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Blitzsynchronzeit an analoger Kamera testen

Was man bei einer Digitalkamera sofort sieht, kann bei einer analogen Kamera erst spät zum Ärgernis werden, wenn nämlich mit zu schnellen Belichtungszeiten geblitzt wurde. Hier zeige ich, wie man die schnellstmögliche Synchronzeit zum Blitzen leicht heraus finden kann.

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analoge KameraEine meiner analogen Kameras: eine „Pentacon Six“ Mittelformatkamera.

Ich fotografiere oft mit analogen Kameras. Hierbei habe ich die Möglichkeit, mit äußerst günstigem Equipment qualitativ sehr hochwertige Ergebnisse zu erhalten (ein guter Negativ-Scanner voraus gesetzt).
Bevor ich aber mit einer analogen Kamera ein Blitzgerät ansteuere, teste ich immer, ob die vom Hersteller angegebene schnellste Blitzsynchronzeit überhaupt (noch) mit dieser Kamera realisiert werden- oder ob man gar darüber hinaus noch Blitzgeräte störungsfrei synchronisieren kann. Denn die Geräte / die Mechaniken haben ja bereits viele Jahre auf dem Buckel.

Mit schnellster Blitzsynchronzeit meint man die schnellste Belichtungszeit, mittels welcher noch ein Blitz ausgelöst werden kann, ohne dass hierbei ein Verschlussvorhang des Schlitzverschlusses bereits im Bild auftaucht. Das Filmfenster muss also für diesen Moment komplett frei sein.

Was wird für den Test benötigt?

Ich spreche hier vom Testen einer analogen Kamera mit Schlitzverschluss. Kameras mit Zentralverschluss (z. B. Rolleiflex, Hasselblad oder Mamiya) können konstruktionsbedingt bei allen Verschlusszeiten einen Blitz auslösen.

Man benötigt neben der analogen Kamera eine Digitalkamera, welche völlig manuell eingestellt werden kann und mindestens eine Sekunde belichten kann. Zusätzlich benötigt man ein Blitzgerät sowie bestenfalls mindestens ein Stativ.

Aufbau des Test für die Synchronzeit

one-flash-buchNur ein einziger Blitz - dies ist die Prämisse bei diesem Buch. Der Autor vermittelt Techniken, mittels derer man mit möglichst minimalistischem Setting dennoch zu aussagekräftigen Fotografien gelangt, eben nur mit einem einzigen Blitzgerät. Bei Amazon kann man einen Blick in dieses Buch werfen.

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  1. Die analoge Kamera setze ich auf ein Stativ, stelle die angegebene schnellste Blitzsynchronzeit ein, richte sie ohne Objektiv auf eine weiße Wand und öffne die Rückwand der Kamera.
  2. An die analoge Kamera schließe ich ein Blitzgerät an und richte dieses gegen die weiße Wand. Ich habe für meinen Test das Blitzgerät entfesselt. Jedoch kann man jenes auch auf die Kamera direkt aufstecken.
  3. Ich habe eine Digitalkamera ebenfalls auf einem Stativ hinter die analoge Kamera gestellt und eine Belichtungszeit von einer Sekunde eingestellt.

Ablauf des Testes

  1. Die die Digitalkamera wird ausgelöst.
  2. Innerhalb deren Belichtungszeit wird die analoge Kamera ausgelöst bzw. der Blitz gezündet.

Auswerten der Testergebnisse

Beim letzten Test (den ich hier auch dokumentiere) hatte ich eine neu erworbene Kiev 60 auf die schnellst mögliche Synchronzeit überprüft. Bei der Kiev handelt es sich um eine recht vernünftige 6×6 Mittelformatkamera. Die Synchronzeit ist mit 1/30 Sekunde angegeben. Zunächst klingt dies recht langsam (was es für die Praxis auch ist). Jedoch ist dies nur normal für Mittelformatkameras mit Tuchverschluss / Schlitzverschluss.

Blitz Synchronzeit

Sie können bei diesem Foto folgendes erkennen: Während des Auslösens bzw. während des Synchronisieren des Blitzgerätes ist der gesamte 6×6-Filmbereich freigegeben. Beim Blitzen kann mit dieser Synchronzeit eine fehlerfreie Fotografie aufgenommen werden.

