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Den Blitz mit einem Blitzkabel entfesseln

Der einfachste und günstigste Weg, ein Blitzgerät zu entfesseln (d. h. es von der Kamera zu lösen), ist sicherlich ein simples Blitzkabel. Hier demonstriere ich verschiedene Sorten dieser Kabel und gebe Tipps.

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ein BlitzkabelDurch ein simples Kabel lässt sich das Blitzgerät einfach von der Kamera lösen.

In einem Fotostudio sind die Leuchten der Blitzanlage meist nie direkt neben der Kamera positioniert. Um ein „interessantes“ Licht zu erhalten stellt man diese etwas versetzt in der Nähe des Motivs auf, nicht aber neben der Kamera. Auch das natürliche Licht der Sonne kommt nahezu nie aus genau der Richtung, aus welcher wir sehen. Ein Aufsteckblitzgerät jedoch wird primär auf der Kamera selbst genutzt, was den gewohnt typischen „Blitzlook“ ergibt. Typische Resultate hierbei sind: Verhindern von Modellierung (Wegblitzen von natürlichen Schatten), rascher Lichtabfall, harte Schlagschatten (Kernschatten) direkt hinter dem Motiv und insbesondere: Spiegelungen!

Zwar kann man bereits durch das indirekte Blitzen sehr einfach davon los kommen. Jedoch bedarf es hierzu zum einen eine Reflexionsfläche in der Nähe (z. B. eine weiße Wand). Zum anderen ist man durch dieses sogenannte „Bouncen“ schlecht in der Lage, Lichtstreuungen zu vermeiden bzw. kann man das Blitzlicht so nicht gezielt genau einsetzen.

Der einfachste Weg, den Blitz zu entfesseln ist die Verwendung eines einfachen Blitzkabels:

Kabel am Blitzgerät

Auf diesem Foto benutze ich ein Blitzkabel, welches zum einen einen Klinkenstecker besitzt, der in das Blitzgerä geschoben wird. Am anderen Ende befindet sich ein sogenannter „PC-Sync-Secker“, welcher in einen Adapter geschoben-, der wiederum einfach auf den Blitzschuh der Kamera gesteckt wird.

Eine robuste Steckverbindung über den Blitzschuh der Kamera erhält man mit einem TTL-Blitzkabel. Gesehen auf Amazon.

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Wenige Blitzgeräte besitzen jedoch eine solche Klinkenbuchse für ein Blitzkabel. Bei diesem älteren Gerät sieht man ferner noch, wie bei Einfuhr des Steckers die Pins am Blitzfuß nach innen verschwinden. So lässt sich der Blitz sehr schön auch auf metallernen Blitzschuhen („Zubehörschuhen“) aufstecken, ohne, dass er ständig zünden würde. Es geht aber noch einfacher:

TTL-Blitzkabel

Die verbreiteste Form von Blitzkabeln sind sogenannte TTL-Blitzkabel. Diese bestehen zumeist aus einem ausreichend dicken Spiralkabel von zum Beispiel zwei Meter Länge (ausgezogen). Das Besondere: Jegliche TTL-Signale (Steuersignale zur automatischen Belichtung) der Kamera können damit an den Blitz übermittelt werden. Bei dem obigen Foto wurde nur ein ganz einfaches (zweiadriges) Kabel verwendet, welches lediglich auslösen kann.

TTL-Kabel

TTL-Kabel besitzen einen recht großen Fuß, welcher auf den Blitzschuh der Kamera geschoben wird. Am anderen Ende befindet sich ebenso ein stabiler „Blitzschuh“, in welchen einfach der Blitz gesetzt (und fest verschraubt) wird. Hier findet also einfach nur eine Verlängerung statt. Sinnvollerweise besitzt der Kabelseitige Blitzschuh ein Stativgewinde, um das Blitzgerät dann sicher befestigen zu können. Mir jedoch sind die Spiralkabel nicht so lieb, denn man kann sich damit nur innerhalb eines recht geringen Radius  bewegen. Ich bevorzuge hier die langen, einfachen Kabel. Fünf Meter sollten es hier schon sein.

Beipielbild

Bei diesem Beispielbild wurde der Blitz von der Kamera entfesselt. Er steht nun ganz rechts von der Person (die Schatten fallen nach links). Deutlich ist der Unterschied in Bezug zu einem nicht entfesselten Blitz zu sehen. Durch das nackte Blitzen (also durch den bewussten Verzicht auf einen Blitzschirm) habe ich einen sehr theatralischen Bildcharakter mit klaren, dominanten Schatten erreicht. Ein solch (simples) Lichtset ist insbesondere für entsprechende Charakterdarstellungen gut geeignet.

