin kommen, einen Filter zu nutzen, wenn wir uns nachträgliche Bildbearbeitung via Photoshop ersparen wollen. Schauen wir uns den Farbkreis oben links an: Die Komplementärfarbe von Rot ist ein Blauton. Also setzen wir einen leichten Blaufilter auf den Reflektor des Blitzgerätes. Was passiert nun? Das Licht, welches vom Blitz aus gegen die rötliche Wand „gebounct“ wird, enthält nun nur noch einen geringeren Rotanteil und dafür eine klare Note Blau. Trifft dieses Licht aber auf eine Fläche, deren Eigenfarbe Rot ist, wird ein bestimmter Teil des Lichtes (nämlich der blaue!) absorbiert bzw. in Wärme umgewandelt (tatsächlich, irgendwo muss es ja hin). Das Ergebnis: Das reflektierte Licht hat nunmehr wieder einen weißen, neutralen Charakter erlangt! Freilich haben wir damit leider etwas Lichtstärke verloren.

Anti-Filterung

Bei der eben besprochenen direkten Filterung hatten wir das Licht mittels Farbfilter so angepasst, dass das durch eine farbige Wand im Neutralton veränderte Licht künstlich einfach in die andere Richtung „verzerrt“ wurde. Beides glich sich schließlich gegenseitig aus und wir erhielten am Ende wieder weißes Licht. Man kann aber auch bewusst „falsch“ Filtern, was ich gerne als „Anti-Filterung“ bezeichnen möchte.

*Selbst solche simplen Funkauslöser für den Preis eines Kinobesuches das Set (bei Amazon) sind bereits ausreichend, den Blitz zu entfesseln, sofern man nicht gerade durch dicke Wände oder über sehr weite Entfernungen auslösen muss. Auf eine TTL-Funktion muss man verzichten - aber diese wird beim manuellen Blitzen ja ohnehin deaktiviert. Ich nutze solche simplen Auslöser ohne Probleme.

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Nun stellen Sie sich bitte folgendes Motiv vor: Bleiben wir einfach bei der eingangs erwähnten Familie am Frühstückstisch. Dummerweise sind uns nun aber die Eneloop-Akkus für die Außenleuchte durch’s Balkonfenster leer geworden und wir haben keinen Ersatz. Was tun? Dieses außerhalb stehende Blitzgerät (z. B. mit dem Yongnuo-Funkauslöser-System) simulierte mit dem leichten Orangefilter doch wunderbare warmes morgendliches Sonnenlicht von Außen! Lässt man es weg und nutzt für die Aufnahme das natürliche Tageslicht, bekommt man (in unserem Beispiel) lediglich ein kühles Licht mit hohem Blauanteil serviert, denn der Tag ist grau. Dies korreliert einfach ungünstig mit dem Motiv / mit unserer Bildvorstellung.

Hier kann man sich mit einem Trick behelfen. Wir schieben hierzu einfach eine Filterfolie auf den Blitz, der für den Innenraum zuständig ist. Die Filterfarbe muss ungefähr die Komplimentärfarbe von Gelborange sein, also jene die im Farbkreis unserer Wunschfarbe gegenüber steht. In diesem Fall wäre es also wieder ein Blaufilter. Nun machen wir einen manuellen Weißabgleich auf z. B. eine weiße Zimmerwand. Das Licht selbst hat nun natürlich einen sehr hohen Blauanteil, aber durch den Weißabgleich kann man jenen ja wieder korrigieren. Wir machen die erste Aufnahme:

Durch den Weißabgleich sieht der Innenraum selbst ganz normal aus wie vorher (ohne Blaufilter). Doch was ist mit dem natürlichen Tageslicht, welches durch das Balkonfenster gelangt und durch eine längere Belichtungszeit ebenfalls Teil der Aufnahme ist? Es hat nun einen warmen Charakter bzw. einen hohen Gelbanteil! Das ist ja auch nur logisch: Der manuelle Weißabgleich neutralisiert ja lediglich das sehr blaue Blitzlicht. Da das Tageslicht nun einen weitaus geringeren Blauanteil wie das gefilterte Blitzlicht hat, wird es folglich durch den Weißabgleich viel weiter in Richtung Gelb / Warm „verschoben“, über Neutral hinaus sozusagen.  Also genau das, was wir für dieses Motiv benötigen. Raffiniert, was? So etwas bekommt man mit Photoshop nicht so ohne Weiteres geregelt.