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Die an dieser analogen Kamera eingestellte Blitzsynchronzeit war hier 1/30 Sekunde. Nun folgt ein weiteres Testbild:

Kiev 60

Hier hatte ich die 1/125 Sekunde an meiner Kiev 60 eingestellt. Deutlich ist zu sehen, dass nun während der Blitzauslösung noch ein Teil des Verschluss-Tuches mit im Bild ist. Das Foto wäre nur zur Hälfte belichtet worden. Dass das Tuch hier transparent erscheint liegt übrigens an der Langzeitbelichtung der Digitalkamera. Das Tuch ist durchaus lichtdicht.

Bei meiner Kiev 60 kann ich also durchaus noch mit der angegebenen Synchronzeit von 1/30 Sekunde fehlerfrei einen Blitz synchronisieren. Bei schnelleren Zeiten kommt es zu Abschattungen auf dem Foto, und zwar bereits bei der 1/60 Sekunde.
Manche Kameras besitzen eine Schutzfunktion: Sie synchronisieren den Blitz erst gar nicht bei schnelleren Zeiten als die angegebene Synchronzeit. Zunächst wird hierbei allerdings eine Aufnahme geopfert. Jedoch merkt man dann beim Fotografieren wenigstens, dass irgend etwas nicht stimmt (und nimmt das Bild erneut [mit korrigierter Belichtungszeit] auf).

Wozu verschiedene Blitz-Belichtungszeiten?

Bei diesem Schnappschuss stellte ich an meiner Kamera eine allgemeine Belichtungskorrektur von EV -1 ein. In der separaten Blitzkorrektur entgegnete ich dieser Einstellung aber wieder und stellte EV +1 ein. Das Ergebnis: Das Umgebungslicht ist um einen Wert unterbelcihtet, das Blitzlicht wurde aber wieder auf "normal" kompensiert.Bei diesem Schnappschuss ist die Blitzstärke (oder die Blende) für den Vordergrund relevant. Die Helligkeit des Hintergrundes wird (unabhängig) über die Belichtungszeit der Kamera gesteuert.

Normalerweise spielt die Synchronzeit bei einem angeblitzten Motiv keine Rolle: Der Blitz wird eh immer schneller sein als die schnellst mögliche Synchronzeit der meisten Kameras.
Jedoch gibt es häufig auch noch eine weitere Lichtquelle: z. B. das Licht der Sonne, welches durch die Fenster eines Raumes fällt. Damit dieses später auf dem Foto nicht überbelichtet ist, muss man mit relativ schnellen Verschlusszeiten Blitzen können.
Anders herum geht es aber auch: Manche Kameras schaffen tatsächlich Blitzsynchronzeiten, welche schneller sind, als die sogenannte „Abbrennzeit“ des Blitzes. Bei zu schnellen Zeiten würde man dann einen Teil des Blitzlichtes aussperren (der Verschluss schließt bereits, während das Blitzlicht noch leuchtet) bzw. das Foto letztendlich unterbelichten. Dieser Fall dürfte in der Praxis allerdings selten auftauchen.
Lesen Sie bei Interesse auch meinen Artikel Die Rolle der Belichtungszeit beim Blitzen.

Testen der schnellen Belichtungszeiten einer analogen Kamera

Übrigens: Mit der eben besprochenen Methode lässt sich auch recht einfach ermitteln, ob die schnellen Zeiten der Kamera überhaupt noch einigermaßen korrekt ablaufen: Hierbei muss sich der Vorhang des Verschlusses bei der jeweils schnelleren Verschlusszeit immer ein Stückchen weiter im (durch die Digitalkamera dahinter) aufgenommenen Bild befinden. Tut er dies nicht bzw. befindet er sich auf den Testaufnahmen immer an gleicher Stelle, dürften die schnellen Belichtungszeiten nicht mehr richtig funktionieren (z. B. 1/500 = 1/1000). Die tatsächliche Belichtungszeit kann man damit freilich nicht ermitteln, jedoch wenigstens, ob es im schnellen Bereich überhaupt noch Unterschiede gibt.

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Bevor ich auf die Idee mit der Digitalkamera gekommen bin, hatte ich die Synchronzeiten immer mit einer Sonnenbrille und direkter Sicht durch die Kamera getestet. Meine neue Methode mit der Digicam ist da wesentlich effizienter.

Artikeldatum: 7.05.2015 / letzte Änderung: 30.04.2016

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leider noch keine Anmerkungen

Hinweis: Auch, wenn in den Texten alles sehr förmlich gehalten ist: Ich bin durchaus auch ein Freund des Dus und freue mich über Kommentare.





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