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PC-Sync-Buchse

Traditionell gibt es einen klassischen Blitzanschluss: Der PC-Sync-Anschluss. „PC“ steht hier natürlich nicht für einen Computer: Diese Abkürzung leitet sich vom sogenannten „Pronto Compur Verschluss“ ab. Dies war ein Kameraelement (1950er Jahre), welches mechanisch die Belichtungszeiten steuerte, gleichzeitig jedoch eine Buchse zum Anschluss eines Blitzgerätes besaß: Eben die PC-Sync-Buchse, welche heute immer noch Verwendung findet.

eine PC-Sync-Buchse

Hier sehen Sie die PC-Sync-Buchse auf Seite eines Blitzadapters. Daneben sehen Sie einen dazugehörigen PC-Sync-Stecker, welcher sich an einem Blitzkabel befindet.

alte Kamera

Auch diese sehr alte Kamera besitzt den PC-Sync-Anschluss. Der Vorteil: Ich kann damit auch moderne Funkauslöser oder eben ein Blitzkabel connecten. Mit einem Klick auf’s Bild lässt sich das Bild dieser wunderschönen Kamera noch vergrößern. Am Rande: Wenn Sie wissen möchten, wie man so ein Produktfoto ganz einfach mit nur einem (unentfesselten) Aufsteckblitz anfertigt, schauen Sie auch in diesen Artikel.

Mit einem solchen Blitzadapter lassen sich Blitzkabel mit dem kleinen runden "PC-Stecker" direkt auf dem Blitzfuß der Kamera anschließen. Gesehen auf Amazon.

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Auf dem obigen Foto sehen Sie auch einen Compur-Verschluss, von dem ich eben kurz schrieb (das Runde Bauteil, in welchem das Objektiv sitzt). Allerdings ist dies noch ein älterer Compur, bei welchem der „Blitznippel“ nachträglich eingebaut wurde. Mit dieser alten, analogen Kamera fotografiere ich auch heute noch – keine Frage – und erhalte damit äußerst gute Ergebnisse!

Ich sag’s jedoch gleich: Ich bin kein Freund dieser kleinen Stecker! Sie besitzen oft kein Schraubgewinde und fallen zu oft ab. Es gibt hierbei auch keine vernünftige federnde Verbindung (wie es bei Klinkensteckern / -buchsen) der Fall ist. Zudem sind die Lötstellen bei den PC-Sync-Steckern naturgemäß sehr klein. Ständig gibt es Wackelkontakte. Viel besser sind die Blitzkabel, welche direkt auf den Hotshoe der Kamera aufgeschoben- und dann mit einer Rändelschraube arretiert werden können! Das nenne ich eine sichere Verbindung.

Pc-Sync-Buchse an der Kamera

Viele professionelle Digitalkameras besitzen diese einfache Blitzbuchse immer noch. Im harten Einsatz würde ich sie nicht nutzen (nur Stecker mit Schraubring und dickem Kabel). Besitzt die Kamera eine solche Buchse nicht, gibt es die folgende Anschlussmöglichkeit eines entfesselten Blitzgerätes über einen Adapter:

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Blitzadapter

Eine weitere Möglichkeit, den Blitz mit einem Kabel zu entfesseln wäre durch die Verwendung eines Blitzadapters realisierbar:

ein Blitzadapter auf der Kamera

Der Adapter wird einfach auf den Blitzschuh der Kamera geschoben. Bei meinem Modell wird dann das simple PC-Sync-Kabel an den Adapter angestöpselt. Es gibt jedoch auch Adapter mit festem Kabel. Am anderen Ende des Blitzkabels befindet sich dann der entfesselte Blitz:

Anschluss-Buchsen

Der gute Yongnuo Yn560 besitzt ebenfalls eine solche Buchse. Hier wird das andere Ende des Kabels eingestöpselt. Fertig. Eine TTL-Übertragung ist mit dieser Verbindung jedoch nicht möglich.

Ein Adapter am Blitzgerät

Besitzt das Blitzgerät jedoch keine PC-Snc-Buchse, so gibt es auch hierfür Adapter:

Adapter am Blitzgerät

Ich besitze noch ein älteres Modell. Zum Schutz gegen Kabelbruch habe ich sowohl den Stecker als auch den Schuh mit „Panzertape“ gesichert. Durch den Adapter statte ich das Blitzgerät einfach mit einem simplen Kabel aus, welches ich entweder direkt in die Kamera stöpseln kann (falls diese eine solche Buchse besitzt) oder aber durch einen zweiten Adapter (siehe oben) auf den Zubehörfuß (Blitzfuß) der Digitalkamera schieben kann. Schon steht die Verbindung.

Heute schon geblitzt? Dieses Buch richtet sich speziell an Canon EOS Anwänder. Es wird ganz speziell auf das canon-eigene E-TTL eingegangen anhand von vielen Praxistipps nebst Einstellungen des Blitzgerätes und der Kamera. Auf Amazon kann man einen Blick in das Buch werfen.

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Probleme mit Blitzkabeln

Ich hatte es anfangs schon erwähnt: Ich mag diese fummeligen, einfachen PC-Sync-Verbindungen nicht. Ständig hatte ich mit Wackelkontakten und Kabelbrüchen zu kämpfen. Jedoch gibt es hierfür auch sehr gute Kabel mit Schraubsteckern und qualitativ guten (dicken) Verbindungen. Besser gefallen mir hier die Anschlüsse, welche man direkt auf den Schuh / Fuß schieben kann. Hier aber der Nachteil: Die Spiralkabel sind oft zu kurz und haben naturbedingt den Wunsch, sich ständig zusammen ziehen zu wollen, wodurch ein Stativ eben recht gut umkippen kann.