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Hinweis: Sie müssen nicht unbedingt ein ganzes Etui mit 90 Farbfiltern in feinsten Nuance in Ihrem Blitzkoffer haben: Sie können die Farbintensität zu einem gewissen Teil auch steuern, indem Sie den Filter z. B. nur zur Hälfte auf den Reflektor des Blitzes schieben. Dies funktioniert allerdings nur beim indirekten Blitzen.

Noch ein Beispiel

*Nur ein einziger Blitz - dies ist die Prämisse bei diesem Buch. Der Autor vermittelt Techniken, mittels derer man mit möglichst minimalistischem Setting dennoch zu aussagekräftigen Fotografien gelangt, eben nur mit einem einzigen Blitzgerät. Bei Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Wir möchten ein Portät einer Dame unter einem blauen Himmel machen. Das Blitzlicht sitzt hinter einem Blitzschirm, damit wir ein weiches Licht bekommen und befindet sich ca. zwei Meter vom Model entfernt. Der Himmel soll auf dem Foto sehr satt daher kommen, also nicht zu blass im Blauton. Man macht hierzu wieder folgendes: Man setzt einen leichten Gelbfilter auf den Blitz und tätigt zunächst den manuellen Weißabgleich. Dadurch wird das Model nicht gelb sondern ganz neutral abgebildet. Aber was wird mit dem Himmel sein? Der Weißabgleich neutralisiert alles zu gelbe Licht und verschiebt jegliche Bildtöne in Richtung blau: Genau richtig für diese Situation! Als Ergebnis erhält man einen satt blauen Himmel und ein ganz neutral ausgeleuchtetes Portrait.

Mit dieser Methode lässt  sich so ein Himmel bzw. ein Hintergrund in allen erdenklichen Farben gestalten! Sie müssen nur einen Filter in der Komplementärfarbe zum Wunschton verwenden und einen manuellen Weißabgleich mit diesem farbigen Licht anfertigen. Diese Technik ist so einfach wie effektiv! Ich persönlich bevorzuge eher warme Hintergrundfarben und setze daher einen leichten Blaufilter auf meinen Blitz.

Sie können aber durch gezielte Unterbelichtung der Umgebung (kurze Blitzsynchronzeit) bewusst einen Dämmerungseffekt erzeugen. Hier würde sich zusätzlich zur knappen Belichtungszeit ein leichter Gelbfilter vor dem Blitz empfehlen, um später (nach dem manuellen Weißabgleich) die durch das natürliche Licht angstrahlte Umgebung in einen sanften Blauton abzubilden. Das angeblitzte Motiv hingegen wird entweder neutral erscheinen, oder aber man kalibriert den Weißabgleich absichtlich etwas „daneben“, sodass das Model ein leicht warmtoniges Licht erhält.

Denken Sie aber daran, hierbei besser dezent vorzugehen. Oftmals wirkt eine übertriebene Filterung zu künstlich bzw. schreckt eher ab.

Filter vor dem Blitz als Effekt

Für reines Effektlicht ist die Anwendung von Blitzfiltern natürlich trivialer. Schauen wir uns einige Beispielbilder an:

Die Bilder selbst sind nicht gerade bierernst gemeint.

Tageslicht im Raum
Zunächst sieht man die Auswirkung von Tageslicht in einem Raum. Die Verschlusszeit der Kamera wurde relativ kurz eingestellt, so dass das durch die Fenster scheinende Licht kaum Relevanz für die Ausleuchtung des Raumes besitzt.

 

bouncen von Licht an einer Wand
Nun wurde ein Blitzgerät direkt auf der Kamera installiert und einfach nach links gegen die Wand „gebounced“. Hierdurch (durch das indirekte Blitzen) wurde die kleine Abstrahlfläche des Blitzes natürlich in eine wesentlich größere verwandelt und der Charakter des Lichtes erhält ungefähr jenen einer Softbox. Das Modell erhält nun also ein weiches Licht von links, da die kleine, punktuelle Lichtfläche des Aufsteckblitzes durch das „Bouncen“ gegen die Wand in seiner Fläche enorm erhöht wurde. Dummerweise wird dadurch aber auch der gesamte Raum erhellt. Aus diesem Grund besitzen Fotostudios ja auch keine weißen Wände. Blitzt man durch einen Schirm oder besser noch durch eine echte Softbox mit aufgesetztem Waben-Netz, würde sich sich die Lichtstreuung im ganzen Raum vermindern lassen. Nun kommt aber noch ein zweiter Blitz ins Spiel:

