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Portraits ohne Softbox: Weiches Licht mit dem Blitz-Schirm

Ein wichtiges Zubehörteil meiner Ausrüstung ist mein Blitzschirm. Hierdurch wird das harte Licht des Blitzgerätes wesentlich weicher und so erst für z. B. Porträts nutzbar.

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Ein Blitzschirm: die Leuchtfläche wird wesentlich vergrößert.

Ein Blitzschirm: die Leuchtfläche des Blitzes wird wesentlich vergrößert.

Möchte man ein Objekt mit einem Aufsteckblitz ausleuchten (ob entfesselt oder auch nicht), wird man schnell feststellen, dass dieses Licht einen äußerst harten Charakter hat: Es reflektiert z. B. von der Stirn einer Person zurück zur Kamera und es bilden sich sehr viele unschöne schwarze Schatten um das Motiv herum. Da hilft übrigens auch nur sehr bedingt so ein kleiner „Weichmacher-Aufsatz„, den man auf den Blitz stecken kann.
Eine sehr günstige und dazu kompakte Lösung (im Gegensatz zu einer Softbox), das harte Blitzlicht weicher zu machen ist die Verwendung eines simplen Schirmes, hinter dem das Blitzgerät angebracht wird. Links im Bild sehen Sie bereits, was so ein Blitz-Schirm macht: Er vergrößert das kleine, punktuelle Licht des Blitzgerät um ein Vielfaches:

Je größer die Fläche einer Leuchte ist, desto weicher ist das Licht.

*Mit einem solchen "Servo-Auslöser" lässt sich ein zweites Blitzgerät als "Slave" nutzen: Sobald der Servo-Blitzschuh den "Master-Blitz" registriert, wird umgehend der zweite Blitz mit ausgelöst! Günstig auf Amazon. Praktisch: Man kann das Blitzgerät mittels diesen Würfels direkt auf ein Stativ schrauben, da ein entsprechendes Gewinde integriert ist.

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Ich arbeite sehr häufig mit einem solchen Schirm, wenn ich Portraits von Leuten mache: Schräg von vorne kommt das Hauptlicht: der Blitz mit dem Blitzschirm. Auf der gegenüberliegenden Seite stelle ich meist einen Aufheller hin, damit jener die Seite der Person, welche nicht direkt vom Schirm angestrahlt wird, genügend aufhellen kann. Bestenfalls befindet sich hier schon eine weiße Wand. Dann kann man auf den Aufheller verzichten. Ich habe an dieser Stelle aber auch schon erfolgreich mit einem weißen Bettlaken als Aufheller gearbeitet oder so ein Leinen-Bettlaken gar als Softbox verwendet.
Der Hintergrund meines Portraits (z. B. einfach eine weiße Wand) kann noch mit einem zweiten „nackten“ Blitz (also ohne Schirm) schräg angestrahlt werden, um einen Verlauf zu kreieren. Gerne nimmt man einen „nackten“ Blitz auch, um ein Konturenlicht zu erzeugen: Das Blitzgerät strahlt schräg von Hinten und streift die Person lediglich. Sämtliche weitere Blitzgeräte löse ich parallel mit Slave-Zellen aus. Sie sehen: Hier kann man variieren. Das wichtigste ist aber die Hauptlichtquelle: Der Hauptblitz mit dem Schirm davor. Sie können bereits mit nur einer einzigen solchen Leuchte schöne Portraits machen! Nutzen Sie hierzu den kleinen in der Kamera eingebauten Blitz, um zum einen ein Catchlight in den Augen der Person zu erzeugen bzw. zum anderen gleichzeitig als Master-Blitz für die Slave-Zelle am großen Blitz hinter dem Schirm.

Was wird für ein einfaches Studiolicht benötigt?

Für ein gutes Studiolicht, basierend auf einen Aufsteckblitz und Schirm, sind folgende Dinge nötig:

  1. ein manuell bedienbares Blitzgerät ab ca. 45€
    Siehe auch mein Artikel manuelles Yongnuo Strobist Blitzgerät
  2. einen Schirm / ein Lampenstativ / ein Schirm- bzw. Blitzhalter im Set ca. 28€

Sie sehen: Für knapp 75 Euro bekommt man ein durchaus taugliches Licht für gute Portraits! Das Yongnuo-Blitzgerät besitzt bereits eine integrierte Slave-Funktion bzw. kann einfach durch den in der Kamera eingebauten Miniblitz gezündet werden.

Worauf ist zu achten?

