ein Blog rund um Blitzgeräte und Kunstlicht mit vielen Tipps und Anleitungen

Komplette Blitzausrüstung für Anfänger: Studiolicht für 115 €

Nie war es günstiger, sich ein kleines aber feines Blitzlicht-Set aufzubauen um Bilder wie im Fotostudio anfertigen zu können. Gewiss: Profi-Ausrüstung hat zu Recht seinen Preis, denn diese ist mechanisch sehr belastbar und für ein ständiges Auf- und Abbauen sowie für den rabiaten Transport gut geeignet. Doch Licht ist Licht und ein solches bekommt man bereits für etwas über 100 € für einen gelungen Einstieg ins Blitzen.

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Strobisten-Set

Dieses Foto hatte ich mit dem hier vorgestellten „Strobisten Set“ angefertigt: Ein Simpler Schirm auf dem Stativ, dahinter mein Yongnuo-Blitz und der kleine Funkauslöser auf der Kamera, der das Blitzgerät drahtlos entfesselt ansteuert. Das ganze passt portabel in einen Rucksack.

Kein Fotostudio kann auf Kunstlicht verzichten. Klar, früher nutzte man große Ateliers mit riesigen Fenstern gen Norden um ein entsprechendes weiches Licht in gleichmäßiger Qualität parat zu haben. Doch eine solche Räumlichkeit dürften wohl die wenigsten Hobbyfotografen für sich beanspruchen können. Dann gibt es freilich die Möglichkeit, mit Dauerlicht zu fotografieren. Man kann hierzu auch günstige Baustrahler benutzen. Jene müssen aber hinter einem großen Diffusor (Blitzschirm, Klappdiffusor) verschwinden, die gesamte Konstruktion möchte dann auch noch auf einem Stativ befestigt werden und man riskiert damit, ein Fall für die Feuerwehr zu werden. Ferner hat eine Lösung mit Baustrahlern einen optischen Makel: Das Licht der (durchaus hellen) Baustrahler besitzt sozusagen Löcher im Farbspektrum. Dass dieses Licht eher gelb ist, ist bekannt und kein Problem (manueller Weißabgleich an der Digitalkamera). Dass das Farbspektrum der Baustrahler dagegen eben besagte „Lücken“ besitzt, kann bei bestimmten farbigen Arrangements zum Problem werden. Weiterhin werden diese Dinger eben entsprechend heiß und benötigen eine notwendige Verbindung zur Steckdose. Ein durchschnittliches Blitzgerät ist jedoch heller als ein Baustrahler. Besser, man nutzt gleich Elektronenblitze (das sind alle herkömmlichen Blitzgeräte) mit einem durchweg neutralem Farbspektrum (weiß).

Gute und starke Elektronenblitzgeräte sind jedoch in den letzten Jahren sehr günstig geworden, so dass ich gleich zu einem solchen greifen würde, um beispielsweise Portraits anzufertigen. Einziger Nachteil: Es gibt hierbei kein „Einstelllicht“, also kein Dauerlicht, mittels welchem man z. B. Schattenverläufe vor der Aufnahme kontrollieren kann. Jedoch nutzt man heute eine Digitalkamera anhand derer man das Ergebnis sofort kontrollieren- bzw. den Aufbau leicht ändern kann. Schnell wird man seinen bevorzugten Standardaufbau gefunden haben. Weiterhin ist es natürlich durch das Histogramm der Digitalkamera leicht möglich, die Lichtstärke korrekt beurteilen- bzw. den Blitz entsprechend manuell einstellen zu können.

Ein einfaches und wirkungsvolles Blitz-Set

Ein preislich recht günstiges und dabei außerordentlich mobiles Lichtset möchte ich in diesem Beitrag vorstellen. Es ist gerade durch den Preis (komplett mit Blitz ca. 115 €) für Anfänger und Einsteiger zu empfehlen, die vielleicht in das Fotografieren mit Kunstlicht herein schnuppern möchten. Ich selbst arbeite seit Jahren mit solch einer einfachen Ausrüstung. Gleichwohl besitzt das dadurch erzeugte Licht genau die gleichen Charakteristik, welche man mit einer „Profi-Ausrüstung“ gleicher Größe erhalten kann. Die Fotos werden also letztendlich gleich aussehen. Teure Geräte sind eben nur stabiler und für einen rauen Einsatz mehr geeignet. Außerdem streuen echte Softboxen das Licht nicht so sehr im Raum (erst recht, wenn sie mit einem sogenannten Wabenvorsatz ausgestattet sind). Ich arbeite jedoch mit sehr preisgünstigen (und äußerst kompakten) Blitzschirmen, die ich dadurch nämlich bequem im Rucksack transportieren kann. Doch im Normalfall ist deren Lichtstreuung kaum ein Problem. In kleineren Räumen kann dies sogar ein Vorteil sein, wenn dann nämlich auf zusätzliche Aufheller oder gar weitere Lampen verzichtet werden kann. Ich möchte aber der Reihe nach vorgehen:

Das Blitzgerät: Der Yongnuo YN560III

Ich habe viele Bekannte, die sich ebenfalls für die Fotografie interessieren (Uni mit Gestalter-Fachbereich), jedoch wenig Erfahrung mit Kunstlicht besitzen. Ich empfehle diesen immer den Yongnuo YN560 III. Yongnuo ist ein chinesischer Hersteller, hat mittlerweile einen sehr guten Leumund und ich kann aus eigener Praxis behaupten, dass die Qualität der Produkte tatsächlich recht gut ist – zu sehr geringen Preisen.

der Yongnuo YN-560 Mark III

*Leistungsstarkes manuell steuerbares Blitzgerät mit eingebautem Funkempfänger. Der bekannte "Yongnuo YN560 Mark III" ist weiter im Preis gefallen, universell passend und jedem "Strobisten" ein Begriff. Auf Amazon kann man ihn zum gewohnt günstigen Preis erwerben.

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Lassen Sie sich von den vielen Zahlen im Display nicht verunsichern. Der Blitz ist tatsächlich recht einfach zu bedienen und im normalen Betrieb wird auch viel weniger angezeigt (nämlich nur die eingestellte Leistung und der Zoom des Blitzkopfes). Auch lassen Sie sich nicht durch die Tabelle oben irritieren, die ich auf das Blitzgerät klebte. Dies sind nur persönliche Angaben, was die Leistung in Bezug zur Motiventfernung anbelangt. Der Blitz wird übrigens immer mit einem Fuß / Ständer geliefert. Dieser besitzt unterhalb bereits ein Stativgewinde, wodurch man ihn allein dadurch schon auf ein Stativ schrauben kann.

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Der Yongnuo YN560 III soll also die Basis meines Blitzsets sein.
Dieses überdurchschnittlich starke Blitzgerät (er ist tatsächlich stärker als die Blitze der großen Hersteller) kostet mittlerweile nur noch ca. 60 €.

*Nur ein einziger Blitz - dies ist die Prämisse bei diesem Buch. Der Autor vermittelt Techniken, mittels derer man mit möglichst minimalistischem Setting dennoch zu aussagekräftigen Fotografien gelangt, eben nur mit einem einzigen Blitzgerät. Bei Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Wie kann es zu diesen Preis kommen? Das Gerät ist so günstig, weil es ein rein manueller Blitz ist: Er besitzt keine Automatik-Funktionen. Er ist sozusagen die Mini-Version eines echten Studioblitzes: Sie stellen einfach die Leistung von Hand ein – genau so, wie es der Fotograf im Fotostudio bei der Blitzanlage macht. Es ist klar, dass sich das Blitzgerät dadurch nicht für die „Action-Fotografie“ eignet, sehr wohl aber für einen fixen Aufbau im Heimstudio bzw. für Portraits und Stillleben! Was er noch mit einer Studio-Blitzanlage gemein hat, ist der praktische „Piep-Ton“: Sobald das Gerät nach einer vollen Ladung Licht wieder bereit ist, erfolgt ein (abschaltbares) akustisches Signal. Dies ist insbesondere hinter einem Blitzschirm sinnvoll, denn hier wird man ja normalerweise keine Sicht auf das Display haben.

Ich komme nicht umhin, zu behaupten, dass ich den wohl ausführlichsten Artikel im (zumindest deutschsprachigen) Internet über den 560er Yongnuo geschrieben habe: Erfahrungsbericht. Nehmen Sie sich für das Studieren dieses Artikels aber Zeit mit.

Es existiert bereits ein Nachfolger: Der Yongnuo YN560 Mark IV. Doch wer Geld sparen möchte kann durchaus beim Mark III bleiben: Er hat für unsere Zwecke alles, was auch der IVer bietet.

Doch eine Sache muss aber hier erwähnt werden: Der Yongnuo YN560-III besitzt einen eingebauten Funkempfänger!
Obacht: Besser nicht den „Mark II“ kaufen! Dieser besitzt keinen eingebauten Funkempfänger. Hier müsste ein solcher (siehe nächster Punkt) noch unten angesteckt werden.