Farbfilter auf Blitz
Rechst im Hintergrund, gerade so nicht mehr im Bild, hatte ich einen zweiten Blitz auf ein Stativ geschraubt. Jener zündete zeitgleich mit dem „Master“ auf der Kamera via Servo-Blitzauslöser. Auf diese externe Leuchte hatte ich natürlich einen Blaufilter gesteckt und das Ergebnis ist natürlich klar unterschiedlich.

zwei Filter: Komplementärkontrast

Hier wurde hinten ein Rotfilter eingesetzt und dem Hauptlicht zusätzlich noch ein ganz leichter Blaufilter aufgeschoben, um einen Komplementärkontrast zu schaffen.

Dieser zweite Blitz mit der Filterfolie wurde auf eine weiße Wand gerichtet. Dessen Licht wurde so also durch den gesamten Bildhintergrund „geschleudert“ bzw. gebounced. Das Modell selbst bleibt durch das blaue Licht nahezu unberührt: Hier im Vordergrund dominiert klar das neutrale Licht. Es findet eine eindeutige Trennung von Vorder- und Hintergrund statt. Natürlich kann man jene farbliche Trennung auch wesentlich dezenter vornehmen. Hier wurde freilich etwas übertrieben. Beachten Sie aber mal das Tageslicht im Fenster: An jenem ändert sich natürlich nichts.

Hier noch ein Tipp: Wenn Sie für den Hintergrund eine Lichtfarbe wählen, welche in keinster Weise im Vordergrund vorkommt (z. B. Pink), können Sie später in Photoshop unter „Farbton / Sättigung“ genau jene Farbe auswählen und eben diese separat von allen anderen (vom Vordergrund) in ihrem Farbton, ihrer Hellichkeit und Sättigung ändern. Das heißt, Sie können daraus ganz nach Gusto bequem z. B. auch ein dunkles Grün generieren! Hier verhält es sich also ähnlich wie bei einer „Bluebox“ im Fernsehstudio.

Durch das Einfärben eines (unruhigen) Hintergrundes mittels einem farbigen Blitzes, kann man sich auch eine wunderbare Basis für späteres, kinderleichtes Freistellen in der Bildbearbeitung schaffen.

Fazit

*Farbfilter fürs Blitzgerät dienen entweder zum Erzeugen von Effekten oder zum Anpassen des Blitzlichtes an die Umgebungsbeleuchtung. Diese Filter sind hervorragend dafür geeignet, sie als "Strobist-Filter" direkt vor dem Blitz zu installieren. Auf Amazon gibt es ganze Filtersets zum günstigen Preis.

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Sie sehen: Farbfilter lassen sich zu vielmehr nutzen als für eine bloße „Discobeleuchtung“. Früher, als man noch gänzlich auf Film belichtete (ich tue dies übrigens immer noch) und jene rein ausbelichtet wurden (statt über einen Computer zu gehen [worauf ich allerdings nicht mehr verzichten möchte]) war man bei professionellen Anwednungen zwingend auf entsprechende Filter angewiesen. Hier nutzte man Farbtemperaturmessgeräte und wählte den Ergebnissen entsprechend die Filter aus. Denn es gab ja keinen Weißabgleich: Jeder Film hat eine eigene Charakteristik. So bildet ein Kunstlichtfilm beispielsweise bei Tageslicht sehr blaustichig ab, denn er ist fest für warmes Licht korrigiert.
Will sagen: Oft kann man vieles auch im Nachhinein mit Photoshop erledigen. Aber gerade, wenn es um Mischlicht geht, wird es schwierig. Das Beispiel mit dem Frühstückstisch und dem Sonnenlicht von außen war ja noch ein einfaches.

Arbeiten Sie / Arbeitest Du auch mit Filtern auf dem Blitzgerät?

Artikeldatum: 6.08.2014 / letzte Änderung: 8.10.2016

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2 Anmerkungen bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.