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Lichtleiterkabel: punktuelles Blitzen bei Makro-Aufnahmen

Ein mir persönlich eher fremdes Feld sind Makroaufnahmen. Nichtsdestotrotz soll hier auf dem Blitzblog ein entsprechender Artikel folgen: Ich beleuchte winzige Objekte punktuell mit Lichtleiterkabeln aus Glasfasern, die ich einfach durch eine Selbstbau-Lösung an mein Blitzgerät adaptiert habe.

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*Dieser Artikel ist gar nicht der, nach dem Sie eigentlich suchten? Vielleicht interessiert Sie jener mehr:
Buchvorstellung: einige Bücher zum Thema Blitzen

Gerne werden bei Makroaufnahmen entweder ein Ringblitz benutzt oder ein sogenannter Zangenblitz, bei dem zwei Blitzgeräte parallel um das Objektiv angeordnet sind. Bei  beiden Möglichkeiten wird das kleine Makro-Objekt vollständig ausgeleuchtet. Einfach einen Aufsteckblitz auf der Kamera selbst zu nutzen, wird kaum gehen: Es würde über das Motiv hinweg blitzen. Das selbe gilt auch für den internen „Pop-Up-Blitz“ (obwohl dessen Leistung selbst hierfür genügen würde).

All diese Möglichkeiten haben jedoch einen Nachteil, wenn man gewisse Bildvorstellungen hat: Sie leuchten alles im Vordergrund radikal gleichmäßig aus. Manchmal wünscht man sich vielleicht eine eher punktuelle Beleuchtung für Makro-Objekte. Schauen Sie mal:

eine Makroaufnahme mit Blitz

Bei dieser Makroaufnahme nutzte ich genau einen einzigen Blitz. Doch auf beiden Münzen liegt je ein Spot! So etwas kann man mit den gewohnten Mitteln nicht erreichen. Hier benötigt man ein oder mehrere Blitzleiter-Kabel bzw. „Lichtleiter-Kabel“. Bei solchen Lichtleitern handelt es sich um dünne Kunststoffkabel, die eben das Licht, welches am einen Ende einfällt, bis zum anderen Ende leiten. Und dieses andere Ende ist eben äußerst klein vom Kabeldurchschnitt – ideal zum Beleuchten von kleinen Objekten bzw. zum Blitzen in der Makro-Fotografie. Diese Lichtleiter werden wohl immer aus Glasfaser-Material bestehen.

Das Aufnahmeset

Die Geschichte ist wirklich leicht erklärt. Schauen Sie sich dieses Foto an:

Set mit Lichtleitern

Zunächst baute ich mir eine Mini-Hohlkehle aus einem schwarzen Karton. Münzen kommen auf schwarzem Untergrund besonders schön zur Geltung. Dann besitze ich zwei der besagten Lichtleiter-Kabel bzw Glasfaserkabel. Diese installierte ich vorne an meinem Blitz. Alsdann richtete ich die beiden Kabel so aus, dass sie jeweils genau auf die Münzen zielten. Ihnen wird auch der schwarze Stoff auffallen, welcher um das Blitzgerät gewickelt ist: Hier muss ich jegliches Fremdlicht von meinem Makro-Arrangement fernhalten! Es soll ja nur durch die beiden Mini-Spots beleuchtet werden.

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Ich nutze auch hier meinen treuen Yongnuo-Blitz. Dieser besitzt einen eingebauten Funkempfänger, sodass ich ihn einfach neben das Motiv legen kann. Außerdem lässt er sich prima manuell steuern (ebenfalls über Funk). Theoretisch könnte man hier auch das Blitzgerät direkt auf die Kamera stecken. Dann wird es aber knifflig mit den Lichtleiter-Kabeln. Und natürlich kann man ein einziges oder sogar zwei der Glasfaserkabel auch einfach auf dem internen Blitz der Digitalkamera montieren. Das Blitzgerät selbst braucht für solche Makro-Aufnahmen keine große Stärke besitzen. Mit wäre das aber ein zu arges Gebammel vor der Kamera, so dass ich einen entfesselten Blitz nutzte:

Selbstbau-Lichtleiter

Meine Mini-Spot hatte ich mir einfach selbst an das Blitzgerät installiert:

Selbstbau mit Lichtleitern

Ich nahm hierzu einfach einen dieser Aufsteck-Diffusor und bohrte vorne zwei Löcher hinein. Das ist nicht schlimm, denn diese Blitz-Diffusoren haben ohnehin kaum einen Sinn. Die beiden Lichtleiter-Kabel befanden sich noch in meiner „Grabbelkiste“. Sie stammen wohl ursprünglich von einem Aufsatz-System für Makroaufnahmen einer professionellen Lichtanlage. Das war’s auch schon mit meinem Eigenbau für punktuell ausgeleuchtete Makrofotografien.

Wenn Sie einen TTL-Blitz entfesseln können (nebst TTL-Informationen, z. B. mit dem Yongnuo YN622) bleibt hierbei natürlich die gesamte Belichtungsautomatik erhalten. Ich selbst arbeite / steuere jedoch bei solchen sich nicht bewegenden Objekten im selben Licht lieber manuell. Auf dieser Internetseite (englisch) können Sie sehen, wie jemand mehrere Lichtleiter einfach am internen Klappblitz montiert hatte. Dieses Lichtset sieht ebenfalls recht vernünftig aus, weicht aber etwas von meiner Idee der rein punktuellen Beleuchtung ab.