Den Blitz per Funk entfesseln mit dem Yongnuo RF602-System

Nun muss das Blitzgerät nur noch aus der Ferne ausgelöst- bzw. entfesselt werden. Denn schließlich sollte man die Lichtquelle bei z. B. Portraits nie direkt neben dem Objektiv nutzen – Der Charakter des Blitzlichtes wäre dann zum einen viel zu flach. Zum anderen provoziert man dadurch Spiegelungen.

Da ja das Blitzgerät bereits einen Funkempfänger integriert hat, benötigen wir nun nur noch einen Auslöser: Den kompatiblen Yongnuo RF-602 Auslöser (namentlich „RF-600TX“).

RF-602 Yongnuo

*Das Funkauslöser-System Yongnuo RF-602 beinhaltet einen Sender und einen Empfänger. Der Sender wird auf die Kamera gesteckt und der Empfänger unter das Blitzgerät. Dies ist die günstigste Variante, an ein qualitativ gutes Auslöseset zu kommen, z. B. via Amazon.

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Abgebildet ist das RF602-System, mit dem der Yongnuo-Blitz kompatibel. Doch Sie benötigen nur den kleinen Sender („RF-600TX“) mittig im Bild, der einfach auf die Kamera gesteckt wird. Den Empfänger (links) hat der Blitz (Yongnuo YN560 III / IV) ja bereits eingebaut!

Auch diesem Funksystem habe ich einen ganzen Artikel gewidmet: Erfahrungsbericht. In dem Artikel wird gleichfalls das etwas neuere (jedoch leicht teurere) „RF603-System“ vorgestellt. Der hier vorgestellte „RF602er“ reicht völlig aus.

Der besagte Sender funktioniert bei mir sowohl auf Canon als auch auf Nikon! Obwohl mein Blitzauslöser Set speziell für Nikon gelabelt ist (großes „N“ auf der Verpackung). Wie die Geschichte bei z. B. Pentax oder Olympus aussieht, weiß ich nicht. Sony-Alpha-Benutzer benötigen sicherlich nur den Blitz-Fuß-Adapter, da diese Kameras keinen Standard-Blitzschuh besitzen.

Dummerweise gibt es die Sender einzeln kaum zu kaufen, sodass man sich immer ein ganzes Set kaufen muss. Immerhin hat man dann aber einen zusätzlichen Empfänger für ein zweites Blitzgerät parat. Einen solchen Zweitblitz kann man sich dann z. B. günstig per Ebay zusätzlich holen, um diesen z. B. für das Ausleuchten des Hintergrundes oder als Haarlicht zu nutzen bzw. parallel zum Yongnuo zu zünden (so mache ich es). Hier nutze ich gerne schwächere, alte Blitzgeräte, die gebraucht fast verschenkt werden.

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Das Paar Yongnuo RF-602 Funkauslöser kostet ca. 22 €.

Nun haben wir das Blitzgerät von der Kamera entfesselt. Jetzt muss es sicher auf einem Stativ befestigt werden können – und es muss noch ein großer Diffusor davor, damit das Licht weicher wird:

Ein Stativ für das Blitzgerät, eine Blitzhalterung und ein Blitzschirm

Es gibt bereits günstige Sets zu kaufen: Lampenstativ + Schirmhalter + Blitzschirm. Man kann diese drei Komponenten auch einzeln kaufen, jedoch dann freilich zu einem höheren Preis. Diese Blitz-Sets wurden jedoch genau für den Anspruch zusammen gestellt, damit Anfänger kostengünstig ein komplettes Paket bereit gestellt bekommen, um in die Studiofotografie einzusteigen.

Natürlich ist bei dem Preis keine Profiqualität zu erwarten! Ich nutze ein solches Set ca. zweimal im Monat. Da ist die geringere mechanische Qualität im Gegensatz zu einer Profi-Ausrüstung kein Problem. Sie wird mechanisch nicht überbeansprucht. Würde ich jedoch jeden Tag damit arbeiten, müsste ich mir natürlich ein stabileres, jedoch teureres Equipment kaufen. Was das Licht anbelangt: Es ist gleich.

ein Schrim zum Blitzen

Ein Schirm verwandelt das kleine Blitzlicht in eine voluminöse Lichtquelle. Hierdurch wird das harte Blitzlicht wesentlich weicher. So ein Schirm, der wie eine Softbox funktioniert, ist ein ganz wichtiger Bestandteil für z. B. Porträtfotografien. Achten Sie darauf, dass die eingebaute Streuscheibe beim Yongnuo ausgeklappt ist, damit tatsächlich die gesamte Schirm-Innenfläche ausgeleuchtet werden kann. Bei diesem Foto war dies nicht der Fall und deutlich ist zu sehen, dass das gesamte Potential der Schirmfläche nicht genutzt wird.