Diffusor-Scheibe am Blitzgerät

Die ausziehbare Streuscheibe am Yongnuo YN 560 III

Es ist wichtig, dass die gesamte Schirmfläche von hinten ausgeleuchtet wird. Denn wir wollen ja ein möglichst weiches Blitzlicht erzeugen. Daher ist es fast immer nötig, dass auf dem Blitzgerät eine Diffusor-Scheibe sitzt, welche das Licht möglichst weit streut. Der Yongnuo-Blitz (den ich selbst auch benutze) hat bereits eine eingebaute Streuscheibe. Der eingebaute Zoom des Blitzes wird zunächst auf Weitwinkel gestellt (24 mm). Danach wird die Diffusorscheibe heraus gezogen bzw. vor dem Blitzreflektor platziert. Hier ein Foto welches gut demonstriert, was passiert, wenn kein Diffusor auf dem Blitz sitzt:

Diffusor Scheibe fehlt am Blitz

Vergleichen Sie das Bild mit dem ersten Foto ganz oben in diesem Beitrag: Deutlich ist zu sehen, dass nun nicht die ganze Schirmfläche ausgeleuchtet wird. Das Licht wird also nicht weich genug werden.

Die Blitz-Schirm-Stativhalterung

Hier eine Detailaufnahme vom Blitzgerät auf der Schirmhalterung:

Blitzgerät auf Halterung für Schirm

Hier sehen Sie meinen manuellen Yongnuo-Blitz auf der Halterung. Meine Blitzschirm-Halterung besitzt einen Kugelkopf. So lässt sich die gesamte Konstruktion je nach Motiv drehen und schwenken. Der Blitz wird entweder über den eingebauten Funkempfänger oder aber einfach mittels dem eingebauten „Masterblitz“ an der Kamera ausgelöst.

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Man kann aber auch ein Blitzkabel per Buchse anschließen. Doch hier habe ich schlechte Erfahrung mit Wackelkontakten gemacht. Zudem stolpert man leicht drüber bzw. reißt schlimmstenfalls noch die Kamera oder den Schirm mit dem Blitzgerät um. Eine gute Alternative wäre noch ein simples Funkauslöser-Set.

*Selbst solche simplen Funkauslöser für den Preis eines Kinobesuches das Set (bei Amazon) sind bereits ausreichend, den Blitz zu entfesseln, sofern man nicht gerade durch dicke Wände oder über sehr weite Entfernungen auslösen muss. Auf eine TTL-Funktion muss man verzichten - aber diese wird beim manuellen Blitzen ja ohnehin deaktiviert. Ich nutze solche simplen Auslöser ohne Probleme.

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Lichtleistung der Schirm-Konstruktion

Jetzt wird es interessant: Wie weit kann der Schirm mit dem Blitzgerät dahinter vom Model wegstehen, damit es noch korrekt ausgeleuchtet wird? Ich bleibe hier beim Yongnuo-Blitz. Dieser besitzt zunächst eine (starke) Leitzahl von 40. Mein Blitzschirm schluckt ca. 1 Blende Licht. Mit ausgeklappter Diffuroscheibe liefert mein Blitz hinter dem Schirm eine Lichtmenge, welche bei einem Abstand von 2 Metern und bei einer ISO-Einstellung von 100 ISO eine Blende von f/5.6 erforderlich macht. Dies ist für die Portät-Praxis schonmal recht gut! Stellt man das Lampenstativ näher ans Motiv heran oder erhöht man die ISO an der Kamera, kann man freilich noch weiter abblenden. Benutzt man die Streuscheibe nicht, kann man um ca. eine halbe Blende weiter abblenden (erhält dann aber ein leicht härteres Licht). Gerade bei Portraits wird man aber, um eine geringe Schärfentiefe zu erlangen, bei noch geringeren Blenden arbeiten. So ist es sehr praktisch, dass ich mein Yongnuo-Blitz manuell in der Leistung (runter) regeln kann, wenn das Blitzlicht zu stark ist.

Schirm vs. Softbox

eine Mini Softbox

Mit so einer Mini-Softbox am Aufsteckblitz lässt sich allerdings höchstens eine Puppe weich ausleuchten.

Gegenüber einer echten Softbox hat der Schirm einige Nachteile, besitzt natürlich auch Vorteile: Zunächst kostet so ein Blitzschirm um ca. 15 € (je nach Qualität) weit weniger als eine spezielle Softbox für Aufsteckblitze. Denn mitunter muss das Befestigungssystem Softbox-Aufsteckblitz auch entsprechend aufwendiger gestaltet sein. Dann ist ein schnell zusammen geklappter Schirm viel besser portabel. Eine Softbox hingegen ist nach hinten abgeschirmt. Denn ein Teil des Blitzlichtes wird ja von der Schirmbespannung wieder zurück reflektiert. Hier (beim Schirm) geht zum einen ein Teil des Lichtes verloren. Zum anderen verursacht dies eventuell unerwünschte Streuung bzw. Aufhellung im Raum.