Weiterhin bilden Kabel am Boden natürlich Stolperfallen! Dies sollte man nicht unterschätzen insbesondere, wenn sich mehrere Leute am Set befinden.

Lange Kabel funktionieren an manchen Kameras nicht

Ein weiteres Problem langer Blitzkabel ist nicht so sehr bekannt: Je länger ein solches Kabel ist, desto höher wird dessen elektrischer Widerstand. Insbesondere bei einfachen, dünnen Blitzkabeln ist dies der Fall. Dies hat zur Wirkung, dass manche Kameras das so entfesselte Blitzgerät gar nicht mehr auslösen können! Bei einem lediglich ca. vier Meter langen, „einfachen“ Kabel möchte meine Canon-Kamera den Blitz am anderen Ende der Leitung nicht mehr ansteuern. Meine Nikon-Kamera tut dies jedoch und ansonsten ist das Kabel ohne Fehler (Wackelkontakt). Ich nutze es nur noch als Reserve für den Notfall. Denn es gibt nunmehr bessere erschwingliche Alternativen:

Alternativen

Es gibt zwei Alternativen zum Blitzkabel: Sogenannte „Servozellen“ sowie Funkauslöser. Beide arbeiten drahtlos.

Servozellen

Servozellen sind nicht in der Lage, TTL-Signale zum Blitzgerät zu übermitteln: Sie sagen jenem einfach, dass dieser nun blitzen soll. In welcher Stärke jedoch können sie nicht kommunizieren. Daher eignen sich diese „Slavezellen“ auch nur für das manuelle Blitzen.

Slave Auslöser

Blitz der eingebaute Kamerablitz, so zünden die Slave-Zellen sofort einen anderen, irgendwo im Raum positionierten zweiten Blitz. Nachteil: Das funktioniert entweder nur in Innenräumen oder bei „Sichtkontakt“ zwischen Master- und Slaveblitz. Dafür sind diese Zellen recht günstig. Ich habe einen ganzen Artikel über die Servozellen geschrieben.

Funkauslöser

Sogenannte „Funktrigger“ waren vor einigen Jahren noch ein richtiger Luxus bzw. entsprechend teuer. Heute sieht dies ganz anders aus! Ich besitze drei Sorten:

  1. ganz einfache Funkauslöser für’n Appel und ein Ei,
  2. qualitativ hochwertigere Funktrigger von Yongnuo für etwas mehr,
  3. Funkauslöser, die zudem TTL-Informationen übertragen können:

Funkauslöser

Mit einem solchen Funkauslöser der gehoberenen Klasse lassen sich mehrere Blitzgeräte über bis zu 100 Metern kabellos ausslösen und mit TTL-Signalen versorgen (Yongnuo YN-622 TX).

Selbst solche simplen Funkauslöser für den Preis eines Kinobesuches das Set (Amazon) sind bereits ausreichend, den Blitz zu entfesseln, sofern man nicht gerade durch dicke Wände oder über sehr weite Entfernungen auslösen muss. Auf eine TTL-Funktion muss man verzichten - aber diese wird beim manuellen Blitzen ja ohnehin deaktiviert. Ich nutze solche simplen Auslöser seit jeher ohne Probleme.

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Ferner kann man sogar manuell die Leistung per Funk steuern sowie auch den Zoom (den Abstrahlwinkel) kompatibler Blitzgeräte.

Ich nutze meine Blitzkabel nur noch sehr selten. Hauptsächlich arbeite ich mit ihnen, wenn ich Makroaufnahmen mit dem Blitz belichten möchte: Wenn also Blitzgerät und Kamera nur recht wenig voneinander entfernt werden sollen. Primär arbeite ich mit meinen Funkauslösern. Andererseits: Ich habe immer ein ca. 5 Meter langes Kabel als Reserve dabei. Denn hier können weder die Batterien ausfallen (es gibt ja keine) noch kann kein unvorhersehbarer Defekt erfolgen, welcher nicht mechanisch verursacht wurde.

Es gibt indes noch einen unschlagbaren Vorteil von Blitzkabeln gegenüber Blitzfunkauslösern: Das Kabel synchronisiert den Blitz nahezu ohne Zeitverlust. Dies ist bei der sogenannten High-Speed-Fotografie (HSS) nicht unrelevant, nämlich wenn man bei äußerst kurzen Kamera-Verschlusszeiten blitzen möchte. Viele Funkauslöser können den Blitz dann nur noch bei ca. 1/250 Sekunde zeitgleich synchronisieren. Bei einem simplen Kabel jedoch muss man diesbezüglich keine Sorge tragen.

Artikeldatum: 18.07.2015 / letzte Änderung: 29.04.2016

Momentchen – Es gibt hier noch mehr interessante Artikel:

leider noch keine Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.





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