Hartes und weiches Licht

Bei dem Makro-Foto oben mit den zwei Münzen wurde ein recht hartes, „punktuelles“ Licht verwendet. Die beiden Leuchtflächen sind selbst für diese kleinen Objekte bereits sehr klein und je kleiner die Leuchtfläche ist, desto härter ihr Licht.

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Nun könnte man sich hierfür auch Mini-Softboxen für die Makros bauen! Man würde nur etwas Karton und etwas Pergamentpapier benötigen. Bei meinem obigen Beispielbild müssten diese Softboxen dann ungefähr genau so groß sein wie die Münzen. Der Nachteil: Die Objekte wären dann nicht mehr so schön punktuell ausgeleuchtet. Doch hierfür behilft man sich mit folgendem: Einer Wabe. Diese Waben sind einfache Gitter, welche in Fotostudios auf den Softboxen installiert werden: Sie behalten den weichen Grund-Lichtcharakter bei, reduzieren jedoch Lichtstreuung im Raum. Und was im Großen funktioniert, kann auch bei Makroaufnahmen in Miniatur funktionieren. Doch zugegeben: So etwas habe ich mir noch nicht selbst gebaut, denn wie gesagt: Makros sind nicht so meine Welt.

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Woher die Glasfaserkabel nehmen?

Meine Glasfaser-Lichtleiter stammen höchstwahrscheinlich tatsächlich von einer richtigen Blitzanlage bzw. gehörten dort zum Zubehör. Was ich bei meiner Recherche gefunden hatte, war, dass solche Lichtleiter in der Unterwasserfotografie eingesetzt werden. Aber hier ist das Angebot recht gering. Man könnte eigentlich auch die Lichtleiter-Fasern einer sogenannten UFO-Lampe (Amazon) nutzen. Man müsste den Strang aus der Lampenfassung entfernen, ihn zusammen binden oder in einen dünnen Kabelkanal schieben und hätte dann einen sehr günstigen Lichtleiter. Meine Empfehlung zum Bündeln: ein sogenannter „Schrumpfschlauch“ aus Gummi, der sich bei Hitze (Feuerzeugflamme darunter halten) einfach zusammen zieht. Ich selbst habe dies aber nicht probiert. Dies wäre mein Ansatz, wenn ich keine Leiterkabel hätte.

Artikeldatum: 4.01.2016 / letzte Änderung: 13.09.2019

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Wolfram | am 14. Dezember 2018

Hallo,
und danke für den Beitrag.
Die Idee mit den Lichtleitern hebe ich auch schon sehr lange.
Die Idee stammt wohl ursprünglich von der „Kaltlich Beleuchtung“ z.B bei Auflicht Mikroskopen.
Dieses Dauerlicht würde ja bei Makro von toter Materie vom Stativ aus auch gehen.
Ich weiß, kaufen ist feige… 😉
Aber ich glaube ich baue mir jetzt mal so etwas als „Studioblitz“
Also Blitz und z.B. LED als Einsteillicht.
TTL brauche ich bei Makro nicht.
Also werde ich wohl den Reflektor aus einem kleinen Aufsteckblitz mit Röhre vom Gehäuse trennen, in ein separates, kleines Gehäuse zusammen mit einer LED legen.
Es spricht ja auch nichts dagegen mehrere Glasfasern zusammen für einen Kanal zu verwenden.
Bei nur 2mm gibt es wohl zu viele Verluste.
Mein Plan ist es die „Leuchtärmchen“ in einen biegbaren Schlauch (Schwanenhals“ zu legen.
Da gibt es so komische USB Lämpchen für den Laptop….

Ich hoffe dein Beitrag ist mir Anreiz genug das Projekt endlich zu starten.

Tom | am 8. Januar 2016

Hallo, ich hatte auch mal bei Ebay oder Amazon gesucht: Fehlanzeige. Irgendwie komme ich da immer nur auf Kabel für Audioverbindungen oder ähnlichem. Mein silbernes Kabel hat einen Enddurchmesser von je ca. 4 mm, das dünnere von ca. 2 mm. Die Lichtleiterkabel selber sind aber etwas dicker, die Enden sind verjüngt, da sie offenbar am Originalsystem eingesteckt werden konnten. Doch ich weiß nicht, welches „Originalsystem“ das eigentlich gewesen sein musste. Ich hatte die Lichtleiter mal aus einer Studioauflösung bekommen.

dokografzahl | am 8. Januar 2016

Hi,
den Gedanken, solche Lichtleiter zu verwenden, hatte ich vor Jahren auch schon mal, hatte es dann aber nicht weiter verfolgt. Welchen (Innen-)Durchmesser haben Deine Lichtleiter? Ein erster Erkundungsblick in der „Bucht“ ergab ein Riesenangebot; allerdings alle mit Durchmessern zwischen 1-2 mm. Das erscheint mir etwas klein, oder?


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