Und: Würde die ausgeklappte Streuscheibe beim direkten Blitzen ohne Softbox / Schirm einen Helligkeitsverlust bedeuten, so ist dies bei Verwendung eines solchen Diffusors (gemeint ist der Schirm) nicht der Fall: Zwar wird dadurch das Licht des Blitzes selbst natürlich ebenfalls etwas schwächer. Jedoch wird dies durch die nun größere Leuchtfläche kompensiert. Beim Modell kommt letzten Endes die selbe Lichtmenge an.

*Ein solch einfaches Set aus Blitzschirm, Stativ und Blitzhalterung bekommt man mittlerweile bereits für den Preis eines Restaurantbesuches zum Beispiel bei Amazon.

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Halterung für das Blitzgerät

Und hier sieht man die Rückseite des Schirms: Mein Yongnuo YN560 III ist abgebildet, sowie die Halterung, durch die sowohl der Blitz als auch der Blitzschirm sicher befestigt wird und durch den beweglichen Kopf ausgerichtet werden kann. Alles zusammen wird auf ein Lampenstativ geschraubt. Das Stativ befindet sich ebenfalls im Set. Der Yongnuo wird einfach über Funk von der Kamera aus angesteuert. Dessen Leistung wird individuell per Up- / Downtasten eingestellt, ganz genau so wie man Studio-Blitzgeräte bedient.

Ein solches Set aus Stativ + Halterung + Schirm kostest ca. 33 €.

Zusammen müsste man also 60 € für das Blitzgerät bezahlen + 22 € für den Funkauslöser + 33 € für das Stativ mit Halterung und Blitzschirm. Macht 115 € für eine solide Studio-Blitz-Lösung. Günstiger kam man so noch nie an gut ausgeleuchtete und stets reproduzierbare Portraits (es sei denn, man nutzt Baustrahler als Dauerlicht hinter dem Schirm).

*Gekonnte Lichtführung bei Porträts. In diesem Buch wird ein wesentlicher aber leider zu oft vernachlässigter Bestandteil der Porträtfotografie behandelt: Das Licht. Doch mit der Art des Lichts verändert man den Charakter einer porträtierten Person radikal: von Schlafzimmermime bis dämonisch. Auf Amazon kann man einen Blick in dieses Lehrbuch werfen.

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Da das RF-602 Funkauslöser-System noch eine Empfänger beinhaltet (den man aber nicht benötigt, da das Blitzgerät einen solchen ja eingebaut hat), besitzt man zusätzlich noch einen Empfänger für einen zweiten Blitz (z. B. einen alten gebrauchten). Dies wäre hier also sozusagen das Gratisteil obendrauf, was die TV-Werbesendungen gerne anpreisen, wenn man jetzt bestellt.

Mit einer solchen Ausrüstung stünde z. B. der klassischen Portraitfotografie nichts mehr im Wege: Durch den Yongnuo-Blitz ist eine starke Lichtabgabe garantiert. Durch den Funkauslöser lässt sich dieser sehr bequem von der Kamera entfesseln. Durch den Schirm wird das Licht wesentlich voluminöser abgegeben, was essentiell für weiches Licht ist. Auf den eigentlich überflüssigen zusätzlichen Empfänger kann man noch einen alten analogen (möglichst auch manuell regelbaren) Blitz stecken und diesen als z. B. Haarlich oder Streiflicht nutzen. Er löst ja parallel aus. Durch das Stativ, der Halterung und dem Blitzschirm ist eine sehr weiche Lichtqualität garantiert. Als Zubehör wäre noch ein sogenannter Klappaufheller zu empfehlen. Damit die andere Seite des angeblitzten Motivs nicht zu dunkel gerät. Doch dies ist Geschmackssache und hier kann man sich bereits mit einer weißen Styroporplatte behelfen.

Kurzum

Ich arbeite tatsächlich auch mit einem solchen günstigen Set, wie Sie an den Fotos sehen. Ich bin Hobbyfotograf und benötige keine sehr strapazierfähige Ausrüstung. Wichtig ist hierbei primär die vergrößerte Leuchtfläche durch den Schirm und die Flexibilität: Mein Studio nebst Kamera passt in einen Wander-Rucksack, mit dem man sich dann sogar auf’s Fahrrad setzen kann. Ich mache damit Hausbesuche. Man kann hier auch einen alten Blitz von Ebay hinter den Schirm setzen und diesen durch ein simples Blitzkabel auslösen. Doch so ein Funkauslöser-System in Kombination mit einem modernen und sehr fein manuell regelbaren Blitz ist doch wirklich flexibler und einfacher in der Anwendung.

Artikeldatum: 27.01.2016 / letzte Änderung: 9.05.2017

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2 Anmerkungen bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.