*Nur ein einziger Blitz - dies ist die Prämisse bei diesem Buch. Der Autor vermittelt Techniken, mittels derer man mit möglichst minimalistischem Setting dennoch zu aussagekräftigen Fotografien gelangt, eben nur mit einem einzigen Blitzgerät. Bei Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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Bei einer in sich geschlossenen Softbox wird dieses Licht aber wieder nach vorne gelenkt. Übrhaupt ist es mit einer Softbox vor dem Aufsteckblitz leichter, Licht zu lenken bzw. unbeabsichtigtes Licht neben oder auch hinter dem Model zu vermeiden. So lassen sich ja auch spezielle Stoff-Waben auf Softboxen aufziehen, um das Licht noch besser geradeaus lenken zu können. Bei einem leicht abgerundeten Schirm ist dies nicht möglich.

Gerade in kleinen, weiß gestrichenen Räumen muss man daher oft relativ dicht mit dem Schirm an das Model heran, um ungewollte Streuung (Aufhellung) zu vermeiden. In der Praxis hat sich dieser Nachteil für mich aber nie als Hindernis dargestellt. Ich nutze gerne den Blitzschirm. Meine Blitzgeräte, zwei Stative, der Schirm, ein Aufheller und die Kamera nebst Objektiv passen in einen größeren Rucksack, mit dem ich mich sogar noch auf’s Fahrrad setzen kann: eine ideale portable Lichtanlage stellt diese Lösung also dar.

Beispiele mit dem Blitzschirm im praktischen Einsatz

Zuletzt noch zwei Fotos von einem einfachen Lichtset mit einem Blitz hinter dem Diffusorschirm:

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Ein Stillleben

Lichtaufbau / Lichtset mit Schirm

Bei diesem Lichtset hatte ich diesmal meinen Metz-Stabblitz hinter dem Schirm positioniert. Angesteuert hatte ich jenen über ganz simple Funkauslöser Als Stativ nutze ich eines der (ziemlich günstigen) einfachen Leuchtenstative. Für so ein Blitzgerät sind sie völlig ausreichend. Lesen Sie mehr zu diesem Bild: Stillleben – Die Pinsel des Malers.

Eine Portrait-Szene

Portrait Foto mit Blitzschirm

Bei diesem Foto stand das Stativ mit meinem Yongnuo und dem Schirm davor links neben der Kamera und dem Model und zwar ca. in der Mitte. Dass hier mit Blitzlicht gearbeitet wurde, sieht man an den Schatten der Person. Diese Schatten sind (bedingt durch die Schirmfläche) sehr weich.

*Ein solch einfaches Set aus Blitzschirm, Stativ und Blitzhalterung bekommt man mittlerweile bereits für den Preis eines Restaurantbesuches zum Beispiel bei Amazon.

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Hätte ich den Blitz nackt ohne dem großen (Schirm-) Diffusor davor genutzt, würde das Bild natürlich ganz anders aussehen (ungefähr so / was ja natürlich auch seinen Reiz haben kann). Damit das Blitzlicht aber als solches möglichst „dezent“ in Szene gesetzt wurde, nutzte ich an der Kamera eine nicht zu kurze Belichtungszeit, damit die Umgebung durch das natürliche (weiche) Sonnenlicht (die Treppe befindet sich außerhalb auf einem Campus-Gelände) noch eine entsprechende Aufhellung erhielt. Die nötige Lichtmenge meines Blitzgerätes hinter dem Schirm ermittelte ich mit meinem Blitzbelichtungsmesser. Aber natürlich hätte ich auch mehrere Testauslösungen vornehmen können und das Ergebnis mittels dem Histogramm meiner Digitalkamera beurteilen können. Den Yongnuo steuerte ich von meiner Nikon aus einfach mit einem Funkauslöser, welcher in den Blitzschuh geschoben wird (und an dem man sogar die Leistung des Blitzes aus der ferne regulieren kann). Der 560er Yongnuo selbst hat ja einen Funkempfänger bereits eingebaut. Es ist doch ein schönes Bild mit klarer aber nicht aufdringlicher Lichtcharakteristik geworden, nicht? Am Grau der Wand sehen Sie auch, wie weich die Reichweite des Blitzes in der Ferne nachlässt, was hier allerdings sehr sinnvoll war. Denn somit befindet sich mein Model in einem ganz dezent gesetztem Spot.
Wie Sie eventuell draußen bei Umgebungslicht auf einen Schirm bzw. eine Softbox verzichten-, bzw. den Aufsteckblitz tatsächlich nackt einsetzen können, erfahren Sie hier: Etwas Pfiff in ein Portrait bei Tageslicht bringen.

Artikeldatum: 14.12.2014 / letzte Änderung: 23.01.2017

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2 Anmerkungen bisher

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.